Neben jeder Menge Glitter gab es beim BAM-Kongress spannende und lebendige Vorträge, Zeit für den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und Inspirationen für die Hausarztpraxis. Ein kompakter Einblick in die spannenden Seminare.
Ob praktische Seminare, lebendige Open-Space-Bühnen oder spannende Vorträge - für alle war etwas dabei.
All People welcome!
“Sechs von zehn Schwarzen Menschen in Deutschland geben an, in den vergangenen zwei Jahren im Gesundheitsbereich Diskriminierung erfahren zu haben [1]”, berichtete Kahina Toutaoui vom Institut für Allgemeinmedizin der Charité Berlin. Gemeinsam mit Dr. Angela Schuster und Tahira Masuud hat sie einen Handlungsleitfaden für die diversitätssensible Primärversorgung verfasst (zu finden unter www.hausarzt.link/Uy8XD).
Wer sich nun über die Großschreibung “Schwarze Menschen” im ersten Satz gewundert hat, dem wird im Leitfaden erklärt: “Schwarz wird großgeschrieben, da es sich um eine selbstgewählte Eigenbezeichnung handelt. Es handelt sich nicht um ein Adjektiv, das eine Hautfarbe beschreibt. Schwarz beschreibt zugleich einen gemeinsamen Erfahrungshorizont, der über geografische Herkunft hinausgeht und ein weltweites Gemeinschaftsgefühlt umfasst.
“Denn: Der oft genutzte Begriff Migrant bzw. Migrantin oder “Person mit Migrationshintergrund” wird von Politikern und Medien oft verzerrt und stark negativ beladen. Einige Menschen bevorzugen statt der Selbstbezeichnung als “Schwarz” die Bezeichnung “PoC” (People of Colour) oder auch “BIPoC” (Black, Indigenous and People of Colour).
Das zeigt: Zunächst ist es wichtig, sich mit den Begriffen auseinanderzusetzen – und hierbei kann der Handlungsleitfaden helfen.
Studienergebnisse zeigen, dass medizinisches Personal BIPoC als homogene Gruppe sieht, ihnen ein eher niedrigeres Bildungsniveauzuschreibt und sie als die “unangenehmeren” Patientinnen und Patienten wahrnimmt [2].
Wichtig ist also auch, sich selbst zu überlegen: Wie verhalte ich mich BIPoC gegenüber, wo habe ich selbst rassistische Verhaltens- und Denkmuster? Ein dritter wichtiger Punkt: Die respektvolle Kommunikation. “Ich persönlich freue mich, wenn man mich fragt wie mein Name korrekt ausgesprochen wird”, erklärte Toutaoui.
“Das zeigt: Da gibt sich jemand Mühe und ist interessiert – es muss dann auch gar nicht hundertprozentig richtig sein.” Schon der Anamnesebogen bietet die Möglichkeit, sich auf die Bedürfnisse von BIPoC einzustellen. Als Tipp findet sich im Leitfaden: “Sie können folgende Fragen ergänzen: Welche Sprache(n) sprechen Sie? Oder zum Ankreuzen: Die körperliche Untersuchung durch Ärzte jedes Geschlechts ist in Ordnung für mich. Wenn Nein: Ich möchte bevorzugt von XY körperlich untersucht werden.”
Neben vielen praktischen Tipps finden sich im Leitfaden auch Links zu Dolmetschhilfen wie die Apps MediBabble und CALD Assist, auch Tools für die nonverbale Kommunikation wie Piktuu werden vorgestellt.
Erhöhte Leberwerte sind in der Hausarztpraxis ein häufiger Laborzufallsbefund. Wann ist es sinnvoll, beobachtend abzuwarten – und wann ist die Überweisung zum Facharzt sinnvoll? Dazu gab es beim BAM-Kongress Tipps von Dr. Josef Pömsl, Hausärztezentrum Kaufering. “Leicht erhöhte Leberwerte sind in der Bevölkerung nicht selten”, berichtete Pömsl. “Dazu muss man wissen, dass es viele Einflussfaktoren gibt.
Der ALT-Wert zum Beispiel unterliegt tageszeitlichen Schwankungen von zehn bis 30 Prozent.” Auch Infekte oder Sport, Alkohol und Medikamente können das Ergebnis beeinflussen. “Das bedeutet: Bei erstmalig festgestellter leichter AST/ALT-Erhöhung <2xULN sollte man, falls der übrige Kontext unauffällig ist, die Werte nach 1-3 Monaten erneut prüfen”, so Pömsl.
30 bis 50 Prozent der mild erhöhten ALT-Werte <2xULN normalisierten sich bei Kontrolle. Generell gilt aber: “Kontext schlägt Zahl! ‚Leicht erhöht‘ heißt nicht harmlos, zunächst sollte 1. Das Muster der Leberwerte, 2. Red Flags und 3. Hypothesen abgeklärt werden.”
1. Leberwertmusterrasch in hepatocellulär, cholestatisch, gemischt oder isolierte Hyperbilirubinämie einordnen. Hier gab Pömsl das Muster in Abb. 1 an: