Hiermit loggen Sie sich bei DocCheck aus.
Abbrechen

ArzneimittelspendeSpende statt Mülleimer

Was tun mit noch haltbarem Insulin und Pens, wenn ein Mensch mit Diabetes sie nicht mehr benötigt? In den Restmüll damit? Es geht auch anders: Das Hilfsprojekt "Insulin zum Leben" sammelt übrig gebliebene Diabetes-Medikamente und Hilfsmittel und schickt sie in Länder, in denen sie Leben retten.

Heidrun Schmidt-Schmiedebach und ihre Kollegin im Insulinlager: Zwei Räume. einer 15, einer 9 Quadratmeter groß.

Während sich eine Diabeteserkrankung in Ländern wie Deutschland sehr gut behandeln lässt, kann Diabetes mellitus in Ländern des Globalen Südens ein Todesurteil bedeuten. Denn viele Menschen können sich die teuren Medikamente und Hilfsmittel nicht leisten.

Warum also nicht Insulin, Teststreifen oder Spritzutensilien, die in wohlhabenden Ländern nicht mehr benötigt werden – etwa bei einer Therapieumstellung oder wenn ein Mensch mit Diabetes stirbt – in Länder schicken, in denen die Medikamente dringend benötigt werden?

Das dachte sich auch der Australier Ron Raab, selbst an Typ-1-Diabetes erkrankt, als er Anfang der 1990er Jahre in Melbourne die Hilfsorganisation “Insulin for Life” gründete.

Mittlerweile ist die Organisation in acht Ländern vertreten – und seit über 30 Jahren auch in Deutschland. Heinz Jäger initiierte das Projekt “Insulin zum Leben” im Jahr 1994 unter dem Dach der ehemaligen Deutschen Diabetes Union, eine Vereinigung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), des Deutschen Diabetiker Bunds (DDB) und des Bunds diabetischer Kinder und Jugendlicher (BdKJ).

Nach seiner Gründung in Deutschland sammelte “Insulin zum Leben” zunächst Geldspenden, um den teuren Versand der gespendeten Medikamente von Australien aus in die Länder des Globalen Südens zu unterstützen. Nach dem Tod von Heinz Jäger im Jahr 2000 wurde Heidrun Schmidt-Schmiedebach Projektleiterin von “Insulin zum Leben” – und ist bis heute, mittlerweile 72 Jahre alt, dabei.

Unter Leitung von Schmidt-Schmiedebach begann “Insulin zum Leben” auch in Deutschland Medikamente und Hilfsmittel zu sammeln und an Adressen in Südamerika und Afrika zu schicken, die vom australischen Dachverband vermittelt wurden. Dort werden alle Kontakte geprüft, damit die Diabetesmedikamente und Hilfsmittel nicht auf dem Schwarzmarkt landen.

Schmidt-Schmiedebach erklärt: “Unsere Pakete gehen an Ärzte und Organisationen, mit denen wir schon sehr lange zusammenarbeiten, die gut vernetzt sind und bei denen wir wissen, dass die Medikamente tatsächlich den Menschen zugutekommen, die sie benötigen. Bei direkten Sendungen an Regierungen, die uns zwar die Einfuhr beim Zoll erleichtern würden, käme das Insulin nie bei den hilfsbedürftigen Menschen an.”

Zwei Räume und zwei Mitarbeiterinnen

Sitz von “Insulin zum Leben” ist Rastatt in Baden-Württemberg, eine Stadt mit 50.000 Einwohnern, zwischen Karlsruhe und Baden-Baden gelegen. Hier befindet sich das Insulinlager, “zwei Räume, einer 15 Quadratmeter, der andere 9 Quadratmeter groß”, berichtet Schmidt-Schmiedebach, die selbst Typ-1-Diabetikerin ist. Die Räumlichkeiten und Kühlmöglichkeiten für die Arzneimittel sowie Unterstützung bei der Annahme von Paketen stellt das Pharmaunternehmen Biokanol im Firmengebäude unentgeltlich zur Verfügung.

Zwei Minijobberinnen unterstützen Schmidt-Schmiedebach beim Auspacken, Kontrollieren, Sortieren, Verpacken und Versenden der Pakete – “pro Woche verschicken wir etwa vier Pakete, an Diabetesorganisationen und spezialisierte Ärztinnen und Ärzte in Gambia, in der Demokratischen Republik Kongo, in Ruanda, Kamerun, Tschad, Togo, Bolivien oder Peru”, berichtet Schmidt-Schmiedebach. “In 23 Jahren sind zwei Pakete bei der Ausfuhrkontrolle in Deutschland zurückgewiesen worden, und zwar mit Verdacht auf Batterien.”

Probleme mache eher die Einfuhr in die Zielländer: “Teilweise wollen die Länder zum Beispiel ein Analysezertifikat für die eingeführten Medikamente. Das haben wir aber nicht, da die Hersteller nicht veröffentlichen, wie sie ihre Produkte genau herstellen und was die Ausgangsstoffe sind – und ganz grundsätzlich sind das ja Medikamente, die für den deutschen Markt geprüft wurden.”

Am sichersten sei die Einfuhr über gute und seit Langem bestehende Kontakte: “In den Kongo läuft die Einfuhr zum Beispiel problemlos über eine Diözese, in Gambia ist ein Arzt, an den wir die Pakete schicken, offensichtlich so gut vernetzt, dass auch hier die Einfuhr problemlos klappt”, erzählt Schmidt-Schmiedebach.

Insgesamt können ihren Berechnungen zufolge über die von “Insulin zum Leben” verschickten Pakete rund 600 bis 700 Menschen über ein Jahr regelmäßig mit Insulin versorgt werden.

Welche Medikamente können gespendet werden?

Für die Spenden gibt es bestimmte Anforderungen. So werden nur Insulin- und Hilfsmittelspenden angenommen, die noch mindestens vier Monate haltbar sind. Insulin kann ungekühlt verschickt werden, das Hilfsprojekt empfiehlt, das Insulin aus dem Kühlschrank zu nehmen, es zu verpacken und direkt zur Post zu bringen, sodass es noch am selben Tag verschickt wird.

Wichtig sind neben Insulin vor allem Teststreifen, zudem auch Verbrauchsmaterial wie Lanzetten, Pens und Einmalspritzen (nur U100). “Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken können auch einen Flyer auslegen, den wir zur Verfügung stellen, und so auf das Projekt ‚Insulin zum Leben‘ aufmerksam machen”, erklärt Schmidt-Schmiedebach. “Somit hat die jeweilige Einrichtung nur Informationsarbeit. Einige schicken uns aber auch Insulin, das zum Beispiel nach Schulungen abgegeben wurde.”

Kritik: Sind Spenden zu aufwendig?

Einige Hilfsorganisationen sehen mittlerweile von Arzneimittelspenden ab – zu hoch seien die Kosten für Lagerung und Transport. Zudem könne die Arzneimittelsicherheit von gespendeten Medikamenten nicht gewährleistet werden, und auch die deutsche Beschriftung könne in den Zielländern zu Verwirrung und Fehlmedikation führen.

Auch “Ärzte ohne Grenzen” verweist darauf, dass Medikamentenspenden in der Regel mit einem großen Verwaltungs- und Personalaufwand verbunden sind. Besser seien daher Geldspenden, von denen Hilfsorganisationen gezielt Medikamente und Hilfsmittel kaufen können.

Nicht jedem ist eine Geldspende allerdings möglich. Bei “Insulin zum Leben” halten sich die Kosten dank der kostenfreien Miete und Lagerung zudem in Grenzen, betont Schmidt-Schmiedebach. Teuer ist vor allem der Versand in die jeweiligen Zielländer: “Wenn wir zum Beispiel ein 20 Kilogramm schweres Paket über UPS oder FedEx verschicken, kostet das mittlerweile 1.200 Euro”, berichtet die Projektleiterin.

“Wir freuen uns daher natürlich immer auch über Geldspenden und unterstützen damit auch Diabetesorganisationen vor Ort, die Schulungs-Camps für Menschen mit Diabetes anbieten.” Diese Camps seien nicht nur wichtig, um den betroffenen Menschen den praktischen Umgang mit ihrer Erkrankung im Alltag zu vermitteln. “Sondern auch, damit die Menschen andere Betroffene kennenlernen und merken, dass eine Diabetes-Erkrankung keinerlei Diskriminierung rechtfertigt.”

Besucht hat Schmidt-Schmiedebach schon fast jeden Ort, an den die Insulinspenden gehen: “Die Menschen sind sehr dankbar – wenn ich abreise, muss ich immer versprechen, sie nicht zu vergessen.”

E-Mail-Adresse vergessen? Schreiben Sie uns.
Passwort vergessen? Sie können es zurücksetzen.
Nur wenn Sie sich sicher sind.

Sie haben noch kein Passwort?

Gleich registrieren ...

Für Hausärztinnen und Hausärzte, Praxismitarbeitende und ÄiW (Allgemeinmedizin und Innere Medizin mit hausärztlichem Schwerpunkt) ist der Zugang immer kostenfrei.

Mitglieder der Landesverbände im Hausärztinnen- und Hausärzteverband profitieren außerdem von zahlreichen Extras.

Hier erfolgt die Registrierung für das Portal und den Newsletter.


Persönliche Daten

Ihr Beruf

Legitimation

Die Registrierung steht exklusiv ausgewählten Fachkreisen zur Verfügung. Damit Ihr Zugang freigeschaltet werden kann, bitten wir Sie, sich entweder mittels Ihrer EFN zu legitimieren oder einen geeigneten Berufsnachweis hochzuladen.

Einen Berufsnachweis benötigen wir zur Prüfung, wenn Sie sich nicht mittels EFN autorisieren können oder wollen.
(max. 5 Dateien; PDF, JPG, PNG oder TIF)

Mitglied im Hausärzteverband
Mitglieder erhalten Zugriff auf weitere Inhalte und Tools.
Mit der Registrierung als Mitglied im Hausärzteverband stimmen Sie zu, dass wir Ihre Mitgliedschaft überprüfen.

Newsletter
Sie stimmen zu, dass wir Ihre E-Mail-Adresse für diesen Zweck an unseren Dienstleister Mailjet übermitteln dürfen. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen.

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.
Newsletter abbestellen

Wenn Sie den Newsletter abbestellen wollen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an und wählen Sie die gewünschte Funktion. Wir senden Ihnen dann eine E-Mail zur Bestätigung.