Bei Kindern ist die atopische Dermatitis (AD) eine der häufigsten chronischen Erkrankungen [1]. Studien zufolge manifestiert sich die AD bei etwa der Hälfte der Betroffenen in den ersten sechs Lebensmonaten, in 60 Prozent der Fälle im ersten Lebensjahr und in über 70 bis 85 Prozent vor dem fünften Lebensjahr [1]. Eine aktuelle Studie hat nun untersucht, wie häufig es zu einer Remission kommt – und welche Faktoren darauf Einfluss haben.
Älteste Studie zu Allergien in Deutschland
In der populationsbasierten „Multicenter Allergy Study“ (MAS) wurden 1990 die Daten von 1.314 termingerecht geborenen Kindern aus fünf deutschen Städten erfasst. 57 Prozent der Kinder hatten mindestens ein Elternteil mit Allergien. Mehr als ein Drittel hatte sogar zwei Elternteile oder Geschwister mit Allergien und/oder eine IgE-Konzentration im Nabelschnurblut von ≥0.9 kU/L und galt als Hochrisiko-Kind. Die Studie beinhaltete damit einen hohen Anteil von Risikokindern und ist die älteste in Deutschland laufende Studie zu Allergien.
Die Kinder wurden bis zu 30 Jahre auf die Entwicklung von allergischen Erkrankungen wie AD nachverfolgt. Neben regelmäßigen Befragungen der Eltern (insgesamt sechs in den ersten zwei Lebensjahren) wurden im Alter von 3 bis 13 Jahren jährlich sowie jeweils im Alter von 15, 20 und 30 Jahren klinische Daten erhoben. Serumproben wurden im Alter von 1, 2, 3, 5, 6, 7, 10, 13 und 20 Jahren analysiert. Als AD-Fall bewertete das Studienteam von den Eltern berichtete AD-Symptome, eine von den Eltern berichtete ärztlich gestellte AD-Diagnose sowie eine im Studienverlauf von den Studienärzten erfasste AD-Diagnose.
Vier relevante Ergebnisse
- Ergebnis 1: In den ersten fünf Lebensjahren wurde die Diagnose AD am häufigsten gestellt, genauer: bei 50,1 Prozent der insgesamt 1.314 Kinder. Bei Kindern mit mindestens einem allergischen Elternteil (moderates und hohes Risiko) betrug die kumulative Inzidenz in den ersten fünf Lebensjahren 57 Prozent (402 Kinder). Bis zum Alter von 13 Jahren nahm die Inzidenz ab, im Jugend- und frühen Erwachsenenalter allerdings wieder leicht zu.
Zudem schaute sich das Studienteam an, bei wie vielen Kindern es bis zum jungen Erwachsenenalter (20 bzw. 30 Jahre) zu einer Remission (12 Monate ohne Symptome) gekommen war.
- Ergebnis 2: Vier Arten von Remission kristallisierten sich dabei heraus:
- Remission in früher Kindheit (bei 26,6 Prozent, Phänotyp Remission),
- Remission im frühen Schulkindalter (bei 44,2 Prozent, Phänotyp Remission),
- substanzielle Remission im Jugendlichenalter (17,6 Prozent, persistierender Phänotyp),
- partielle Remission als junger Erwachsener (11,6 Prozent, persistierender Phänotyp).
- Ergebnis 3: Insgesamt zeigt sich eine hohe Remissionsrate bei Kindern, die vor dem Schuleintritt erkrankt waren: Von 529 Kinder mit AD-Beginn bis zum Alter von fünf Jahren konnten nach 20 bzw. 30 Jahren noch Daten erhoben werden. 459 von ihnen (87 Prozent) berichteten im Alter von 20 bzw. 30 Jahren über keinerlei Symptome in den zwölf Monaten zuvor, waren also in Remission.
- Ergebnis 4: Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass eine atopische Dermatitis persistiert:
- Krankheitsausbruch in den ersten beiden Lebensjahren (adjusted risk ratio (aRR): 1,59; 95%-KI: 1,12-2,26),
- weibliches Geschlecht (aRR: 1,56; 95%-KI: 1,23-2,00)
- frühe allergische Sensibilisierung gegen mindestens ein häufiges Aero- oder Lebensmittelallergen (aRR: 1,95, 95%-KI: 1,25-3,05),
- Asthma im Alter von sechs Jahren (aRR: 2,22; 95%-KI: 1,70-2,89) und
- allergische Rhinitis im Alter von drei bis fünf Jahren (aRR: 1,54; 95%-KI: 1,21-1,95).
Fazit für die Praxis
Kinder mit den genannten fünf Risikofaktoren und damit schlechter Prognose für eine Remission benötigten eine engere klinische Kontrolle, meint das Studienteam. Die frühe Identifikation von Risikokindern ermögliche eine frühe immunmodulierende Therapie, die die Krankheitsprogression sowie Multimorbiditäten möglicherweise verhindern könne.
Quellen:
- S3-Leitlinie „Atopische Dermatitis“ (derzeit in Überarbeitung): www.hausarzt.link/c3oOn
- doi 10.1001/jamanetworkopen.2025.44324
