Stuttgart. Mit großer Mehrheit haben die Delegierten des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Baden-Württemberg ihren bisherigen Vorstand für eine weitere Amtsperiode verlängert. Die beiden Vorsitzenden Prof. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Susanne Bublitz wurden mit 38 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen wiedergewählt. Die Ergebnisse der weiteren Vorstandsmitglieder fielen ähnlich deutlich aus.
Der Vorstand wird weiterhin komplettiert von Dr. Thomas Heyer (Schatzmeister), Dr. Simon Schwill (Schriftführer), den Beisitzenden Dr. Yvonne Fechner und Dr. Manuel Magistro sowie den Bezirksvorsitzenden Dr. Jürgen de Laporte (Nordwürttemberg), Dr. Lutz Weber (Südwürttemberg), Dr. Dirk Kölblin (Südbaden) und Dr. Reto Schwenke (Nordbaden).
HZV als Blaupause für Primärversorgungssystem
In einem Leitantrag fordern die Hausärztinnen und Hausärzte, die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) als Basis des geplanten Primärversorgungssystems zu nutzen. Diese sei seit 18 Jahren evaluiert (s. Kasten) und es hätten sich inzwischen bald elf Millionen Versicherte freiwillig für dieses System entschieden, sagte Buhlinger-Göpfarth.
Die HZV wirke sich deswegen so positiv auf die Versorgung der Patientinnen und Patienten aus, weil die Akteure in Baden-Württemberg an einem Strang ziehen und konsequent die Hausarztpraxis als zentrale Anlaufstelle genutzt werde. „Wir sind nicht der Flaschenhals“, konterte Bublitz Argumente von anderen Akteuren wie Kassen oder fachärztlichen Vertretern. Dies untermauere die jüngst vorgestellte Bertelsmann Studie. „Die Studie zeigt, dass wir mit Teamarbeit – wie der Verband sie mit HÄPPI lebe – den Versorgungsgrad auf 150 bis 200 Prozent erhöhen können.“
Um die HZV nach Baden-Württemberger Blaupause bundesweit zu fördern, braucht es aus Sicht des Verbandes auch Anreize für die Kassen.
„Zentrale digitale Ersteinschätzung nicht für die Regelversorgung“
Eine Abfuhr erteilten die beiden Landesvorsitzenden den Ideen des NRW-Gesundheitsministers Prof. Karl-Friedrich Laumann (CDU), grundsätzlich eine digitale Ersteinschätzung zu etablieren. Dies sei sinnvoll und gut evaluiert für die symptombasierte Ersteinschätzung in der Notfallversorgung, erklärte Buhlinger-Göpfarth. Es könne aber nicht einfach auf die Regelversorgung übertragen werden. „Die Terminknappheit wird dadurch nicht gelöst.“ Und Bublitz fügte hinzu: „Die aktuell eingesetzten Symtomchecker führen in der Praxis jetzt schon zu einem massiven Over Alerting.“
Stattdessen kann sich Buhlinger-Göpfarth für die Regelversorgung eine Abwandlung der digitalen Ersteinschätzung vorstellen: So könnten digitale Ersteinschätzungstools, wie etwa Docyet, in Hausarztpraxen sinnvoll zur Unterstützung der Ersteinschätzung integriert werden. Hier könne die Ersteinschätzung dann auch auf die Langzeitdaten der Versicherten in der Praxissoftware zugreifen und diese sinnvoll bei der Ersteinschätzung einbinden. „Das funktioniert aber nur auf Praxisebene und eben nicht als zentrales System“, betonte Buhlinger-Göpfarth.
