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MeinungspapierHausärzte bringen Praxisperspektive in die Politik ein

Grundlage für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem muss eine verbindlich hausärztlich gesteuerte Primärversorgung sein. Das unterstreichen Kolleginnen und Kollegen aus Hausärztinnen- und Hausärzteverband (HÄV), Institut für hausärztliche Fortbildung (IHF) und Deutscher Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in einem jüngst veröffentlichten Papier.

In insgesamt zehn Thesen unterstreicht die Autorengruppe die Leistungsfähigkeit der Allgemeinmedizin. Besonders hervorgehoben werden die hohe Fallabschlussquote, die langfristige Arzt-Patienten-Beziehung, die Familien- und Kontextorientierung sowie die Versorgung multimorbider und hochkomplexer Patientinnen und Patienten.

Das Papier wird durch einen anschaulichen Einblick in den Praxisalltag (“Aus einer hausärztlichen Sprechstunde”) flankiert. Zusammen sollen die Veröffentlichungen der Politik die hausärztliche Versorgungsrealität vor Augen führen.

“Das Fundament existiert bereits: die hausärztliche Teampraxis und mit der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) ein erprobtes Steuerungsmodell”, erklärt Mitautor Dr. Torben Ostendorf. “Die Politik muss dieses Fundament stärken, statt Parallelstrukturen daneben zu bauen.”

Auch der HÄV bringt sich von Beginn an explizit in die Gespräche zur Ausgestaltung des Primärversorgungssystems ein. Bei Redaktionsschluss war ein erster Gesetzentwurf für November erwartet.

Hausärztliche Versorgung schütze schon heute vor Über-, Unter- und Fehlversorgung, betonen die Verfasser. Vor dem Hintergrund steigender Versorgungsbedarfe und begrenzter Ressourcen sehen sie in einer hausärztlich geleiteten, multiprofessionellen Primärversorgung den wirksamsten Ansatz für eine effiziente Steuerung des Gesundheitswesens.

Quelle: doi 10.1007/s44266-026-00563-6


“Das Primärversorgungssystem darf nicht an der hausärztlichen Realität vorbei geplant werden”

Wie kam es zu dem Papier und was ist Euer Ziel?

Dr. Torben Ostendorf: Die Politik will ein Primärversorgungssystem. Ob es gelingt, hängt davon ab, worauf es gebaut wird – und ob diejenigen, die diese Versorgung jeden Tag leisten, gehört werden. Deshalb haben wir als Hausärztinnen und Hausärzte aus Praxis und Wissenschaft selbst aufgeschrieben, was hausärztliche Versorgung leistet.

Das Papier umfasst zehn Thesen, ist wissenschaftlich belegt und in der Zeitschrift für Allgemeinmedizin (ZFA) veröffentlicht. Unser Ziel ist klar: Kein Primärversorgungssystem darf an der hausärztlichen Realität vorbei geplant werden.

Erkennt die Politik die hausärztliche Versorgungsrealität ausreichend an?

In Sonntagsreden ja, in Gesetzentwürfen zu oft nicht. Die Bedeutung der Hausarztpraxis wird gern betont, gleichzeitig wird hausärztliche Versorgung oft als Verteilstelle gedacht: Patient kommt, wird eingeschätzt und weitergeleitet. Die Realität sieht anders aus.

Etwa 80 Prozent der akuten Anliegen behandeln wir abschließend selbst. Und die meisten Patientinnen und Patienten kommen mit zwei bis vier Anliegen gleichzeitig – das schafft kein Algorithmus! Die Begleitbroschüre “Aus einer hausärztlichen Sprechstunde” zeigt an einem gewöhnlichen Vormittag, was wir meinen. Wir empfehlen sie jeder Abgeordneten und jedem Abgeordneten, die oder der über Primärversorgung entscheidet. Noch besser ist ein Vormittag bei uns in der Praxis. Die Einladung steht.

Was ist Eure Key-Message an die Politik?

Primärversorgung braucht keine neue Erfindung. Sie braucht politische Verbindlichkeit.


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