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InfektionenAkute Atemwegserkrankungen – Ältere umfassend schützen

Menschen ab etwa 60 Jahren tragen ein höheres Risiko für schwere Verläufe akuter Atemwegserkrankungen. Doch das muss nicht sein – eine frühzeitige antivirale Therapie sowie Impfungen gegen RSV, Pneumokokken, COVID-19 und Influenza können die Krankheitslast und die Mortalität verringern.

Bei Älteren gehen akute Atemwegserkrankungen mit einer hohen Morbidität und Mortalität einher.

Vor allem bei älteren Menschen gehen akute Atemwegserkrankungen mit einer hohen Morbidität und Mortalität einher. Das gilt für virale Erkrankungen wie Covid-19, Influenza und RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus)-Infektionen, aber auch für Pneumokokken-Infektionen, die als bakterielle Sekundär- und Koinfektionen zu schweren Verläufen führen können. So war Streptococcus (S.) pneumoniae mit rund 1,19 Millionen Sterbefällen im Jahr 2016 weltweit die Hauptursache für Morbidität und Mortalität bei Infektionen der unteren Atemwege [1].

Betroffen waren insbesondere Kinder unter fünf Jahren sowie Ältere über 65 Jahre. Bei älteren Menschen werden für die häufigen Koinfektionen mit S. pneumoniae vor allem die Immunseneszenz und inflammatorische Prozesse verantwortlich gemacht. Zusätzlich könnten virusbedingte Schädigungen des respiratorischen Epithels bakterielle Infektionen und deren Ausbreitung in tiefere Atemwege begünstigen [1], [2].

Wie eine deutsche Studie belegt, sollten Behandelnde daran denken, dass eine Koinfektion von Sars-CoV-2 und Pneumokokken – insbesondere bei Menschen über 60 Jahren – keine Seltenheit ist und möglicherweise weiter zunehmen wird [3].

Insgesamt ist der Anteil der durch S. pneumoniae verursachten ambulant erworbenen Lungenentzündungen in der zweiten Jahreshälfte 2021 auf ein nahezu prä-pandemisches Niveau gestiegen. Die Studienautoren fordern daher, “die Durchimpfung gegen Erreger der Atemwege, einschließlich S. pneumoniae, zu verstärken” [3].

Covid-19 und RSV nicht unterschätzen

Laut WHO reduzierte Covid-19 zwischen 2019 und 2021 die weltweite Lebenserwartung um 1,8 Jahre auf 71,4 Jahre und somit zurück auf das Niveau von 2012 [4]. Insbesondere bei vulnerablen Patientengruppen spielt die Erkrankung nach wie vor eine Rolle.

Gemäß einer aktuellen Kohortenstudie aus Dänemark verursacht Sars-CoV-2 noch immer eine höhere Krankheitslast und mehr Todesfälle bei hospitalisierten Patientinnen und Patienten als Influenza [5]. Wie Prof. Rembert Koczulla aus Schönau am Königssee betonte, besteht hier durchaus ein Bedarf an adäquaten Präventions- und Therapiemaßnahmen.

Auch die Krankheitslast von RSV-Infektionen scheint größer zu sein als die von Influenza. Darauf weist eine retrospektive Studie hin, derzufolge RSV-Patienten länger hospitalisiert sind und eine höhere Rate an intensivmedizinischen Behandlungen benötigen als Patienten mit Influenza A/B [6]. Eine RSV-Infektion kann bei Erwachsenen bereits vorhandene Erkrankungen wie COPD, Asthma oder kongestive Herzinsuffizienz verschlimmern [7].

Zugleich haben über die Hälfte der RSV-Patientinnen und -Patienten kardiovaskuläre Erkrankungen, etwa ein Drittel Diabetes, zwischen 17 und 28 Prozent waren immunsupprimiert und über ein Drittel wiesen COPD auf [7]. “Eine Mortalität zwischen 6,1 und 13,3 Prozent bei den über 60-Jährigen sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen”, resümierte Koczulla.

Einfache RSV und Pneumokokken Impfschemata

“Seit Anfang letzten Jahres ist die Impfung gegen Pneumokokken endlich einfach geworden”, erklärte Priv. Doz. Dr. Ulrich Seybold, München. Die STIKO empfiehlt, alle Personen ab 60 Jahren einmalig mit dem 20-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff PCV20 zu impfen [8]. Gleiches gilt für Erwachsene mit einer gesundheitlichen oder beruflichen Indikation.

Patienten, die bereits zuvor eine Impfung mit dem 23-valenten Polysaccharid-Impfstoff (PPSV23) erhalten haben, sollten in einem Mindestabstand von sechs Jahren ebenfalls eine Impfung mit PCV20 bekommen. Eine Koadministration mit Impfstoffen gegen Covid-19 oder Influenza ist möglich.

Die Impfquoten liegen bei den 60- bis 64-Jährigen bei durchschnittlich 11,8 Prozent, in Süddeutschland noch darunter. “Dramatisch ist, wie schlecht wir Menschen mit Grunderkrankungen schützen, hier liegt die Impfquote für alle Altersgruppen bei 22,8 Prozent”, erklärte der Infektiologe.

Für die Impfung gegen RSV werden von der STIKO zwei Impfstoffe empfohlen: RSVPreF und RSVPreF3. Die einmalige Standardimpfung sollte allen Personen ab 74 Jahren verabreicht werden. Die Empfehlung für eine einmalige Indikationsimpfung besteht für Personen zwischen 60 und 74 Jahren, die entweder aufgrund einer Grunderkrankung ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben oder in einer Pflegeeinrichtung leben [8]. “Die Zulassung ist da, die Impfempfehlung ist da, jetzt fehlt nur noch die Implementation”, betonte Seybold.

Covid-19 und Influenza frühzeitig therapieren

Abgesehen von der jährlichen Impfprophylaxe steht für die Behandlung und die Postexpositionsprophylaxe von Influenza der Neuraminidase-Hemmer Oseltamivir zur Verfügung. Dieser sollte möglichst frühzeitig nach Symptombeginn eingesetzt werden. Seybold zufolge zeigt die Therapie vor allem bei der Hochrisikogruppe der über 80-Jährigen selbst bei späterem Beginn – über 48 Stunden nach Symptombeginn – noch einen positiven Effekt.

Die jährliche Standardimpfung gegen Influenza im Herbst wird für alle Personen ab 60 Jahren sowie als Indikationsimpfung bei bestimmten Personengruppen wie etwa Schwangeren und Immundefizienten empfohlen [8].

Erwachsene, die an Covid-19 erkrankt sind und ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben, können innerhalb der ersten fünf bzw. sieben Tage mit Nirmatrelvir/Ritonavir oder Remdesivir behandelt werden. Hinsichtlich der Impfung unterteilt man drei Gruppen: Gesunde Kinder und Jugendliche sollen keine (weitere) Impfung erhalten.

Gesunde 18- bis 59-Jährige incl. Schwangere sollen drei Antigenkontakte aufweisen – in Form von Erkrankungen und/oder Impfungen. Personen über 60 Jahre oder mit Risikofaktoren sowie beruflich Exponierte oder Kontaktpersonen gefährdeter Personen sollen jedes Jahr im Herbst eine Boosterimpfung erhalten [8].

Quelle: Symposium “Respiratorische Atemwegserkrankungen im Kontext des demographischen Wandels: Herausforderungen und Perspektiven für Prävention und Therapie”, anlässlich der gemeinsamen Tagung von DGI und DZIF in München.

Literatur

  1. Sender V et al. Front Cell Infect Microbiol 2021; 11:643326
  2. Sumitomo T, Kawabata S. Jpn Dent Sci Rev 2024; 60:44–52
  3. Ankert J et al. ERJ Open Res 2023; 9(3):00703–2022
  4. WHO Report 24.05.2024 https://www.who.int/news/item/24-05-2024-covid-19-eliminated-a-decade-of-progress-in-global-level-of-life-expectancy
  5. Bager P et al. Lancet Infect Dis 2025, doi 10.1016/S1473–3099(24)00806–5
  6. Ambrosch A et al. J Clin Virol 2023; 161:105399
  7. Poshtiban A et al. BMC Infect Dis 2024 24:844
  8. RKI: Epidemiologisches Bulletin 04/2025
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