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Forderung nach HZV-EindämmungHausärzte üben scharfe Kritik am AOK-Bundesverband

Der AOK-Bundesverband fordert öffentlich ein Ende des Kontrahierungszwangs - und zieht damit den Ärger der Hausärztinnen und Hausärzte auf sich. Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) so "einstampfen" zu wollen, sei absurd, kritisiert deren Verband scharf. Nicht zuletzt richte sich die AOK damit gegen die eigenen Versicherten.

Empfang in der Praxis: Mit ihrer Aussage stelle sich die AOK nicht zuletzt gegen die eigenen Versicherten, von denen viele freiwillig in die HZV eingeschrieben sind, kritisiert der Hausärztinnen- und Hausärzteverband.

Berlin. Die Forderung des AOK-Bundesverbandes, die Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) einzudämmen, hat der Hausärztinnen- und Hausärzteverband (HÄV) am Mittwoch (4. März) umgehend scharf gekontert. Der AOK-Bundesverband und seine Vorsitzende Dr. Carola Reimann positionierten sich „zum wiederholten Mal als Gegner der Hausärzteschaft und unserer Patientinnen und Patienten“, kritisierten die Bundesvorsitzenden Prof. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier.

Auf der einen Seite den Ausbau eines Primärversorgungssystems zu fordern und auf der anderen Seite das etablierte Modell der HZV „einstampfen“ zu wollen, sei „vollkommen absurd“, so die HÄV-Spitze in ihrer unmittelbaren Replik.

HÄV kritisiert “irrwitzige” Aussage

Der AOK-Bundesverband hatte am Mittwoch anlässlich des zweiten Fachgesprächs des Bundesgesundheitsministeriums zur Ausgestaltung eines Primärversorgungssystems öffentlich gefordert, den sogenannten Kontrahierungszwang, der Krankenkassen dazu verpflichtet, HZV-Verträge zu schließen, zu beenden. „Ein verbindlicher Aufbau der Primärversorgung kann nur in der Regelversorgung gelingen“, teilte Dr. Carola Reimann mit.

Mit einer solchen Aussage richte sich die AOK nicht zuletzt gegen die eigenen Versicherten, von denen ebenfalls viele freiwillig in HZV-Verträge eingeschrieben seien, erinnerten Buhlinger-Göpfarth und Beier.

Die Aussage, dass ein Primärversorgungsmodell nur in der Regelversorgung funktionieren könne, sei „schlichtweg irrwitzig“. „Sämtliche Innovationen der vergangenen Jahre – vom Teampraxismodell bis zur Modernisierung des Vergütungssystems – kommen aus der HZV und nicht aus der Regelversorgung. Wer vor diesem Hintergrund allen Ernstes ausschließlich auf die Regelversorgung bauen will, der ersetzt die Fakten durch seine eigene Wirklichkeit und beweist, dass er mit seinen Ideen im letzten Jahrhundert steckengblieben ist“, so die Bundesvorsitzenden des HÄV. Ohne die HZV werde die Reform eines flächendeckenden Primärversorgungssystems scheitern.

Ministerium setzt auf Nebeneinander von Regelversorgung und HZV

In ihrer Mitteilung hatte die AOK den Aufbau eines Primärversorgungssystems grundsätzlich begrüßt und auch die jüngsten Studienergebnisse der Bertelsmann Stiftung, die der Teamarbeit großes Potenzial attestierten, lobend hervorgehoben. Die Primärversorgung werde “nicht, wie oft behauptet, zum neuen Nadelöhr”, stellte die Kasse klar. Der in der Mitteilung ebenfalls enthaltene Aufruf gegen den Kontrahierungszwang richtet sich jedoch deutlich gegen die HZV. In dieser leben bereits rund elf Millionen Menschen erfolgreich ein Primärversorgungsmodell, wie es in der Regelversorgung nun aufgebaut werden soll.

Das Bundesgesundheitsministerium setzt deutlich auf ein Nebeneinander von Regelversorgung und HZV bei der Umsetzung des im Koaltionsvertrag festgeschriebenen Primärarztsystems, wie es nach dem ersten Fachgespräch im Ministerium, bei dem auch der HÄV vertreten war, unterstrichen hatte.

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