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Aus Wissenschaft und ForschungHP 09/26: Die DEGAM informiert

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) stellt die neuesten medizinischen Erkenntnisse vor, die für den Praxisalltag der Hausärztinnen und Hausärzte relevant sind.

Was tut sich in Wissenschaft und Forschung?

Chronische Rückenschmerzen verhindern

Eine US-amerikanische Studie untersuchte die Effektivität verschiedener Therapieansätze bei drohender Chronifizierung von Rückenschmerzen. Rekrutiert wurden 1.000 Erwachsene mit seit zwei bis zwölf Wochen bestehenden Rückenschmerzen, die im STarT-Back-Fragebogen hohe Werte erzielten und damit ein erhöhtes Risiko für Chronifizierung hatten.

Der Fragebogen erfasst neben Schmerzcharakteristika die Beeinträchtigung im Alltag, Vermeidungsverhalten, Katastrophisierungsgedanken und eine mögliche Angstsymptomatik oder Depression [1].

Die Teilnehmenden wurden in vier Gruppen randomisiert. Eine Gruppe erhielt eine achtwöchige Unterstützung zum biopsychosozialen Selbstmanagement mit acht einstündigen Einzelterminen bei Physiotherapeuten. Inhaltlich umfassten diese Patientenedukation, Bewegungsübungen, verhaltenstherapeutische Elemente und Ermunterung zu sozialen und angenehmen Aktivitäten.

Eine zweite Gruppe erhielt Manipulation der Wirbelsäule durch Physiotherapeuten oder Chiropraktiker in zwei oder mehr 15- bis 20-minütigen Behandlungen. Ergänzende Mobilisation und feuchte Wärme waren erlaubt. Eine dritte Gruppe erhielt beide Therapieansätze zusammen und eine vierte Gruppe wurde leitliniengerecht (NSAR, ggf. Wärme oder Akupunktur) in zwei oder mehr 15- bis 30-minütigen Terminen behandelt. Primäre Endpunkte waren Schmerzintensität und Beeinträchtigung über zwölf Monate gemittelt.

Die Gruppen mit unterstütztem Selbstmanagement alleine und in Kombination mit Wirbelsäulen-Manipulation hatten über zwölf Monate eine statistisch signifikant geringere Beeinträchtigung als die Gruppen mit Wirbelsäulen-Manipulation alleine oder herkömmlicher leitliniengerechter Behandlung. Der Unterschied war allerdings klein, für die Schmerzintensität ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen allen Gruppen.

Limitierend muss betrachtet werden, dass die Behandlungstermine bei der unterstützenden Intervention zum Selbstmanagement deutlich länger waren als bei den Maßnahmen der Manualtherapie. Möglicherweise ist der geringe Unterschied daher auch einfach unspezifisch auf die vermehrte zeitliche Zuwendung zurückzuführen.

Fazit: Ein sehr aufwendiges achtwöchiges Programm mit langen Einzelterminen ergab eine kleine Verbesserung der rückenschmerzbedingten Beeinträchtigung über zwölf Monate im Vergleich zur leitlinienbasierten üblichen Therapie. “Einrenken” erbrachte keine Unterschiede zur üblichen Therapie.

Quelle: Bronfort G et al. Spinal Manipulation and Clinician-Supported Biopsychosocial Self-Management for Acute Back Pain: The PACBACK Randomized Clinical Trial. JAMA. Published online December 29, 2025. doi:10.1001/jama.2025.21990

Literatur: 1. Karstens S et al. Validation of the German version of the STarT-Back Tool (STarT-G): a cohort study with patients from primary care practices. BMC Musculoskelet Disord. 2015 Nov 11;16:346. doi: 10.1186/s12891-015-0806-9


Zufriedenheit nach Medikationsreview

In 22 hausärztlichen Praxen in Bristol und den West Midlands wurde ein interprofessionelles Medikationsreview erprobt. Bei Patientinnen und Patienten mit mehr als fünf Medikamenten führten zunächst die Apothekerinnen und Apotheker eine Überprüfung der Medikation anhand der Patientenakten durch und diskutierten die Ergebnisse mit den Hausärztinnen und Hausärzten.

Daraufhin erfolgte ein Gespräch mit den Patientinnen und Patienten, welches entweder von den Apothekerinnen und Apothekern oder von Hausärztinnen und Hausärzten durchgeführt werden konnte und die Patientinnen und Patienten nach dem Prinzip des Shared Decision Making in Medikationsänderungen einbeziehen sollte.

Die Behandelnden erhielten dazu eine Schulung zum Shared Decision Making, die Patientinnen und Patienten bekamen zur Vorbereitung ein Informationsblatt.

Die Zufriedenheit der beratenen Patientinnen und Patienten wurde mittels einer Befragung, Interviews und durch Auswertung der Tonaufnahmen untersucht. Sie hing dabei von einem tatsächlich umgesetzten Shared Decision Making ab.

Wenn Apothekerinnen und Apotheker die Beratung durchführten, war es für die Patientinnen und Patienten außerdem wichtig, dass diese vorher mit den betreuenden Hausärztinnen und Hausärzten gesprochen hatten. Eine alleinige Beratung durch Apothekerinnen und Apotheker fanden sie schwierig, da sie unter anderem davon ausgingen, dass sie nicht neutral und nicht ausreichend auch zu nichtmedikamentösen Behandlungsoptionen beraten würden.

Fazit: In dieser Studie wünschten sich Patientinnen und Patienten ein Medikationsreview, das ihre Wünsche in einem Shared-Decision-Making-Gespräch berücksichtigte. Außerdem war es ihnen wichtig, dass das Medikationsreview mit den behandelnden Hausärztinnen und Hausärzten besprochen und nicht alleine in der Apotheke durchgeführt wird.

Quelle: Duncan LJ, McCahon D, Caddick B, Parslow RM, Turner K, Chew-Graham CA, Guthrie B, Payne RA. Patients‘ experiences of a patient-centred polypharmacy medication review intervention: a mixed-methods study. Br J Gen Pract. 2026 Jan 1;76(762):e946-e956. doi: 10.3399/BJGP.2025.0052


Überversorgung vermeiden

Was ist Ihre Lieblingsleitlinie? Und warum?

Das ist die S2e-Leitlinie “Schutz vor Über- und Unterversorgung – gemeinsam entscheiden”. Ich finde es fantastisch, dass mit dieser Leitlinie nicht nur darauf geschaut wird, was wir alles machen können, sondern auch, was wir lieber lassen sollten.

Das entspricht für mich der medizinethischen Maxime “Do No Harm”. Weniger machen, um mehr zu erreichen – das wird uns im Studium nicht beigebracht. Es erfordert oft auch Mut. Daher ist es umso wichtiger, solche Entscheidungen gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten zu besprechen, wie es schon im Titel der Leitlinie steht.

Wie würde eine Umsetzung der Empfehlungen die Versorgung verändern?

Dies würde die Versorgung von Patientinnen und Patienten deutlich verbessern. Überversorgung mit unnötigen Untersuchungen und Behandlungen ist in unserem kommerzialisierten Gesundheitssystem leider eine Plage geworden. Darunter leiden Patientinnen und Patienten und außerdem fehlt dadurch das Geld bei wichtigen Aufgaben – etwa bei primärpräventiven Aufgaben wie Ernährungsmedizin, wo momentan Unterversorgung herrscht. Nebenbei könnten wir die hohen CO2-Emissionen des Gesundheitssystems reduzieren. Eine echte Win-win-Situation für alle Beteiligten!

Was wäre nötig, um die Empfehlungen umzusetzen?

Steuerung aus der Gesundheitspolitik und der Selbstverwaltung. Beispielsweise Abrechnungsziffern für ernährungsmedizinische Leistungen oder mehr Ziffern für die Beratung statt nur für die Durchführung von Gesundheitsleistungen. Und auch der Mut und die Überzeugung bei Ärztinnen und Ärzten, dass das Unterlassen von unnötiger Diagnostik und Therapie für das Wohl unserer Patientinnen und Patienten oft die bessere Wahl ist.


 

 

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