Berlin. Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) bleibt auf Wachstumskurs. Im dritten Quartal 2026 stieg die Zahl der eingeschriebenen Versicherten in den HZV-Vollversorgungsverträgen um rund 270.000 und damit um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das hat der Hausärztinnen- und Hausärzteverband am Mittwoch (28. Oktober) mitgeteilt.
Innerhalb der vergangenen zwölf Monate wuchs die Teilnehmerzahl in den Vollversorgungsverträgen, die über die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft (HÄVG) außerhalb des KV-Systems abgerechnet werden, demnach um knapp 800.000 Versicherte (9,5 Prozent). Einschließlich der sogenannten Add-on-Verträge nehmen inzwischen bundesweit knapp zwölf Millionen Versicherte an der HZV teil.
Kündigungsquote von nur 0,2 Prozent
„Aktuell steigt die Teilnehmerzahl jede Woche durchschnittlich um über 20.000 Versicherte“, erklärte die Co-Bundesvorsitzende des Verbandes, Prof. Nicola Buhlinger-Göpfarth. Das Wachstum beschränke sich längst nicht mehr auf Süddeutschland. Auch in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg verzeichne die HZV starke Zuwächse.
Als Beleg für die hohe Akzeptanz der HZV wertete Buhlinger-Göpfarth zudem die geringe Kündigungsquote: Nach Verbandsangaben kündigen lediglich knapp 0,2 Prozent der eingeschriebenen Versicherten ihren Vertrag ordentlich.
Primärversorgungssystem muss auf HZV aufbauen
Mit Blick auf die geplante Einführung eines flächendeckenden Primärversorgungssystems forderte Buhlinger-Göpfarth die Bundesregierung mit Vorlage der aktuellen Zahlen auf, auf den bestehenden HZV-Strukturen aufzubauen. Diese hätten sich bundesweit etabliert und genössen sowohl bei Hausarztpraxen als auch bei Patientinnen und Patienten hohes Ansehen.
Auch der Co-Bundesvorsitzende Dr. Markus Blumenthal-Beier unterstrich die Bedeutung der HZV für die Sicherung der hausärztlichen Versorgung. Ohne die HZV hätten nach seiner Einschätzung bereits zahlreiche Praxen ihre Versorgungstätigkeit eingestellt. Das Bekenntnis der Bundesregierung zur HZV im Koalitionsvertrag sei daher „nicht nur richtig, sondern zwingend notwendig“.
„Wer ein funktionierendes Primärversorgungssystem aufbauen will, muss auf Strukturen setzen, in denen bereits heute Millionen Menschen auf höchstem Niveau versorgt werden.” (red)
