Hamburg/Berlin. HZV-Patientinnen und Patienten würden im Vergleich zur Regelversorgung weder besser noch preiswerter durch das Gesundheitssystem gesteuert, teilt die Techniker Kasse am Freitag (29.5.) mit.
Die Kasse beruft sich auf ein Gutachten von Prof. Dr. Jonas Schreyögg, Direktor des Hamburg Center for Health Economics (HCHE). Dieser hat im Auftrag der TK die Auswirkungen der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) anhand der TK-Verträge analysiert.
Seine Schlussfolgerungen: Die HZV reduziere weder unnötige Facharztkontakte noch Krankenhausaufenthalte. Für die HZV entstünden der TK zudem Mehrkosten in Höhe von 160 Millionen Euro.
TK will digitale Ersteinschätzung
Statt der HZV fordert die TK ein Primärversorgungssystem mit einer verbindlichen digitalen Ersteinschätzung als erste Anlaufstelle. “Diese soll sie auf Basis ihrer Symptome direkt in die passende Versorgung leiten – je nach Bedarf ein zeitnaher Haus- oder Facharzttermin, eine Videosprechstunde oder auch erstmal Bettruhe”, erklärt Thomas Ballauf, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK.
Das eine einzelne Studie nun scheinbar in Teilen von einer breiten Evidenz abweicht, finden die beiden Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Blumenthal-Beier “auffällig”.
Positive Effekte der HZV mehrfach bewiesen
Denn die HZV gehöre zu den am umfassendsten und am längsten wissenschaftlich begleiteten Versorgungsstrukturen in der deutschen Gesundheitsversorgung. Buhlinger-Göpfarth und Blumenthal-Beier: “Seit über 15 Jahren zeigen die Universitäten Frankfurt am Main und Heidelberg konsistent in regelmäßigen Evaluationen: Durch die HZV gibt es eine bessere und effizientere Versorgung, reduzieren sich Krankenhauseinweisungen, wird die Arzneimitteltherapie zielgerichteter. Auf ähnliche positive Effekte verweist auch der Sachverständigenrat Gesundheit sowie Studien des Kassenverbandes GWQ.”
Weniger überraschend finden die beiden Bundesvorsitzenden die die Positionierung der TK. Die habe sich zuletzt immer wieder gegen ein hausärztlich gesteuertes Primärversorgungsmodell “und für eine anonyme digitale Hotline als Ersteinschätzung ausgesprochen”. Die Ergebnisse gelte es nun, auch hinsichtlich der Methodik und der Datenbasis, zu betrachten und auszuwerten.
Beziehungsmedizin versus digitale Hotline
“Bei der Hausarztzentrierten Versorgung geht es primär um Beziehungsmedizin – einen Hausarzt/eine Hausärztin und einen Patienten/eine Patientin, die sich über lange Zeit aneinanderbinden, sich kennen, Vertrauen aufbauen. Das ist der Grundstamm der verbesserten Versorgung, die bei der Hausarztzentrierten Versorgung, aber auch in vielen anderen Ländern der Welt bei hausärztlichen Primärversorgungssystemen wiederholt nachgewiesen wurde. Was der TK stattdessen vorzuschweben scheint, ist eine `Digitaldystopie´, in der Beziehungsmedizin ersetzt wird durch eine digitale Hotline, die die Menschen anonym von einem zum nächsten Arzt lotst. Das würde keinen einzigen Termin einsparen. Das wäre das Ende der Beziehungsmedizin. Gerne kann die TK ihre Versicherten fragen, ob sie sich das so wünschen!”, resümieren Buhlinger-Göpfarth und Blumenthal Beier. red
