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Sag doch mal wasAuf dem Weg zum eigenen Ich

Hausärztinnen und Hausärzte begleiten Menschen oft von der Kindheit bis ins hohe Alter – und damit auch in einer Zeit, in der sich junge Erwachsene auf die Suche nach der eigenen Persönlichkeit machen. Illustratorin Carina Thomas hat nun einen Comic über Introvertiertheit veröffentlicht. Er kann nicht nur Jugendlichen, sondern auch dem Praxisteam eine hilfreiche "Bedienungsanleitung" sein.

Illustratorin Carina Thomas hat einen Comic über Introvertiertheit veröffentlicht.

Der Moment, in dem Carina Thomas erkannt hat, dass sie introvertiert ist, hat ihr Leben nachhaltig verändert. “Ich dachte immer, dass ich einfach schüchtern sei”, sagt die 30-Jährige heute. Und in der Tat: Viele Merkmale wirken nach außen hin ähnlich, etwa die ruhige Art oder dass Menschen lieber zuhören, statt selbst zu sprechen. “Ich kann aber beispielsweise sehr gut auf Fremde zugehen – im Unterschied zu meinem ausgesprochen extrovertierten Freund, der schüchterne Züge hat.”

Diese Feinheiten der eigenen Persönlichkeit zu entschlüsseln, sei für sie bedeutend gewesen. “Ich hatte durchaus phasenweise das Gefühl, dass etwas nicht mit mir stimmt, dass ich nichts zu sagen habe”, sagt Carina Thomas. Dabei hat sie als Introvertierte viel zu sagen – nur kommuniziert sie eben leiser als viele andere Menschen.

Schlüssel für gute Teamarbeit – auch in der Praxis

Heute hat es sich die Illustratorin zum Ziel gesetzt, ihr Wissen rund um Introvertiertheit weiterzugeben. Für ihre Bachelorarbeit im Fachbereich Gestaltung der Hochschule Bielefeld hat sie einen Sach-Comic gezeichnet.

Er soll Jugendliche ab zehn Jahren adressieren, ist aber auch explizit als Schlüssel für Menschen gedacht, die viel mit anderen Menschen zusammenarbeiten – so wie Hausärztinnen und Hausärzte.

“Erste Rückmeldungen von Lehrkräften zeigen beispielsweise, dass sie ruhige Schüler mit dem Wissen deutlich besser verstehen können”, sagt die Autorin. Der Chef ihrer Schwester, die ebenfalls introvertiert ist, habe sich gefreut, nun endlich eine “Bedienungsanleitung” für seine Mitarbeiterin an der Hand zu haben, sagt Carina Thomas lachend.

“Wenn wir uns alle mehr mit Persönlichkeitsmerkmalen anderer beschäftigen, hilft das gesamtgesellschaftlich”, ist sie sich sicher.

Das könne beispielsweise auch in sehr heterogen besetzten Teams helfen. Denn Introversion ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das man nicht ablegen kann.

Sie selbst hatte sich auf dem Weg zum eigenen Ich lange mit Persönlichkeitstypen beschäftigt. So habe sie beispielsweise im Myers-Briggs-Test wichtige Anzeichen gefunden. Dieser erfasst den Charakter eines Menschen und unterscheidet zwischen 16 Persönlichkeitstypen.

“Ich war immer davon ausgegangen, dass sich Menschen vergleichsweise ähnlich sind. Zu realisieren, dass mein Gegenüber die Welt mitunter völlig anders wahrnimmt, war interessant.”

Nervensystem arbeitet unterschiedlich

Im Sach-Comic “Sag doch mal was!” beleuchtet Thomas die Introvertiertheit aus verschiedenen Perspektiven – von der Philosophie bis zur Neuropsychologie.

Denn die Amygdala von introvertierten Menschen ist reizempfindlich, ihr Nervensystem braucht nachweislich öfter Ruhe.

Für unterhaltsame “Aha-Momente” sorgen die eigenen Erfahrungen, die Carina Thomas einstreut. So wie die namensgebende Szene: “Sag doch mal was!”, ruft jemand quer über den Tisch und plötzlich sind alle Augen auf sie gerichtet. Die Gruppe verstummt. Alle warten gespannt darauf, dass sie “was” sagt.

Ihr Kopf wird rot, ihr Gehirn verabschiedet sich in den Stand-by-Modus, sie druckst herum und lacht unbeholfen. “Was soll ich denn sagen?”

Hausarzt als wichtiger Ansprechpartner

In einer Zeit, in der solche zwischenmenschlichen Situationen besonders verunsichert haben, sei ihr Hausarzt ein wichtiger Ansprechpartner gewesen, sagt Carina Thomas. “Er war sehr empathisch und hat sich viel Zeit für Gespräche im Teenager-Alter genommen. Dabei hat er auch sehr offen die psychische Gesundheit angesprochen, das habe ich als wertvoll empfunden.”

Heute sieht sie die Chance, dass auch im Arzt-Patienten-Gespräch thematisiert werden kann, dass verschiedene Persönlichkeitstypen die Welt unterschiedlich wahrnehmen.

“Zu erkennen, was mich als Menschen ausmacht, validiert auch das eigene Leben. Ich muss mich nicht anstrengen, sondern bin gut so, wie ich bin”, fasst Thomas zusammen. In ihrem eigenen Fall sei die “Diagnose” Introvertiertheit über die Jahre durch Internetrecherche, Gespräche und das Abgleichen mit anderen erfolgt.

Dass bei vielen jungen Menschen ein hoher Leidensdruck herrscht, habe sich letztlich bei der Vorstellung ihres Buches gezeigt. Im Rahmen einer Werkschau hatten ihre Kommilitonen und sie ihre Abschlussarbeiten ausgestellt. Beim Anschauen des Sach-Comics kamen vielen die Tränen. “Die Erkenntnis, dass nichts falsch mit der eigenen Person ist, kann unglaublich erleichternd sein”, weiß sie aus eigener Erfahrung.

Für Carina Thomas war die Werkschau schließlich ein weiterer Moment, der ihr Leben verändert hat: Hier wurde eine Vertreterin des Verlages auf den Comic aufmerksam – und schlug sofort vor, ihn zu veröffentlichen.

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