Semaglutid hat wohl nicht nur einen Nutzen bei Diabetes und Übergewicht, sondern einer kleinen Studie zufolge auch bei Alkoholabhängigkeit. Zuvor hatten bereits unter anderem Beobachtungsstudien und eine erste Laborstudie auf dieses Potenzial hingewiesen, wie das Science Media Center (SMC) berichtet. Möglicherweise kann die Substanz also direkt in suchtassoziierte Schaltkreise des Gehirns eingreifen.
Insgesamt nahmen 108 Personen (53 Frauen, 55 Männer) mit einem BMI ≥30 kg/m2 und mittlerer bis schwerer Alkoholabhängigkeit an der Studie teil. Die eine Hälfte erhielt wöchentlich 2,4 mg Semaglutid s.c., die andere eine NaCl-Lösung.
Begleitend erhielten alle Teilnehmenden eine Verhaltenstherapie. Primärer Studienendpunkt war die prozentuale Reduzierung der “Heavy Drinking Days” nach 26 Wochen, wobei nur 88 Personen die Studie abschlossen. Als “Heavy Drinking Days” galten Tage, an denen Frauen über 48 g reinen Alkohol und Männer über 60 g konsumierten. Laut BIÖG entspricht beispielsweise eine Flasche Bier (0,3 l) 12 g reinem Alkohol.
In der Semaglutid-Gruppe nahmen die “Heavy Drinking Days” um 41,1 Prozentpunkte ab, in der Placebo-Gruppe um 26,4 Prozentpunkte. Der tatsächlich auf Semaglutid zurückzuführende Effekt liegt damit bei -13,7 Prozentpunkten, denn auch die Psychotherapie plus Placebo hat offenbar einen klaren Effekt. Die Zahl der “Heavy Drinking Days” wurde dabei von den Patienten selbst berichtet, konnte aber durch den Biomarker Phosphatidylethanol überprüft werden.
Effekte zeigten sich auch bei den sekundären Endpunkten: Personen, die Semaglutid erhielten, nahmen insgesamt weniger Alkohol zu sich (durchschnittlich -467,5 g Alkohol innerhalb von 30 Tagen) und berichteten über ein geringeres Verlangen nach Alkohol (-3,1 Punkte auf der Penn alcohol craving scale).
Quellen: 1. Mitteilung des SMC vom 1. Mai, 2. doi 10.1016/S0140-6736(26)00305-3
