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Serie "Cochrane Evidenz für die Hausarztpraxis"Schützen Probiotika vor Durchfall durch C. difficile?

Probiotika werden oft begleitend zu einer Antibiotikatherapie verordnet. Cochrane hat untersucht, ob dies eine Clostridioides-difficile-assoziierte Diarrhö verhindern kann.

Eine Behandlung mit Antibiotika kann das Gleichgewicht des Darmmikrobioms durcheinanderbringen.

Eine Patientin stellt sich wenige Tage nach Beginn einer Antibiotikatherapie erneut in der Praxis vor – mit Diarrhö, Bauchschmerzen und zunehmender Schwäche. Bei solchen Fällen handelt es sich meist um harmlose, selbstlimitierende Nebenwirkungen.

Gelegentlich verbirgt sich dahinter jedoch eine Clostridioides-difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD) mit potenziell schwerem Verlauf. Besonders gefährdet sind ältere, multimorbide oder kürzlich hospitalisierte Patientinnen und Patienten.

Vor diesem Hintergrund werden Probiotika im hausärztlichen Alltag oft begleitend verordnet – nicht selten mit der Erwartung, solche Komplikationen verhindern zu können. Die zugrunde liegende Idee erscheint plausibel: Durch Stabilisierung der Darmflora soll die Kolonisation mit pathogenen Keimen reduziert werden. Gleichzeitig bleibt unklar, wie groß der tatsächliche Nutzen ist und für welche Patientengruppen diese Strategie sinnvoll ist.

Fazit für die Hausarztpraxis

Die Ergebnisse des Cochrane-Reviews belegen zwar, dass Probiotika das Risiko für eine C.-difficile-Infektion reduzieren können, der absolute Nutzen für die breite Patientenpopulation bleibt jedoch begrenzt. Für die tägliche Praxis bedeutet dies, dass eine routinemäßige Empfehlung bei jeder Antibiotikagabe nicht erforderlich ist und sich der häufig anzutreffende “automatische” Einsatz durch die vorliegende Evidenz nicht uneingeschränkt begründen lässt.

Zudem entstehen den Patientinnen und Patienten dadurch auch Mehrkosten, da die Probiotika nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Und potenziell wird das Gefühl der notwendigen Einnahme von Probiotika bei jeder (auch anderen) Antibiotikagabe verstärkt.

Eine Verordnung (als Empfehlung zum Beispiel auf einem grünen E-Rezept) sollte stattdessen primär bei Patientinnen und Patienten mit einem erhöhten Risiko erwogen werden. Dazu zählen vor allem Menschen mit höherem Lebensalter, relevanten Komorbiditäten, vorangegangenen CDAD-Episoden oder kürzlich erfolgten stationären Behandlungen.

In der Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten ist eine realistische Aufklärung entscheidend, da Probiotika zwar einen ergänzenden Schutzfaktor darstellen, jedoch keine Infektion absolut zuverlässig verhindern können.

Hinsichtlich der Präparatewahl erlaubt die aktuelle Datenlage keine Aussage über die Überlegenheit einzelner Stämme oder spezifischer Produkte, weshalb die Auswahl weiterhin pragmatisch erfolgt. Besondere Vorsicht ist bei vulnerablen Gruppen geboten: Bei Personen mit schwerer Immunsuppression überwiegen die potenziellen Risiken einer Keimtranslokation wie Fungämien oder Bakteriämien den möglichen Nutzen.

Insgesamt stützt die Evidenz somit einen gezielten, risikoorientierten Einsatz von Probiotika anstelle einer pauschalen Empfehlung im hausärztlichen Alltag. Im Sinne der partizipativen Entscheidungsfindung sollte dies mit den Patientinnen und Patienten offen besprochen werden. Gerne im Sinne der Authentizität: “Ich selber würde in Ihrem Fall…”


Literatur:

  1. Esmaeilinezhad Z et al. Probiotics for the prevention of Clostridioides difficile-associated diarrhea in adults and children. Cochrane Database of Systematic Reviews 2025, Issue 9. Art. No.: CD006095. doi: 10.1002/14651858.CD006095.pub5

Interessenkonflikte: Die Autorin und der Autor sind die Verfasser des Buchs “Evidenz für die Hausarztpraxis”.

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