Berlin. In der Debatte um die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) fordert der Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Einsparungen bei den Kassen selbst.
“Während viele Kassenvorstände die Versorgung ihrer Versicherten scheinbar am liebsten auf ein Minimum zusammenkürzen würden, leisten sie sich einen überdimensionierten Verwaltungsapparat, der stetig mehr Geld frisst. Allein im letzten Jahr rund 13 Milliarden Euro. Eines ist klar: Die Kassen brauchen dringend eine Schrumpfkur”, erklärt Dr. Markus Blumenthal-Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes.
Zuletzt hätten die Kassen ein 80-seitiges Sparpapier vorgelegt. Vorschläge, wie die eigene Verwaltung verschlankt werden könne, fehlten darin gänzlich, kritisiert Blumenthal-Beier.
“Es wird Zeit, dass die Kassen endlich den Rotstift bei sich selbst ansetzen, statt immer nur bei der Versorgung ihrer Versicherten”, argumentiert Blumenthal-Beier. Mittelfristig müssten die Kassen ihre Verwaltungskosten “dringend halbieren”. “Wir fordern ein konsquentes Sparprogramm der Kassen!”
Auch Sozialverbände zweifeln an hoher Zahl der Kassen
Ähnlich sehen es große Sozialverbände. Die Präsidentin des Verbandes VdK, Verena Bentele sagte der “Rheinischen Post”: “Es ist nicht mehr vermittelbar, dass wir uns in Deutschland ein System aus über 90 gesetzlichen Krankenkassen leisten.”
Diese Kleinteiligkeit schaffe unnötige Doppelstrukturen und binde erhebliche Beitragsmittel in der Verwaltung. Hier gehe es um Milliardenbeträge, die direkt in die Versorgung der Patientinnen und Patienten fließen sollten.
Ist das noch zeitgemäß?
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) mahnte ebenfalls, die Verwaltungsstruktur der gesetzlichen Krankenversicherung sei kritisch zu hinterfragen. Dazu gehöre die Frage, ob eine Vielzahl von Krankenkassen mit eigenen Verwaltungen noch zeitgemäß ist, erklärte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier.
Zugleich betonte sie, unterschiedliche Angebote und Strukturen könnten sinnvoll sein, wenn sie zu besseren Leistungen für Versicherte führen und Effizienz fördern.
CSU-Politiker fordert Zusammenschlüsse
Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, riet den Kassen in der “Rheinischen Post”, “von sich aus verstärkt Synergien zu suchen, Kooperationen auszubauen und Zusammenschlüsse einzuleiten – bevor der Gesetzgeber handeln muss”.
Nach Angaben des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gibt es derzeit 93 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland. Das sind deutlich weniger als noch vor einigen Jahrzehnten: Im Jahr 1970 etwa lag die Zahl noch bei 1.815. Zur Jahrtausendwende waren es noch 420 gesetzliche Krankenversicherungen.
Ausgaben steigen stärker als Einnahmen
Die gesetzlichen Krankenkassen hatten im vergangenen Jahr nach einer Welle von Beitragserhöhungen zwar einen Überschuss verbucht. Allerdings waren auch ihre Ausgaben stark gestiegen, wie das Bundesgesundheitsministerium kürzlich mitteilte.
Nach Angaben von Ministerin Nina Warken (CDU) steigen die Ausgaben seit 2024 wesentlich stärker als die Einnahmen. Ein von Warken eingesetztes Experten-Gremium soll bis Ende März Vorschläge zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen vorlegen. Bis zum Jahresende sollen weitergehende Reformvorschläge folgen. Hintergrund ist eine für 2027 erwartete Finanzlücke im zweistelligen Milliardenbereich.
Quelle: red mit Material von dpa
