Pluralistische Demokratie muss alle Meinungen aushalten
Betreff: “Button gegen Rechts” (“Hausärztliche Praxis” 16/2025) bzw. Leserbrief und Replik der Redaktion (“Hausärztliche Praxis” 19/2025).
“Gegen Rechts” ist ein Framing, das bewusst unklar gewählt ist. Damit soll jede Politik, die rechts von der (sozialistischen) Linkspartei, den Grünen und SPD angesiedelt ist, diskreditiert werden. Konservative, Liberale und Libertäre sind bei “gegen Rechts” mit gemeint.
Somit ist der Slogan “gegen Rechts” letztlich antipluralistisch und damit antidemokratisch! Denn eine pluralistische Demokratie muss Meinungen von linksextrem bis rechtsextrem aushalten, solange die sich im Rahmen des geltenden Rechts bewegen.
Und wenn man sich schon gegen Extremismus ausspricht, dann doch bitte gegen Linksextremismus und Islamischen Extremismus genauso wie gegen Rechtsextremismus.
Dr. Burkhard Jahn, Facharzt für Allgemeinmedizin in Schortens
Rüstung senkt das Kriegsrisiko nicht, sondern lässt es steigen
Betreff: “Im Kriegsfall: Wie können sich Arztpraxen vorbereiten?” (“Hausärztliche Praxis” 20/2025)
Mit Bestürzung haben wir Ihren Artikel zur Wehrfähigkeit von Praxen zur Kenntnis genommen. Wir kennen die Aufforderung von oberster militärischer Stelle, die Bevölkerung mit einem “Mindsetting” auf den Bündnis- und Verteidigungsfall einzustimmen.
Nun reiht sich auch die “Hausärztliche Praxis” in die Reihe derer ein, die das Gesundheitswesen “resilient” (gemeint ist “kriegstüchtig”) machen wollen. Argumentativ kommt dabei der Zivilschutz (gedacht für den Krieg) unter der Tarnkappe des Katastrophenschutzes (gedacht z.B. für Naturkatastrophen in Friedenszeiten, wie ihn jeder Arzt für vernünftig halten wird) daher, um ihn akzeptabel zu machen.
Jedoch ist der Unterschied gewaltig: Z. B. kann zwar die Bundeswehr bei Katastrophen unterstützend tätig werden, im Kriegsfall jedoch wird die öffentliche Gesundheitsversorgung dem Primat des Militärs unterworfen. Auch die sogenannte Triage wird umgekehrt: Bei Unfällen bekommt der Schwerstverletzte die erste und größte Hilfe, im Kriegsfall der Soldat. Eine solche Denkweise betrachten wir als unärztlich.
Wie schon in den 80er Jahren ist ein Gesundheitssicherstellungsgesetz (als sog. Schubladengesetz) geplant, in dem wieder eine Zwangsverpflichtung zur Fortbildung in Kriegsmedizin in Rede steht.
Die Rüstungsspirale dreht sich immer weiter, das kann nur in einem Atomkrieg enden. Wir Ärzte wissen: Da gäbe es keine Hilfe, jede Vorbereitung darauf ist überflüssig. Sie verstärkt nur das irrige Gefühl, siegen zu können. Mit zunehmender Rüstung sinkt das Risiko jedoch nicht, es steigt.
Dr. Jürgen Huesmann, Facharzt für Allgemeinmedizin, für die Regionalgruppe Dortmund der IPPNW; Dr. Ingrid Farzin, Fachärztin für Allgemeinmedizin, für die Regionalgruppe Bochum der IPPNW; Dr. Ulrich Krüger, Facharzt für Innere Medizin, für die Regionalgruppe Essen der IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War, Trägerin des Friedensnobelpreises 1985)
