Hiermit loggen Sie sich bei DocCheck aus.
Abbrechen

Serie "Jeder Fehler zählt"Patientinnen verwechselt – spielt Rassismus eine Rolle?

Zwei Patientinnen mit demselben ausländisch klingenden Nachnamen wurden verwechselt. Hat unbewusste Diskriminierung zu dem Fehler beigetragen? Und was lässt sich dagegen tun?

68 Prozent der Musliminnen haben sich schon einmal von medizinischem Personal ungerechter oder schlechter behandelt gefühlt.

Patientenverwechslungen werden in der Literatur vor allem bei chirurgischen Eingriffen beschrieben, sind aber auch in der hausärztlichen Praxis relevant.

Das zeigen die im Fehlerberichts- und Lernsystem “jeder-fehler-zaehlt.de” eingegangenen Berichte. Bei einer Auswertung der in der Datenbank vorhandenen Berichte zu Patientenverwechslungen in der Hausarztpraxis hatten die Fälle folgenden Inhalt:

  • falscher Name im Terminkalender
  • falscher Name auf der AU, der Einweisung, einem Rezept
  • Aushändigung falscher Dokumente
  • Scannen bzw. Zuordnung falscher Dokumente
  • irrtümliche Blutentnahme

Kommunikation thematisieren wir im Rahmen dieser Serie oft, da sie ein zentraler Teil von Patientensicherheit ist – sowohl innerhalb des Behandlungsteams als auch mit den Patientinnen und Patienten. Für eine korrekte Zuordnung der Patientinnen und Patienten ist immer der vollständige Name in Kombination mit dem Geburtsdatum erforderlich. Ein Beispiel für eine gute Einstiegsfrage: “Wie heißen Sie und wann sind Sie geboren?”

Rassismus in der Praxis?

Den aktuellen Fall (s. Box) nehmen wir zum Anlass, den Zusammenhang von Rassismus in der Medizin und Patientensicherheit kritisch zu beleuchten. Denn die bzw. der Berichtende vermutete, dass die Identitätskontrolle wegen des ausländisch klingenden Nachnamens weniger sorgfältig durchgeführt wurde.

Solche Erfahrungen passen zu einem Muster: Viele Patientinnen und Patienten mit Migrationsgeschichte berichten, sich nicht ernst genommen oder weniger sorgfältig behandelt zu fühlen.

Die Studie “Rassismus und seine Symptome” [1] zeigte, dass sich 68 Prozent der muslimischen Frauen bereits von Ärztinnen bzw. Ärzten oder dem medizinischen Personal ungerechter oder schlechter behandelt gefühlt haben. Ähnlich äußerten sich 67 Prozent der Schwarzen Frauen und 60 Prozent der Schwarzen Männer. Auch 61 Prozent der asiatischen Frauen geben an, im Gesundheitsbereich eine ungerechte oder herabsetzende Behandlung erfahren zu haben.

Gerade in der hausärztlichen Versorgung kann das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, das Vertrauensverhältnis zwischen Patientinnen und Patienten und Ärztinnen und Ärzten schwächen.

No blame, no shame

Wir können die Vermutung der Autorin oder des Autors des aktuellen Falls nicht bewerten, allerdings gibt es Evidenz zu Rassismus im deutschen Gesundheitswesen [2], [3]. Doch wie kann dieses Thema in der Hausarztpraxis sinnvoll aufgegriffen werden? Eine Sicherheitskultur baut auf dem Prinzip “no blame, no shame” auf, also dem Grundsatz, bei Problemen keine Schuldigen zu suchen, sondern Ursachen.

Dieser Ansatz kann auch für das Aufarbeiten von Rassismus in der Hausarztpraxis zielführend sein. Ein erster Schritt wäre zum Beispiel die Schulung von Mitarbeitenden zum Thema Diversitätsbewusstsein und Diskriminierungsprävention (wie im Fallbericht vorgeschlagen). Es braucht einen Rahmen, um sich über ähnliche Fälle auszutauschen und Selbstreflexionsprozesse zu fördern.

Welche Situationen führen besonders oft zur Verwechselung von Patientinnen und Patienten? Dabei stellt sich die Frage, in welchen Situationen Patientinnen und Patienten besonders sorgfältig überprüft werden und in welchen Fällen stattdessen auf Annahmen oder Routinen zurückgegriffen wird.

Das Erkennen eigener Abwehrhaltungen und das Schaffen von geschützten Räumen für Austausch und Diskussion ermöglichen es, dass solche Muster sichtbar werden und sich mit der Zeit verändern.

Indem sich das Praxisteam aktiv mit rassistischen Vorfällen und Diskriminierungserfahrungen auseinandersetzt – etwa durch regelmäßige Qualitätszirkel, Fallbesprechungen und kollegialen Austausch – kann sich eine rassismuskritische Praxis entwickeln.

Regelmäßige Schulungen und gezielte Interventionen helfen, diskriminierende Muster zu erkennen, offen anzusprechen und zu reflektieren, sodass das Team eine bewusste, antirassistische Haltung entwickeln kann [4].

Der Autor und die Autorin erklären, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Literatur:
  1. Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), 2023. Rassismus und seine Symptome. Bericht des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors.
  2. Schödwell S et al. Strukturelle Diskriminierung und Rassismus in der Krankenhausversorgung: die Rolle ökonomischer Rahmenbedingungen in der interkulturellen Öffnung. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2022 Dec;65(12):1307-1315. doi: 10.1007/s00103-022-03615-x
  3. Pattillo M et al. Racism against racialized migrants in healthcare in Europe: a scoping review. Int J Equity Health. 2023 Sep 29;22(1):201. doi: 10.1186/s12939-023-02014-1
  4. Bhattacharya S, Windel A, Yeboah A. “Das ist bestimmt nur der Stress” – Die Allgemeinmedizin rassismuskritisch. Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung, April 2025, S. 75–82.
E-Mail-Adresse vergessen? Schreiben Sie uns.
Passwort vergessen? Sie können es zurücksetzen.
Nur wenn Sie sich sicher sind.

Sie haben noch kein Passwort?

Gleich registrieren ...

Für Hausärztinnen und Hausärzte, Praxismitarbeitende und ÄiW (Allgemeinmedizin und Innere Medizin mit hausärztlichem Schwerpunkt) ist der Zugang immer kostenfrei.

Mitglieder der Landesverbände im Hausärztinnen- und Hausärzteverband profitieren außerdem von zahlreichen Extras.

Hier erfolgt die Registrierung für das Portal und den Newsletter.


Persönliche Daten

Ihr Beruf

Legitimation

Die Registrierung steht exklusiv ausgewählten Fachkreisen zur Verfügung. Damit Ihr Zugang freigeschaltet werden kann, bitten wir Sie, sich entweder mittels Ihrer EFN zu legitimieren oder einen geeigneten Berufsnachweis hochzuladen.

Einen Berufsnachweis benötigen wir zur Prüfung, wenn Sie sich nicht mittels EFN autorisieren können oder wollen.
(max. 5 Dateien; PDF, JPG, PNG oder TIF)

Mitglied im Hausärzteverband
Mitglieder erhalten Zugriff auf weitere Inhalte und Tools.
Mit der Registrierung als Mitglied im Hausärzteverband stimmen Sie zu, dass wir Ihre Mitgliedschaft überprüfen.

Newsletter
Sie stimmen zu, dass wir Ihre E-Mail-Adresse für diesen Zweck an unseren Dienstleister Mailjet übermitteln dürfen. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen.

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.
Newsletter abbestellen

Wenn Sie den Newsletter abbestellen wollen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an und wählen Sie die gewünschte Funktion. Wir senden Ihnen dann eine E-Mail zur Bestätigung.