Vor Kurzem wurde die aktualisierte S3-Leitlinie zur “Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten”, publiziert. Neu sind darin jedoch nicht die Medikamente, sondern die Strategien, die zum Therapieziel Remission führen sollen.
Eine wichtige Maßnahme ist dabei die Geschwindigkeit: So sollte direkt nach Diagnosestellung anbehandelt werden.
Das primäre Medikament ist nach wie vor Methotrexat. Dessen Wirksamkeit und Nebenwirkungen sollen jedoch schneller kontrolliert werden (bereits 4 bis 6 Wochen nach Therapiebeginn), um nach 3 bis spätestens 6 Monaten beurteilen zu können, ob das Medikament wirkt.
Lässt sich keine Remission – oder zumindest eine niedrigere Krankheitsaktivität – erreichen, wird Methotrexat heute nur noch in Ausnahmefällen zusammen mit anderen Medikamenten wie z.B. Hydroxychloroquin oder Leflunomid gegeben. Stattdessen sollte es sofort mit wirksameren Medikamenten wie Biologika oder Januskinase-Hemmern kombiniert werden. Dadurch soll weniger Kortison benötiget werden.
Da die kumulative Menge an Prednisolon zu einem späteren Zeitpunkt im Leben das kardiovaskuläre Risiko erhöhen kann, sollte die Kortisoneinnahme möglichst minimiert und nur maximal 3 Monate zu Beginn gegeben werden.
Therapie-Deeskalation empfohlen
Erstmals äußert sich die Leitlinie zur Deeskalation der Therapie: Besteht über 6 Monate keine Krankheitsaktivität, kann bei den meisten Patienten eine Therapie-Deeskalation erfolgen, indem man die Dosis reduziert oder die Injektionsintervalle verlängert. Ein vollständiges Absetzen wird aufgrund des erhöhten Schubrisikos nicht empfohlen.
Eine weitere Neuerung ist die Empfehlung zur interstitiellen Lungenerkrankung, einer schweren Komplikation der rheumatoiden Arthritis (RA), welche die Lebenserwartung der Betroffenen deutlich einschränkt. Hier wird auf neue Antifibrotika verwiesen und deren frühzeitiger Einsatz empfohlen.
Quellen:
- Prof. Torsten Witte, Hannover auf dem Deutschen Rheumatologie-Kongress vom 09.–12.09.2026 in Leipzig.
- S3-Leitlinie zur Therapie der rheumatoiden Arthritis (AWMF-Nr. 060-004, Version 3.0)
