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Serie "Forschung mal praktisch"Hilfe nach Trauma auf Intensivstation

Nach einem Aufenthalt auf der Intensivstation entwickelt etwa ein Fünftel der Patientinnen und Patienten Symptome eines posttraumatischen Belastungssyndroms. Ein Team um Prof. Jochen Gensichen, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am LMU Klinikum München, hat eine Intervention entwickelt, mit der Hausärztinnen und Hausärzte den Betroffenen in ihrer knapp bemessenen Zeit helfen können.

Einige Patienten leiden nach Entlassung von der Intensivstation an Symptomen einer PTBS - und wenden sich an ihren Hausarzt.

(Knapp) überlebt, aber dennoch unglücklich: Innerhalb eines Jahres nach Entlassung von der Intensivstation leidet etwa ein Fünftel der Patientinnen und Patienten an Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Mit Flashbacks, Albträumen oder Schlaflosigkeit wenden sie sich oft an ihre hausärztliche Praxis. Und dort stellt sich dann die Frage, wie therapeutisch vorzugehen ist – schließlich sind Psychotraumatologen rar und monatelang ausgebucht.

Erinnerungen sortieren

Das Team um Prof. Jochen Gensichen hat daher eine Intervention entwickelt, die sich auch für den Einsatz in hausärztlichen Praxen eignet. Sie beruht auf der narrativen Expositionstherapie (NET). Die Idee dahinter: eine “Unordnung” des Gedächtnisses wieder zu sortieren.

“Menschen mit PTBS haben ein Erinnerungsproblem”, erklärt Gensichen. “Die zeitliche sowie die emotionale Zuordnung eines Erlebnisses stimmen nicht überein, sodass bestimmte Trigger – zum Beispiel das Geräusch eines Hubschraubers – ein Flashback auslösen können.” Die NET bezweckt, diese Erinnerungen in einer sicheren Umgebung wie der hausärztlichen Praxis zu sortieren: Welche Emotion gehört zu welchem Erleben? “Dafür haben wir die kürzeste Variante der NET überhaupt entwickelt”, so Gensichen.

Diese beinhaltet drei Sitzungen von jeweils circa 30 Minuten. Bei der ersten Sitzung geht es darum, das traumatische Ereignis ins Leben einzuordnen, indem eine “Lebenslinie” mit sämtlichen wichtigen Lebensereignissen erstellt wird. In der zweiten Sitzung stellt die Therapeutin bzw. der Therapeut akribische Fragen zur traumatisierenden Situation von damals – laut Gensichen handelt es sich besonders oft um die Aufwachsituation nach der Narkose –, lenkt die Aufmerksamkeit zwischendurch aber immer wieder ins Hier und Jetzt. In der dritten Sitzung kann diese Gesprächstechnik wiederholt oder auf ein anderes Thema eingegangen werden.

Wirksam und praxistauglich

Die Studie von Gensichen et al (s. Kasten) zeigte, dass die Ultrakurzzeit-NET Zahl und Intensität der Flashbacks reduzieren und das Denken der Betroffenen so verändern kann, dass sie die Schuld für die Erkrankung nicht mehr bei sich selbst suchten. Vermeidungsverhalten und Übererregbarkeit wurden weniger beeinflusst, dafür aber die Stimmung. Nach einem Jahr schwächten sich die Effekte zwar ab, waren aber immer noch vorhanden.

Das Verfahren sei absolut praxistauglich, so Gensichen: “Für die Hausärztinnen und Hausärzte ist es leicht und schnell zu erlernen und es lässt sich gut in den Praxisalltag einbauen.” Auch das Wissen für die nötige Diagnostik lasse sich relativ fokussiert vermitteln, um Betroffene zu selektieren und auch diejenigen zu erkennen, für die eine solche Behandlung ggf. nicht ausreicht. “Manche Patientinnen und Patienten benötigen auch nach der Ultrakurzzeit-NET noch psychologische Unterstützung – aber auch als Übergangslösung ist sie definitiv hilfreich”.

Tipps für die Praxis

Wichtig zu wissen: “Durch die Intervention können Sie nicht schaden”, betont Gensichen. Viele Hausärztinnen und Hausärzte hätten Angst, Menschen mit PTBS durch ihr Eingreifen zu triggern, dies sei jedoch unbegründet. “Der Patient erlebt die Flashbacks sowieso – ‚Retraumatisierung‘ ist hier somit ein Mythos”.

Außerdem sei es entscheidend, bei Menschen, die auf Intensivstation waren, überhaupt an ein PTBS zu denken: “Intensivmedizin und PTBS werden bisher kaum miteinander in Verbindung gebracht.” Für die Diagnostik und Verlaufskontrolle empfiehlt Gensichen den “Primary Care PTSD Screen for DSM-5” (PC-PTSD-5) (www.hausarzt.link/urL4U).

Fazit

  • Keine Angst vor posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) – Sie können den Betroffenen durch Ihre Intervention nicht schaden!
  • Die klassische narrative Expositionstherapie (NET) lässt sich in Kursen erlernen. Infomaterialien zur neu entwickelten Ultrakurzzeit-NET können Sie bei der Stiftung Allgemeinmedizin anfordern.
  • Die Ultrakurzzeit-NET kann helfen, die Symptome einer PTBS nach Intensivstation zu lindern. Sie ist für Hausärztinnen und Hausärzte leicht und schnell erlernbar und lässt sich gut in den Praxisalltag einbauen.
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