In Studien und Umfragen werden regelmäßig die Belastungen für Ärztinnen und Ärzte, aber auch die des gesamten Praxisteams erhoben (z. B. Marburger Bund). Auch das Europäische Praxisassessment betrachtet – neben der Perspektive der nicht-ärztlichen Mitarbeitenden – explizit die Perspektive der Praxisinhaberinnen und -inhaber.
Denn für eine umfassende Beurteilung der Praxisaktivitäten, ist es eine unabdingbare Voraussetzung, dass die Gesundheit der Praxisleitung, und natürlich des gesamten Teams, erhalten bleibt. Die Praxisleitung als Führungskraft spielt dabei eine besonders wichtige Rolle, denn sie fungiert zum einen als Vorbild, muss aber auch den Praxisbetrieb und eine gute Versorgungsqualität sichern.
Einige der Indikatoren des Assessments geben Auskunft über die Belastungen – sowohl psychisch als auch physisch (s. Kasten). Wenngleich auch “die Belastung” von mehreren Faktoren abhängt und individuell unterschiedlich wahrgenommen wird, so hängt sie doch vor allem mit der Arbeitsorganisation und der Arbeitsatmosphäre zusammen.
Schützende Maßnahmen
Im Zuge der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung (Paragraf 5 ArbSchG), die für jede Praxis verpflichtend anzufertigen ist, sollen gefährdende Aspekte inklusive physischer und psychischer Belastungen systematisch ermittelt, bewertet und durch entsprechende Maßnahmen minimiert werden. Allerdings geraten diese schnell aus dem Blick, wenn der zum Teil turbulente Praxisalltag sofortige Handlungen erfordert.
Im Sinne des gesamten Teams wäre es sinnvoll, sich öfter an die eigens erstellten Richtlinien des gesundheitsförderlichen Verhaltens zu erinnern. Denn in der Regel bedeutet: Ein gesundes Team ist gleich eine gesunde Praxis! Stimmt bei Ihnen diese Gleichung?
Zeitfresser aufspüren
Falls nicht, dann sollten Sie sich erneut damit auseinandersetzen und einmal bemessen, wie viele Zeiteinheiten (Minuten oder Stunden) Sie täglich oder auch in der Woche konkret mit welchen Tätigkeiten verbringen und welche Aufgaben den größten Raum einnehmen. Anschließend können Sie schauen, wo eventuell Zeitfresser beseitigt werden können.
Beispielhafte Aufzählung der Aufgabenpakete von Praxisinhaberinnen und Praxisinhabern:
- Zeit- und Ressourcenmanagement (z. B. übergeordnete Terminplanungen, Personalbesetzung)
- Planung Ablauf- und Prozessgestaltung (z. B. Vor- und Nachbereitungen Behandlung)
- Kommunikation und Koordination (intern und extern wie z. B. Labor, Apotheke, Kolleginnen und Kollegen)
- Diagnostik und Behandlung der Patientinnen und Patienten
- Dokumentation und Verwaltung
- Finanzen (z. B. Abrechnung, Statistik, Löhne, Steuer)
- Personalangelegenheiten (z. B. Bewerbung, Urlaubsplanung)
- Technik und Infrastruktur (z. B. IT, Webseite, Datenschutz)
- Fortbildungen
- Pausen und Freizeit zur Erholung
So ein grober Selbstcheck soll nun keine Unzufriedenheitsanalyse darstellen, sondern eher vor Augen führen, wo bestenfalls etwas verändert werden könnte, damit mehr Zeit für die priorisierten Dinge und für Verschnaufpausen bleibt. Gegebenenfalls können Leistungen angepasst, Aufgaben delegiert, Abläufe anders strukturiert und /oder Prozesse digitalisiert werden.
Motivierendes Miteinander
Einen nicht zu vernachlässigenden Faktor nimmt die Kommunikation ein. Diese sollte immer transparent, konstruktiv und wertschätzend sein, also bestmöglich “positiv” erfolgen. Vor allem im Team, denn eine schlechte Stimmung und Ärger kosten viel Energie und führen zu allgemeiner Unzufriedenheit.
Des Weiteren besteht durch eine zunehmende Unzufriedenheit mit der eigenen Tätigkeit auch die Gefahr, dass dies Auswirkungen auf die Versorgungsqualität für Patientinnen und Patienten hat.
Individuelle Resilienz stärken
Neben der Schaffung eines angenehmen und vor allem strukturierten Arbeitsumfelds, welches chronischem Stress vorbeugen soll, haben Führungskräfte die wichtige Aufgabe, auf sich selbst zu achten, um gesund zu bleiben und ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten.
Um das persönliche Stressmanagement weiterzuentwickeln und resilienter zu werden, helfen z. B. entspannungsorientierte Aktivitäten (Yoga, Laufen), Selbstbewusstseins- und Achtsamkeitstrainings. Diese Strategien gelten selbstverständlich auch für das gesamte Praxisteam.
Um weitere Impulse für einen gesunden Lebensstil zu bekommen, unterstützen auch die nachstehend beispielhaft aufgeführten Handlungshilfen. Und fragen Sie sich hin und wieder auch ruhig selbst mal: Wie geht es mir denn heute?
Fazit
- Mit gesundheitsförderlichen Rahmenbedingungen die Belastungen reduzieren.
- Optimierung der Arbeitsabläufe, um Zeitdruck und potenzielle Überforderung zu minimieren.
- Regelmäßige Überprüfung der Arbeitsbedingungen, auch zum Schutz der eigenen Gesundheit.
