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Editorial HP 11/26Bei sozialen Problemen früh vermitteln

Verunsicherung ist allseits spürbar. Die Kriege in der Ukraine und im Iran treiben erneut die Preise. Statt gezielter Förderung von Geringverdienern verpufft die Hilfe der Regierung in einem Tankrabatt. Serviert wird dieser gleichzeitig mit Beitragserhöhungen und Kürzungen bei Sozialleistungen. Wer noch einen Job hat, fragt sich dank Künstlicher Intelligenz (KI) in manch einer Branche: Wie lange noch?

Bei all dem sind Ihre Hausarztpraxen wie ein Seismograph: Sie zeichnen die großen gesellschaftlichen Schwingungen genauso mit wie lebensverändernde Ereignisse jedes Einzelnen. Oft erkennen Hausärztinnen und Hausärzte die sozialen Begleitursachen eines gesundheitlichen Problems früh, weswegen die Sozialberatung oft sehr gut weiterhelfen kann, wie Dr. Thomas Kloppe, Sprecher der AG Soziale Gesundheit der DEGAM, im Podcast “Wege der Allgemeinmedizin” [1] ermutigt. Hinweise zur Sozialanamnese gibt er im Beitrag “Sozialmedizin: Mehr Vernetzung, mehr Chancen“.

Ein Problem: Die vielseitigen Angebote der Sozialen Arbeit sind mitunter kaum bekannt. So fand Kloppe in einer nicht repräsentativen Befragung von 45 Hausärztinnen und -ärzten in Bremen heraus, dass im Median nur zehn Prozent der Menschen mit sozialem Unterstützungsbedarf weitervermittelt werden. Als Grund wurde die Unbekanntheit von Angeboten und fehlende Zeit genannt.

Drei Viertel der Befragten gaben zudem an, es belaste sie stark, wenn sie die Menschen nicht vermitteln konnten. [2] Hier hilft eine Vorlage von Kloppe, die soziale Angebote clustert und in der Praxisteams die Kontaktdaten ihrer Anlaufstellen vor Ort ergänzen können (s. Link-Tipp).

Zudem rät er im Podcast: Wird in der Praxis ein sozialer Unterstützungsbedarf festgestellt, können Praxisteams erstmal an die allgemeine Sozialberatung in ihrer Nähe verweisen.

Viele Probleme können dort bereits abschließend gelöst werden, andernfalls wird gezielt vermittelt. Denn eine Sozialanamnese bedeutet nicht, dass auch die Beratung in der Praxis stattfinden muss, erinnert Kloppe bei der Einordnung eines aktuellen Modellprojekts mit Langzeitarbeitslosen in Leipzig  siehe Artikel “Sozialmedizin: Mehr Vernetzung, mehr Chancen“.

Für mich zeigt dies vor allem: Ihre Praxen sind ein wichtiger Anker für Menschen in allen Lebenslagen – und damit ein Stabilisator für unsere Gesellschaft.

Ihre

Johanna Dielmann-von Berg

Chefredakteurin “Hausärztlliche Praxis”

Quellen:

  1. Podcast “Wege der Allgemeinmedizin: Sozialmedizin in der Praxis. Wie soziale Probleme die Gesundheit beeinflussen“, Folge vom 1.4.26
  2. Evers S, Kloppe T, Gerhardus A. Perspektiven von Pädiater*innen und Hausärzt*innen auf die Vermittlung von Patient*innen mit sozialen Problemen an nicht-medizinische Angebote – eine Querschnittserhebung. Gesundheitswesen. 2025;87(11):662–670. DOI: 10.1055/a-2518–8609
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