Berlin. Deutschlands Gesundheitswesen bekommt einen neuen Kopf: Carsten Linnemann (CDU) löst Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ab, sie wird Chefin des Bundeskanzleramts. Das hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Freitagmorgen (24. Juli) vor den Medien bekanntgegeben. Warken ist damit die Bundesgesundheitsministerin mit der bislang kürzesten Amtszeit der Geschichte.
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband (HÄV) hat Nina Warken am Freitag für die Zusammenarbeit und ihre Arbeit in schwierigen Zeiten gedankt. Im Namen der Hausärztinnen und Hausärzte gratulierten die Bundesvorsitzenden Prof. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Blumenthal-Beier ihrem Nachfolger. „Wir freuen uns, den offenen und konstruktiven Dialog – gerade mit Blick auf die nun anstehende Primärversorgungsreform – weiter zu intensivieren.“
“Erfahrener Manager komplexer politischer Prozesse”
Mit Carsten Linnemann, der seit 2023 Generalsekretär der CDU ist, tritt nach Warken erneut ein Kandidat an die Spitze des Bundesgesundheitsministeriums, der im Gesundheitswesen bislang ein vergleichsweise unbekanntes Gesicht ist. Zwar hat der 48-jährige Betriebs- und Volkswirt umfangreiche Erfahrung in Kommunal- und Bundespolitik – hier vor allem in Arbeits- und Sozialpolitik -, bisher jedoch kein Regierungsamt übernommen.
Merz erinnerte bei seiner Berufung, dass Linnemann bei den Koalitionsverhandlungen die Gesundheitspolitik verantwortet habe. Er leitete zudem federführend die Erarbeitung des jüngsten CDU-Grundsatzprogramms. Im April 2026 sprach er sich öffentlich für eine Reduzierung der Anzahl von Krankenkassen aus.
“Carsten Linnemann ist als erfahrener Manager komplexer politischer Prozesse bekannt und hat sich in der Vergangenheit wiederholt für notwendige Strukturreformen eingesetzt – dabei aber immer die Bedeutung gesehen, die Bürgerinnen und Bürger auf diesem Weg mitzunehmen”, erklärten die HÄV-Bundesvorsitzenden Buhlinger-Göpfarth und Blumenthal-Beier nach Bekanntgabe des Personalkarussels. “Genau diese Fähigkeiten werden für das Gelingen der anstehenden Reformen im Gesundheitswesen essenziell sein.”
Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erinnerte den Ökonomen an die Bedeutung der Praxen als „Mittelstandstreiber“. Mit rund 780.000 Arbeitsplätzen beschäftigten die Niedergelassenen mehr Menschen als die Automobilindustrie. „Als studierter Betriebswirt und promovierter Volkswirt weiß Herr Linnemann genau, dass Betriebe nur bestehen können, wenn sie auch Planungssicherheit und betriebswirtschaftlichen Erfolg haben. Wir sind jederzeit dialogbereit.“
Zentrales Reformvorhaben: Primärversorgungssystem
Er freue sich nun auf die neue große Aufgabe mit Demut und großem Respekt, sagte Linnemann am Freitagmorgen. Gesundheit und Familie beträfen alle Bürger.
“Mit der bevorstehenden Reform hin zu einem Primärversorgungssystem liegt eines der zentralen Reformvorhaben der kommenden Jahre auf seinem Tisch”, erinnerte der HÄV. Die Hausärztinnen und Hausärzte werden bei der Umsetzung dieser Reform die tragende Rolle spielen.”
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband werde jederzeit als Gesprächspartner zur Seite stehen. “Wir haben es stets begrüßt, dass sowohl die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag als auch die bisherige Bundesgesundheitsministerin bei dieser Reform auf die Hausarztzententrierte Versorgung (HZV) als dem einzigen bestehenden Primärversorgungssystem bauen wollen.” Von besonderer Bedeutung werde daher die Frage sein, wie die HZV als Innovationsmotor weiter gestärkt werden kann.
Weitere Personal-Umbauten angekündigt
Ebenfalls am Freitag bekanntgegeben wurde, dass Philipp Amthor (CDU) Staatsminister für Bund-Länder-Angelegenheiten im Bundeskanzleramt wird.
Merz hat zudem weitere Veränderungen im Bundeskabinett angekündigt, die „in den nächsten Tagen“ verkündet werden sollen.
