In der Jeder-Fehler-zählt-Reihe beschreiben wir regelmäßig, dass Kommunikation in der Hausarztpraxis und bei der Vermeidung von Fehlern eine wichtige Rolle spielt. In vorherigen Artikeln sind wir bereits darauf eingegangen, dass Schuldzuweisungen die tatsächliche Fehlerursache eher verschleiern. Ein sachlicher Umgang miteinander ist wichtig, um Hürden abzubauen und über Fehler zu sprechen.
Aber nicht nur eine gute Kommunikation im Praxisteam ist wichtig für die Patientensicherheit: Eine offene, vertrauensvolle Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten kann ebenfalls helfen, das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erreichen. Bei den Gutachterkommissionen für ärztliche Behandlungsfehler der Ärztekammern werden Aufklärungsfehler oft gemeldet. Durch eine patientenzentrierte und verständliche Kommunikation lassen sich diese Fehler vermeiden.
Auf Risiken hinweisen
Die im Bericht beschriebene relevante Hypoglykämie gehört zu den schwerwiegendsten Stoffwechselentgleisungen mit hohen Komplikations- und Folgerisiken.
Laut Robert Koch-Institut waren 2014 in den letzten zwölf Monaten 2,5 Prozent der Erwachsenen mit Diabetes mellitus von einer schweren Hypoglykämie betroffen. Es ist daher essenziell, Betroffene und Angehörige ausführlich darüber aufzuklären. Vor allem auf die Gefahr von Stoffwechselentgleisungen bei Infektionen sowie mögliche Medikamentennebenwirkungen sollte explizit hingewiesen werden.
Eine engmaschigere Kontrolle des Blutzuckers durch die Patientin oder Angehörige hätte in dem beschriebenen Fall möglicherweise zum früheren Einschreiten und Vermeiden des Ereignisses führen können. Auch die Ärztin oder der Arzt hatte initial nicht an die Bestimmung der Glukose im Blut gedacht.
Hilfreich bei Notfällen
Im hausärztlichen Kontext treten medizinische Notfälle im Vergleich zum Klinikalltag deutlich seltener auf. Ein strukturiertes Vorgehen nach etablierten Schemata und Algorithmen kann Fehler vermeiden und zur eigenen Absicherung beitragen. Charts, Tabellen, Checklisten oder Handbücher im Notfallkoffer können hier behilflich sein (Beispiel s. Buchtipp). Auch regelmäßige Notfalltrainings für das Praxisteam helfen, diese Situationen für den Ernstfall zu üben.
Hitze und Diabetes
Aufgrund des Planetary-Health-Schwerpunkts unseres Instituts ist es uns ein besonderes Anliegen, zusätzlich die Relevanz klimabezogener Gesundheitsaspekte der diskutierten Fälle zu beleuchten. Diabetes mellitus gehört zu den Vorerkrankungen, die besonders anfällig gegenüber Hitze machen. Das Sterberisiko ist bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes in Hitzewellen erhöht; die körpereigene Anpassungsfähigkeit an Hitze ist eingeschränkt.
Ebenso vermindern neuropathische Schädigungen die Schweißproduktion und die Hautdurchblutung kann eingeschränkt sein. Hitze verringert häufig das Hungergefühl und kann dadurch zu Schwankungen des Blutzuckerspiegels führen. Schnellwirksames Insulin kann zudem bei Hitze schneller anfluten.
Wegen der beschriebenen Beeinflussungen des Blutzuckerspiegels ist es empfehlenswert, den Blutzucker bei Hitze engmaschiger zu kontrollieren als bei Normaltemperaturen.
Der Autor und die Autorin erklären, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.
