Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) stellt die neuesten medizinischen Erkenntnisse vor, die für den Praxisalltag der Hausärztinnen und Hausärzte relevant sind.
Eine US-amerikanische Studie untersuchte die Effektivität verschiedener Therapieansätze bei drohender Chronifizierung von Rückenschmerzen. Rekrutiert wurden 1.000 Erwachsene mit seit zwei bis zwölf Wochen bestehenden Rückenschmerzen, die im STarT-Back-Fragebogen hohe Werte erzielten und damit ein erhöhtes Risiko für Chronifizierung hatten.
Der Fragebogen erfasst neben Schmerzcharakteristika die Beeinträchtigung im Alltag, Vermeidungsverhalten, Katastrophisierungsgedanken und eine mögliche Angstsymptomatik oder Depression [1].
Die Teilnehmenden wurden in vier Gruppen randomisiert. Eine Gruppe erhielt eine achtwöchige Unterstützung zum biopsychosozialen Selbstmanagement mit acht einstündigen Einzelterminen bei Physiotherapeuten. Inhaltlich umfassten diese Patientenedukation, Bewegungsübungen, verhaltenstherapeutische Elemente und Ermunterung zu sozialen und angenehmen Aktivitäten.
Eine zweite Gruppe erhielt Manipulation der Wirbelsäule durch Physiotherapeuten oder Chiropraktiker in zwei oder mehr 15- bis 20-minütigen Behandlungen. Ergänzende Mobilisation und feuchte Wärme waren erlaubt. Eine dritte Gruppe erhielt beide Therapieansätze zusammen und eine vierte Gruppe wurde leitliniengerecht (NSAR, ggf. Wärme oder Akupunktur) in zwei oder mehr 15- bis 30-minütigen Terminen behandelt. Primäre Endpunkte waren Schmerzintensität und Beeinträchtigung über zwölf Monate gemittelt.
Die Gruppen mit unterstütztem Selbstmanagement alleine und in Kombination mit Wirbelsäulen-Manipulation hatten über zwölf Monate eine statistisch signifikant geringere Beeinträchtigung als die Gruppen mit Wirbelsäulen-Manipulation alleine oder herkömmlicher leitliniengerechter Behandlung. Der Unterschied war allerdings klein, für die Schmerzintensität ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen allen Gruppen.
Limitierend muss betrachtet werden, dass die Behandlungstermine bei der unterstützenden Intervention zum Selbstmanagement deutlich länger waren als bei den Maßnahmen der Manualtherapie. Möglicherweise ist der geringe Unterschied daher auch einfach unspezifisch auf die vermehrte zeitliche Zuwendung zurückzuführen.
Fazit: Ein sehr aufwendiges achtwöchiges Programm mit langen Einzelterminen ergab eine kleine Verbesserung der rückenschmerzbedingten Beeinträchtigung über zwölf Monate im Vergleich zur leitlinienbasierten üblichen Therapie. “Einrenken” erbrachte keine Unterschiede zur üblichen Therapie.
In 22 hausärztlichen Praxen in Bristol und den West Midlands wurde ein interprofessionelles Medikationsreview erprobt. Bei Patientinnen und Patienten mit mehr als fünf Medikamenten führten zunächst die Apothekerinnen und Apotheker eine Überprüfung der Medikation anhand der Patientenakten durch und diskutierten die Ergebnisse mit den Hausärztinnen und Hausärzten.
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