Umweltfaktoren, Toxine und Stress gelten als Treiber für Prozesse, die ihrerseits das Altern befördern. Dazu zählen insbesondere Entzündungen bzw. das Entzündungsaltern (Inflammaging), welches oft mit einer subklinischen Entzündung beginnt und – bei persistierenden und/oder multiplen Reizen – in eine nicht infektiöse, systemische Entzündung übergeht.
Dauert die Entzündung über einen längeren Zeitraum hinweg an, komme es zu einer Störung des immunologischen Regelkreises: Die Abwehrreaktion gegenüber der Entzündung nehme überproportional zu, während die anti-inflammatorische Gegenregulation zu gering ausfalle. Davon seien alle “Supersysteme” betroffen, also das Nervensystem, das Mikrobiom, das Immunsystem und das Endokrinium.
“Diese vier Hauptsysteme sind eng miteinander verknüpft und kommunizieren miteinander. Eine Veränderung in einem System wirkt sich folglich auch auf die anderen Systeme aus”, erläuterte Dr. rer. nat. Anne Schönbrunn, Berlin.
Da die anti-inflammatorische Abwehrreaktion eine Vielzahl an Substanzen benötige, entstehe eine katabole Stoffwechsellage: So ist z.B. für die Immunzellfunktion Kalzium erforderlich, das aus den Knochen gewonnen wird – was zu Osteopenie bzw. Osteoporose führt. Der Muskelabbau zur Protein-Gewinnung für den Immunzellaufbau kann eine Myalgie auslösen und der Fettabbau eine Kachexie bzw. Fettstoffwechselstörung.
Um Glukose für den Energiebedarf zur Verfügung zu haben, wird deren Aufnahme in die Organe verringert, wodurch eine Insulinresistenz entsteht, die einen Typ-2-Diabetes zur Folge haben kann.
Entzündungen sind die Treiber der Alterung
Durch die anhaltende Entzündung komme es zu oxidativem Stress – einem weiteren, wichtigen Treiber der Alterungsprozesse. Denn freie Sauerstoffradikale (ROS, reactive oxygen species) griffen mitochondriale Strukturen in den Zellen an und verursachten deren Zelltod (Apoptose), indem sie Caspasen aktivieren. Außerdem schädigten ROS die DNA, wodurch proinflammatorische Signalwege aktiviert werden.
“Dadurch entsteht ein System, das die Entzündung am Laufen hält und auch vor den Stammzellen nicht Halt macht”, berichtete Schönbrunn.
Verminderte Regeneration fördert den Alterungsprozess
So üben Entzündungen einen langfristigen Effekt auf (hämatopoetische) Stammzellen aus [1]. Dazu zählen der Verlust von Stammzellen sowie deren Erschöpfung, was zu einer verminderten Regenerationsfähigkeit führt und den Alterungsprozess fördert.
Wie es um den Schutz vor ROS steht, lasse sich im Labor z.B. anhand des Thiol- oder des intrazellulären Glutathion-Status überprüfen. Oxidativer Stress bzw. Energiedefizit seien mittels intrazellulärem ATP, MDA-LDL (Malondialdehyd-modifiziertes LDL) oder Nitrotyrosin messbar.
Quelle: Online-Seminar: “Die Biologie und Immunologie des (gesunden) Alterns”. Veranstalter: IMD Labor Berlin
Literatur:
