In Deutschland leiden rund 13 Prozent aller Kinder zumindest temporär unter einer atopischen Dermatitis (AD) [1]. Die Symptome haben Einfluss auf die Lebensqualität, und zwar sowohl körperlich als auch psychisch: So kann nächtlicher Pruritus beispielsweise den Nachtschlaf und die Regeneration negativ beeinflussen, Ausgrenzung und Stigmatisierung können das psychische Befinden stark beeinträchtigen.
Welcher Faktor die Lebensqualität allerdings am stärksten beeinflusst, darüber sind sich die Betroffenen und die behandelnden Ärztinnen und Ärzte offenbar nicht ganz einig, wie die internationale Studie AD-GAP („AD Global Adolescent and Pediatric“ Survey) zeigt [2].
In der Studie, die von Sanofi unterstützt wurde, wurden Kinder (6-11 Jahre) und Jugendliche (12-17 Jahre) mit moderater bis schwerer AD sowie deren Eltern und behandelnde Ärzte befragt, welche Faktoren die Lebensqualität der Kinder wie stark beeinträchtigen. Insgesamt nahmen 1.447 Kinder bzw. Jugendliche, 1.447 Eltern und 1.092 Ärztinnen und Ärzte (Dermatologen, Haus- und Kinderärzte sowie Allergologen bzw. Immunologen) aus 13 Ländern teil.
Abgefragt wurden 16 verschiedene Einflussfaktoren auf die Lebensqualität, zum Beispiel Schamgefühle aufgrund der Erkrankung, Schlafbeeinträchtigungen, das Gefühl, ausgeschlossen zu werden oder das Bedauern, an bestimmten Aktivitäten nicht teilnehmen zu können oder Schulzeit zu verpassen. Diese Faktoren sollten gemäß ihrem Einfluss auf einer Liste gerankt werden.
Ärzte schätzen die Situation anders ein Kinder und Eltern
Dabei zeigte sich, dass Ärzte und Eltern insgesamt zwar ein gutes Gefühl dafür hatten, was die Kinder mit AD besonders belastete. Allerdings zeigte sich auch, dass Ärztinnen und Ärzte bestimmte Einflussfaktoren anders einschätzten als die Kinder und ihre Eltern: Letztere stuften nämlich in beiden Altersgruppen Schlafstörungen als den wichtigsten Einflussfaktor auf die Lebensqualität ein, gefolgt von Schamgefühlen. Ärzte hingegen bewerteten in beiden Altersgruppen Schamgefühle als den wichtigsten Einflussfaktor auf die Lebensqualität, gefolgt von Schlafstörungen bei den 6- bis 11-Jährigen und dem Gefühl, ausgegrenzt zu werden, bei den 12- bis 17-Jährigen.
Auf die Frage, wie oft sie ihre Patienten (oder deren Eltern) gezielt nach verschiedenen Einflussfaktoren auf die Lebensqualität fragten, gaben 70 Prozent der Ärzte an, immer oder häufig nach den Auswirkungen auf die Schlafqualität zu fragen. Demgegenüber erkundigten sich nur 35–40 Prozent immer oder häufig nach versäumten Schultagen.
Die Häufigkeit der Nachfragen zu anderen Faktoren – wie Anzeichen von Angstzuständen/Depressionen sowie Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, das soziale Leben, die Konzentration in der Schule, Aktivitäten und Sport sowie das Familienleben – lag im Bereich zwischen 35 und 70 Prozent.
Fazit für die Praxis: „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass viele psychosoziale Faktoren und Aktivitäten des täglichen Lebens in den Beratungsgesprächen nicht standardmäßig thematisiert werden. Dies könnte auch erklären, warum die Einschätzung der Ärzte bezüglich der Auswirkungen dieser Themen auf das Leben der Patienten nicht unbedingt mit der Wahrnehmung der Patienten oder deren Eltern übereinstimmt“, schreibt das Studienteam.
Literatur:
