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KongressberichtNeues aus der Rheumatologie

Der diesjährige Kongress der European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) bot ein breites Forum für den wissenschaftlichen Austausch. Präsentiert wurden zahlreiche neue Studienergebnisse, die rasch Eingang in die Praxis finden dürften.

KI in der Rheumatologie: Mithilfe von "deep learning models" können personalisierte Therapieansätze entwickelt werden.

KI bietet Potenzial für eine bessere Patientenversorgung

Die künstliche Intelligenz hat auch in die Rheumatologie Eingang gefunden und wird hier zunehmend eingesetzt. Die neue Technik umfasst sowohl die frühe Diagnosefindung und das Monitoring im Rahmen von Verlaufskontrollen als auch die Risikostratifizierung und die Patientenkommunikation. Mit Hilfe von “deep learning models” können außerdem personalisierte Therapieansätze entwickelt werden.

Die high-resolution Computertomographie (HRCT) gilt heute als das Standardverfahren bei der Diagnostik der interstitiellen Lungenerkrankung (ILD). Sie ist eine der wichtigsten Ko-Morbiditäten der systemischen Sklerose (SSc). Eine Studie zeigt, dass die KI bei der frühen Diagnostik dieses Krankheitsbildes dem Auge des Radiologen überlegen ist und auch eine bessere Korrelation mit den funktionellen Tests bietet.

Das gilt auch für das MRI z.B. beim Nachweis des Knochenmarksödems bei der axialen Spondyloarthritis. Mit Hilfe eines KI-Modells zur automatisierten Erkennung typischer Ultraschallbefunde bei Riesenzellarteriitis gelingt eine Differenzierung von gesunden und pathologischen Gefäßen mit hoher Genauigkeit (Francesca Motta, Mailand).


Schwangerschaft bei autoinflammatorischen Syndromen

Autoinflammatorische Syndrome sind eine Gruppe von seltenen, meist genetisch bedingten Erkrankungen, bei denen es zu wiederkehrenden Entzündungsschüben kommt, die mit Fieber und erhöhten Entzündungswerten im Blut einhergehen. Häufig betroffen sind jüngere Frauen mit Kinderwunsch. Doch eine Schwangerschaft kann zu Komplikationen bei Mutter und Kind führen. So kann es zu einer Destabilisierung der Entzündungsaktivität kommen.

Im Rahmen einer klinischen Studie wurden die Daten von 97 Patientinnen mit 117 Schwangerschaften analysiert, davon fünf Zwillingsschwangerschaften. Bei 16 Patientinnen wurde die Schwangerschaft vor der 37. Woche beendet.

Bei zwei Patientinnen verstarb der Fötus in utero und zweimal wurde bei einer chromosomalen Abnormalität ein Abort eingeleitet. Bei einer Schwangeren kam es zu einem spontanen Abort. Bei 57,7 Prozent war in dem Jahr vor der Schwangerschaft eine Entzündungsaktivität nachweisbar und bei 59,1 Prozent kam es während der Schwangerschaft zu einem Rezidiv.

Bei Frauen mit einem familiären Mittelmeerfieber (FMF) war die Erkrankung im Durchschnitt erstmals in einem Alter von sechs Jahren aufgetreten. Sie waren im Mittel 31 Jahre, bevor die Schwangerschaft eintrat. 15 Prozent benötigten eine künstliche Befruchtung.

Im Jahr vor Eintritt der Schwangerschaft waren im Mittel vier Rezidive aufgetreten. Während der Schwangerschaft trat bei 65,7 Prozent ein Rezidiv auf, in drei Fällen ein prolongiertes febriles Myalgie-Syndrom. 17 Prozent verloren das Kind vor der 37. Woche. Bei 22,4 Prozent lag das Geburtsgewicht unter der 10. Perzentile (Lea Savey, Paris).


Neue Empfehlungen für die RA

Die aktualisierten Empfehlungen zur Therapie der rheumatoiden Arthritis propagieren bei einem Nicht-Ansprechen auf konventionelle DMARDs wie Methotrexat immer zusätzlich ein Biologikum oder einen Januskinase-Inhibitor. Eine Umstellung von Methotrexat auf Leflunomid oder vice versa wird nicht mehr empfohlen.

Doch bei Gabe eines Januskinase-Inhibitors müssen kardiovaskuläre und onkologische Nebenwirkungen bedacht werden. Doch In den neuen Empfehlungen haben JAK-Inhibitoren einen höheren Stellenwert. Mit den JAK-Inhibitoren steht heute eine Alternative zu den Biologika zur Verfügung. Vorteilhaft ist, dass diese oral verabreicht werden. Sie eignen sich deshalb besonders für Patienten mit einer Nadelphobie.

Glukokortikoide sollten jetzt nicht nur kurzzeitig beim Start einer csDMARD-Therapie erwogen werden sondern auch erneut bei einem Wechsel auf ein anderes csDMARD, wenn sich das erste als unzureichend wirksam erwiesen hat.

Nach csDMARD-Versagen sollte eine Stratifizierung nach Risikofaktoren erfolgen. Wenn keine Risikofaktoren für eine rasche Destruktionsprogression vorliegen, sollte ein anderes csDMARD eingesetzt werden. Liegen Risikofaktoren vor, wird die Kombination mit einem Biologikum empfohlen (Josef Schmolen, Wien).


Risikofaktoren für die Progression der Spondyloarthritis

Die axiale Spondyloarthritis (axSpA) ist eine entzündlich rheumatische Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule betrifft. Sie ist charakterisiert durch die Neubildung von Knochenformationen, die zu einer kompletten Ankylose der Wirbelsäule führen können. Bisher gibt es kaum Daten über die spinale Progression.

Im Rahmen einer Studie wurden die Daten von 176 Patientinnen und Patienten mit einer radiographischen axSpA ausgewertet, wobei diese über 13 Jahre nachverfolgt wurden. Eine Kontrolle wurde nach 5 und nach 13 Jahren durchgeführt. Es fand sich eine deutliche Zunahme der Ankylose.

Als Prädiktoren für eine rasche Progression erwiesen sich ein erhöhter CRP-Wert und Übergewicht bei beiden Geschlechtern. Bei Frauen waren ein erhöhter TNF-Wert und eine Therapie mit einem Bisphosphonat ungünstige Prädiktoren, bei Männern das Rauchen und ein HLA-B27-Status (Anna Deminger, Göteborg).


Biologikum bewährt sich bei der Lupusnephritis

In Post-hoc-Analysen der REGENCY-Studie zeigte der Typ-II-anti-CD20-Antikörper Obinutuzumab eine günstige Wirkung bei der aktiven Lupusnephritis.

Ein komplettes renales Ansprechen wurde nach 76 Wochen mit Obinutuzumab plus Standardtherapie bei 46,4 Prozent dokumentiert, unter Placebo plus Standardtherapie nur bei 33,1 Prozent. Auch kam es seltener zu einem Lupus-Schub (11,1 vs. 23,5 Prozent). Insgesamt wurde die Krankheitsprogression verlangsamt (Brad Rovin, Ohio).


Immun-Reset bei SLE

Im Rahmen der RESET-SLE-Studie wurde die Sicherheit und Wirksamkeit einer CD19-gerichteten CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit einem systemischen Lupus erythematodes untersucht.

Erste Ergebnisse bei sechs Patienten zeigen ein vielversprechendes Ansprechen mit frühen und anhaltenden Remissionen und dies ohne Immunsuppressiva. Auch kam es zu einer Reduktion der Proteinurie. Die Therapie wurde gut vertragen. Nur bei einem Patienten trat ein Cytokine Release Syndrom (CRS) auf (Saira Sheik, Chapel Hill).


Morbus Sjögren: Leflunomid plus Hydroxychloroquin

Für die Therapie des Morbus Sjögren (auch Sicca-Syndrom) stehen bisher keine evidenzbasierten Therapieoptionen zur Verfügung. Die Ergebnisse der REPURPSS-II-Studie bestätigen die Daten einer älteren Studie, wonach die Kombination von 20 mg Leflunomid und 400 mg Hydroxychloroquin im Vergleich zu Placebo zu einer deutlichen Abnahme der systemischen Krankheitsaktivität führte. Doch die Sicca-Symptomatik wurde nicht beeinflusst (Way Wong, New York).

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