
Goldstandard für die Diagnose ist eine CT. Es gibt allerdings auch Patientinnen und Patienten mit radiologisch nachgewiesenen Bronchiektasen, die asymptomatisch sind. Die langfristige Prognose dieser Patientengruppe ist aber unbekannt [1]. In der neuen Leitlinie heißt es dazu: „Um eine klare Abgrenzung gegenüber dem alleinigen radiologischen Befund von Bronchiektasen ohne assoziierte Symptome zu ermöglichen, soll der Begriff ‚Bronchiektasen-Erkrankung‘ für klinisch relevante Bronchiektasen verwendet werden.“
Bei den meisten Betroffenen mit Bronchiektasen-Erkrankung treten laut Dreher mindestens zwei der folgenden Symptome auf:
- Husten an den meisten Tagen der Woche,
- Sputum an den meisten Tagen der Woche und
- wiederkehrende Infekte oder Exazerbationen.
Wie Dreher erläuterte, sind die Ursachen für eine Bronchiektase vielfältig, beispielsweise chronische Erkrankungen wie cystische Fibrose, COPD, Asthma oder auch postinfektiös. Oft ist die Ursache aber auch idiopathisch, erklärte der Pneumologe von der RWTH Aachen.
„Wenn Sie den Verdacht auf eine Bronchiektase haben, sollte ein CT gemacht werden“, betonte Dreher. Die Diagnose werde dann anhand bestimmter Kriterien gestellt, die im CT sichtbar sind. Ein Kriterium sei etwa, wenn der Durchmesser des Bronchus‘ größer ist als derjenige der begleitenden Pulmonalarterie.
Zunehmende Prävalenz?
In Deutschland wurde in einer populationsbasierten Studie zwischen 2009 und 2017 eine jährliche Zunahme der Diagnoseprävalenz unter GKV-Versicherten um circa zehn Prozent festgestellt [1]. Bei einer Prävalenzrate von rund 120 pro 100.000 Einwohnern lebten in Deutschland im Jahr 2022 demnach wahrscheinlich über 100.000 Menschen mit einer Bronchiektasen-Erkrankung.
In der Leitlinie heißt es dazu: „Ob es sich um einen tatsächlichen Zuwachs an Erkrankungsfällen handelt, bleibt unklar. Es ist zu vermuten, dass der demografische Wandel mit steigender Lebenserwartung, die häufigere und niederschwellige Durchführung der thorakalen Computertomografie (CT) und die zunehmende Sensibilisierung der Ärzteschaft einen Anteil daran haben.“
Neues Medikament
Für die Therapie wird künftig Brensocatib von Bedeutung sein. Dreher sagte: „Bei Brensocatib handelt es sich um einen DPP-1-Inhibitor, der anti-inflammatorisch, anti-neutrophil wirkt.“ DPP-1 steht für Dipeptidylpeptidase 1, es handelt sich um ein Enzym, das bei der Entzündungsreaktion in den Bronchien eine wichtige Rolle spielt.
In einer 2025 veröffentlichten Phase-III-Studie hat Brensocatib eine signifikante Reduktion der Exazerbationen, die antibiotisch behandelt werden müssen, bei Patienten mit Bronchiektasen-Erkrankung im Vergleich zur Placebogruppe gezeigt [2]: Bei Patientinnen und Patienten, die pro Tag 10 mg Brensocatib einnahmen, reduzierte sich die Rate der innerhalb eines Jahres erlittenen Exazerbationen um 21 Prozent im Vergleich zu Menschen, die Placebo einnahmen (Rate Ratio, RR: 0,79).
Bei Patienten, die pro Tag 25 mg Brensocatib einnahmen, reduzierte sich die die Rate der innerhalb eines Jahres erlittenen Exazerbationen um 19 Prozent (RR: 0,81). Zudem verlangsamte die Therapie mit 25 mg Brensocatib die Verschlechterung der Lungenfunktion und verbesserte die Lebensqualität.
In einerm Kommentar zur Zulassungsstudie ordnet Prof. Jessica Rademacher ein: „Bei einzelnen Patienten, besonders Patienten mit vielen Exazerbationen und viel Inflammation, kann die neue Therapie sicherlich viel bewirken, ich würde das Medikament aber nicht als den einen “Game-Changer” bezeichnen.“ (Mehr dazu: www.hausarzt.link/T9mZr)
Fazit
- Bei chronischem Husten mit Auswurf und rezidivierenden Infektexazerbationen sollte auch an eine mögliche Bronchiektasen-Erkrankung gedacht werden.
- Bei V. a. Bronchiektasen liefert die CT des Thorax die Diagnose.
- Sind Bronchiektasen klinisch relevant, spricht man von Bronchiektasen-Erkrankung.
- Eine Bronchiektasen-Erkrankung geht mit einem höheren Risiko für Atemwegsinfektionen und Exazerbationen einher. Impfungen gegen Atemwegserreger sind daher besonders relevant (Pertussis, Influenza, Pneumokokken, RSV und Covid-19). Zudem haben Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen ein höheres Risiko für Herpes zoster [1].
- Brensocatib steht seit Kurzem als anti-inflammatorisches Medikament zur Behandlung der Bronchiektasen-Erkrankung zur Verfügung.
Quelle: Vortrag Prof. Dreher, praxis-update 2025
Literatur:
- S2k-Leitlinie www.hausarzt.link/jPXHT
- doi 10.1056/NEJMoa2411664