Viele Menschen fürchten die Nebenwirkungen von Statinen. Bekannt ist, dass sie in seltenen Fällen zu Myopathien führen und das Risiko für Diabetes moderat und dosisabhängig erhöhen. Für die meisten der in den Fachinformationen angegebenen Nebenwirkungen gibt es aber keine Evidenz. Zu diesem Ergebnis kommt eine Metaanalyse, für die ein Team 19 placebokontrollierte Studien mit insgesamt 123.940 Teilnehmenden ausgewertet hat.
Dabei untersuchten sie, ob die in den Beipackzetteln von fünf Statinen (Atorvastatin, Fluvastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin) angegebenen Nebenwirkungen in den RCT-Studien tatsächlich signifikant häufiger aufgetreten waren als unter Placebo. Denn: “Viele der angegebenen Nebenwirkungen basieren auf nicht randomisierten und unverblindeten Studien und können einem Bias unterliegen”, meint das Team.
In die Metaanalyse wurden daher nur RCT-Studien mit mehr als 1.000 Teilnehmenden und einer Therapiezeit von mindestens zwei Jahren erfasst. Ergebnis: Von den 66 in den Beipackzetteln angegebenen Nebenwirkungen traten in den RCT-Studien lediglich vier unter Statinen signifikant häufiger auf:
- Veränderungen der Lebertransaminasen: bei 783 Personen unter Statinen (0,3 Prozent pro Jahr) vs. 556 unter Placebo (0,22 Prozent pro Jahr); Risk Ratio (RR): 1,41 (95%-KI: 1,26-1,57).
- Veränderungen der Leberfunktion: bei 651 (0,25 Prozent pro Jahr) vs. 518 (0,20 Prozent pro Jahr); RR 1,26 (1,12-1,41).
- Veränderungen der Urinzusammensetzung: bei 556 (0,21 Prozent pro Jahr) vs. 472 (0,18 Prozent pro Jahr); RR 1,18 (1,04-1,33).
- Ödeme: bei 3.495 (1,38 Pro Jahr) vs. 3.299 (1,31 Prozent pro Jahr); RR 1,07 (1,02-1,12).
Fazit für die Praxis: “Die Ergebnisse zeigen, dass Statine – zusätzlich zu den bekannten Nebenwirkungen auf Muskulatur und Diabetesrisiko – lediglich mit einem geringen absoluten Anstieg von Leberwerten assoziiert sind”, so Prof. Ulrich Laufs, Uniklinikum Leipzig, in einer Mitteilung des “Science Media Centers” (SMC). Die Darstellung von unerwünschten Wirkungen in den Fachinfos sei meist übertrieben und könne irreführen. “Sie sollten daher überarbeitet werden.”
Prof. Oliver Weingärtner, Uniklinikum Jena, fügt hinzu, dass die Nebenwirkungen in den Studien in der Regel zu Beginn der Behandlung auftraten – oder nie. “Daher wird auch darauf hingewiesen, dass Leberwerte in den ersten Wochen zu beobachten sind.”
Auch Prof. Stefan Blankenberg, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, betont: “Das einzig faktische Problem sind Muskelschmerzen. Diese sind dosisabhängig und verschwinden nach Absetzen der Statine.” Viele Patienten “erwarteten” die Muskelschmerzen aber auch.
Quellen: 1. doi 10.1016/S0140-6736(25)01578-8, 2. Mitteilung des SMC vom 6. Februar
