Berlin. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verteidigt die Pläne der schwarz-roten Koalition, die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag einzuführen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. “Niemand muss bei Krankheit zwingend in die Arztpraxis”, sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Es sei zwar das Ende der telefonischen Krankschreibung vereinbart, nicht aber die Möglichkeit eines Attests per Video.
Bislang wird in der Regel eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) erst ab dem vierten Tag verlangt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begründete die Pläne damit, dass der Krankenstand gesenkt werden solle. Gegen die Pläne gibt es Proteste, unter anderem auch vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband, – auch, weil damit mehr kranke Menschen in den überlasteten Praxen erwartet werden.
“Video-AU für viele Menschen keine Option”
„Sollte die Politik bei dem jetzt Verkündeten bleiben, wären Videosprechstunden in einigen Fällen sicherlich weiter eine Option. Aus unserer Praxiserfahrung wissen wir allerdings: Für sehr viele Patientinnen und Patienten ist das keine Option”, erläutert Prof. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. Die Gründe seien vielfältig: “Manche Menschen sind nicht digitalaffin, besitzen nicht die notwendige Technik oder fühlen sich in einer so intimen Situation vor dem Bildschirm unwohl. Sie werden sich also, selbst bei einem kurzen heftigen Magen-Darm-Infekt, wieder in unsere Praxen schleppen müssen.“
Warken kündigte an, bald Vorschläge vorlegen zu wollen, um eine Krankschreibung per Online-Fragebogen ohne Arztkontakt zu unterbinden. “Damit wird diesem Missbrauch endlich ein Riegel vorgeschoben”, sagte die Ministerin.
Quelle: dpa
