Parteitage sind manchmal wie Wartezimmer: Die Diagnose kommt im Plenum, die Therapie in den Fluren. Als Hausärztinnen und Hausärzteverband sind wir dort nicht als Zuschauer, sondern um Kontakte zu pflegen, Stimmungen aufzunehmen und früh zu erklären, was politische Ideen in Hausarztpraxen und für Patientinnen und Patienten bedeuten.
Beim CDU-Parteitag am 20. und 21. Februar in Stuttgart gab es auf der Bühne Geschlossenheit, klare Linien, viel Applaus für Friedrich Merz. In den Kaffeepausen klangen die Gespräche leiser und konkreter. Da ging es weniger um Grundsatzreden als um Timing und Geld. „Wann kommt etwas zur Pflege?“, fragte ein Abgeordneter im Vorbeigehen.
Ein Referent aus dem Arbeitskreis Gesundheit winkte ab: „Erst nach den Landtagswahlen wird es ernst.“ Ein anderer sprach von der Balance zwischen Beitragsstabilität und Leistungsversprechen. Man spürt: Der Reformbedarf ist klar, niemand unterschätzt die finanziellen Realitäten.
Telefon-AU: Debatte am Stehtisch
Ein Thema sorgte am Stehtisch für viel Diskussion: die telefonische Krankschreibung. Der Parteitag will sie abschaffen. Offiziell geht es um Missbrauch und Fehlzeiten. Inoffiziell hörte man auch andere Töne. „Und wie organisieren wir dann die Erkältungswelle im Januar?“, fragte jemand halb im Scherz. Hausärztinnen und Hausärzte wissen: Die Telefon-AU ist kein Freifahrtschein, sondern oft pragmatische Versorgung für bekannte Patientinnen und Patienten– und Entlastung für Wartezimmer und Praxisteams (www.hausarzt.link/hQKUg).
Der Eindruck blieb, dass Symbolpolitik und Praxisrealität noch miteinander reden müssen. Gesundheitspolitik spielte offiziell nur eine Nebenrolle. Prävention kam eher indirekt vor – etwa beim Jugendschutz in sozial aber Medien oder beim Rauchverbot im Auto mit Minderjährigen –, während klassische Prävention in der hausärztlichen Versorgung kaum auftauchte.
Die entscheidende politische Arbeit beginnt erst mit Referentenentwürfen und Kabinettsrunden.
Praxiswissen weiter einbringen
Auffällig war der Ton insgesamt: diszipliniert, konzentriert, fast nüchtern. Kleine Szenen – Nachfragen zu Pflegekosten an der Garderobe, ein Abgeordneter, der wissen wollte, wie viele Menschen eine Hausarztpraxis wirklich betreut – erzählten mehr über die Stimmung als mancher Redebeitrag.
Mein Eindruck nach zwei Tagen zwischen Plenum und Stehtisch: Die CDU will gestalten, tastet sich aber vorsichtig vor. Für hausärztliche Praxen ist das keine schlechte Nachricht. Besonnenes Vorgehen bedeutet, dass Konzepte nicht über Nacht beschlossen werden, sondern Raum bleibt, Praxiswissen einzubringen und sinnvolle Steuerung aufzubauen.
Wer Versorgung wirklich verändern will, muss nicht nur Parteitage überzeugen, sondern Ministerien, Kassen und Haushälter. Dort entscheidet sich, ob aus Leitanträgen bessere Bedingungen für Praxen und Versicherte werden – und dort bleiben wir dran.
