Hiermit loggen Sie sich bei DocCheck aus.
Abbrechen

Aus Wissenschaft und ForschungHP 01/26: Die DEGAM informiert

Auf diesen Seiten stellt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) neueste medizinische Erkenntnisse vor, die für den Praxisalltag der Hausärztinnen und Hausärzte relevant sind.

Was tut sich in Wissenschaft und Forschung?

Eigenübungen relevanter als Physiotherapie?

Der Nutzen einer Übungsbehandlung bei Knieschmerzen bei einem degenerativen Meniskusriss ist gut belegt. Insgesamt bleibt aber unklar, wie eine Übungsbehandlung optimal durchgeführt werden kann und über welche Mechanismen eine Physiotherapie hilft. Neben biomechanischen Effekten ist auch ein Effekt durch die Behandlung an sich und Zuwendung zu erwarten.

Eine randomisierte Studie hat daher bei über 800 Personen mit Knieschmerzen untersucht, welche Übungsansätze besser helfen. Erwachsene über 40 Jahre, die Knieschmerzen bei Arthrose und Meniskusruptur hatten, wurden in vier Gruppen randomisiert: Die erste Gruppe erhielt nur Anleitungen zu Eigenübungen (Flyer und Videoanleitungen), die 100 Minuten/ Woche durchgeführt werden sollten; die zweite Gruppe erhielt zusätzliche SMS-Erinnerungen. Die dritte Gruppe erhielt zusätzlich eine Placebo-Physiotherapie, in der Physiotherapeuten Anwendungen ohne biomechanischen oder medizinischen Nutzen vornahmen (zum Beispiel Applikation wirkstofffreier Creme ohne Druck), die vierte Gruppe erhielt eine Standard-Physiotherapie mit manueller Therapie und individueller Anleitung zu den Übungen.

Der primäre Endpunkt war ein Knieschmerz-Score, der von 0 bis 100 reicht (je höher, desto mehr Beschwerden). Alle Gruppen hatten nach zwölf Wochen einen Rückgang des Scores um 17–20 Punkte. Dabei ergaben sich nur minimale Unterschiede zwischen den Gruppen. Sowohl die Standard- als auch die Placebo-Physiotherapie hatten eine etwas größere Besserung (Differenz 2–3 Punkte), die klinisch als nicht relevant eingeschätzt wurde.

Auch mit gesundem Menschenverstand ist zu vermuten, dass die regelmäßige Umsetzung von Übungen im Alltag entscheidender für den Therapieerfolg ist als eine wöchentliche Physiotherapie. Erstaunlich ist dennoch, dass eine Physiotherapie weder zu besserem Therapieerfolg noch zu einer relevanten Erhöhung der Adhärenz zu Eigenübungen geführt hat.

Dabei ist zu beachten, dass die Adhärenz zu den Heimübungen mit circa 80 Prozent insgesamt relativ hoch war – sicher durch das Studiensetting bedingt. Außerdem waren die Physiotherapiesitzungen der Studie mit 30 Minuten kürzer als Behandlungen in Deutschland.

Fazit: In dieser Studie zeigen weder Textnachrichten noch eine ergänzende Physiotherapie einen Zusatznutzen zu Bewegungsübungen, die allein zu Hause durchgeführt werden sollten. Außerhalb eines Studiensettings ist eine geringere Adhärenz zu Eigenübungen zu vermuten. Wie dann optimal zu Eigenübungen motiviert werden kann, bleibt unklar.

Katz JN et al. A Randomized Trial of Physical Therapy for Meniscal Tear and Knee Pain. N Engl J Med. 2025 Oct 30;393(17):1694-1703. doi: 10.1056/NEJMoa2503385. PMID: 41160820.

Interviewstudie zu GLP-1-Agonisten

Hausärztinnen und Hausärzte sind primäre Ansprechpersonen für Menschen mit Adipositas. Eine Interviewstudie in Großbritannien hat deshalb die hausärztliche Perspektive auf die Therapie mit GLP-1-Agonisten erfasst. Zum Zeitpunkt der Befragung war die Therapie in Großbritannien in hausärztlichen Praxen noch nicht verfügbar. Eine hausärztliche Verordnung war aber in Planung und es sollte erhoben werden, was aus hausärztlicher Perspektive berücksichtigt werden muss.

In den Interviews wurden sehr unterschiedliche Überlegungen deutlich: Zum einen begrüßten es viele Befragte, eine effektivere Therapie zur Behandlung der Adipositas anbieten zu können. Es wurden andererseits Bedenken geäußert, ob finanzielle und personelle Ressourcen ausreichen, den großen Bedarf zu decken.

Auch äußerten Befragte die Sorge, dass die Ursachen von Übergewicht, vor allem soziale Determinanten und Lebensstil, nicht ausreichend beachtet werden und eine allzu vereinfachte Sicht auf das Gesamtproblem eingenommen wird.

Ein weiteres großes Problem sahen die Befragten darin, dass Verordnungsbestimmungen, die nur einem Teil der Betroffenen die Therapie ermöglichen, die Arzt-Patienten-Beziehung belasten können. Befragte berichten, dass Betroffene sehr hartnäckig versuchen, eine Verordnung zu erwirken und zum Beispiel auf eine Diabetes-Diagnose drängen, um die Medikation zu erhalten.

Fazit: Die Interviewstudie erhebt, welche Einstellungen und Sorgen britische Hausärztinnen und Hausärzte im Umgang mit GLP-1-Rezeptoragonisten haben, die für eine begrenzte Gruppe von Betroffenen hausärztlich verordenbar werden soll. Deutlich wird der Konflikt, einzelnen Betroffenen helfen zu wollen, aber gleichzeitig eine Perspektive auf die Gesamtgesellschaft und verursachende Probleme zu behalten.

Keating S et al. GPs‘ perspectives on GLP-1RAs for obesity management: a qualitative study in England. Br J Gen Pract. 2025 Oct 30;75(760):e759-e767. doi: 10.3399/BJGP.2025.0065. PMID: 40628416.

Best of Leitlinien

mit Lisa Degener, Allgemeinärztin in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in Altenberge bei Münster. Als Sprecherin des Arbeitskreises Hausärztliche Pädiatrie der DEGAM arbeitete sie zusammen mit ihrer Kollegin Dr. Kerstin Barlet an der “Fieberleitlinie” mit. Sie ist stellvertretende Sprecherin der DEGAM-Sektion Hausärztliche Praxis.

Welche Leitlinienempfehlung mögen Sie am liebsten?

Die Empfehlung lautet: “Bezugspersonen sollten über Fieber als normale und meistens hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers im Umgang mit Krankheitserregern aufgeklärt werden.” Sie stammt aus der S3-Leitlinie “Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen”, die im Sommer 2025 unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin von 16 Fachgesellschaften, Berufsverbänden und Patientenvertretungen verabschiedet wurde. Sie behandelt die Versorgung von akut auftretendem Fieber bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen im ambulanten Setting. Auch die DEGAM war an der Erarbeitung der Leitlinie beteiligt.

Warum ist diese Leitlinie wichtig?

Die Leitlinie räumt mit einer ganzen Reihe von Mythen um das Thema Fieber auf, die zum Teil auch noch innerhalb der Ärzteschaft grassieren.

Zum Beispiel, dass Fieber über 39,5°C bei Kindern unbedingt gesenkt werden müsse und dass Fieberkrämpfe durch antipyretische Medikamente schon bei leichtem Fieber verhindert werden könnten und sollten.

In dieser Leitlinie werden diese Mythen mit umfangreicher wissenschaftlicher Recherche widerlegt und sehr praxisnahe Empfehlungen zum Umgang mit fiebernden Kindern und Jugendlichen gegeben.

Was ist die praktische Relevanz dieser Leitlinie?

Das Verständnis von Fieber als wichtige körpereigene Ressource zur Bekämpfung von Infektionen ist die Grundlage für eine größere Zurückhaltung in der Gabe von Antipyretika und auch Antibiotika. Mit der gründlichen körperlichen Untersuchung der erkrankten Kinder sollen schwere Erkrankungen ausgeschlossen, die häufig beunruhigten Eltern auf Grundlage der Empfehlungen beraten und möglichst in ihrer Sorge entlastet werden.

Fieber muss nicht per se gesenkt werden und die Höhe des Fiebers korreliert nicht mit der Schwere der Erkrankung. Antipyretika sind nur erforderlich, um Begleitsymptome der fieberhaften Erkrankung wie Schmerzen und Unruhe zu lindern.

E-Mail-Adresse vergessen? Schreiben Sie uns.
Passwort vergessen? Sie können es zurücksetzen.
Nur wenn Sie sich sicher sind.

Sie haben noch kein Passwort?

Gleich registrieren ...

Für Hausärztinnen und Hausärzte, Praxismitarbeitende und ÄiW (Allgemeinmedizin und Innere Medizin mit hausärztlichem Schwerpunkt) ist der Zugang immer kostenfrei.

Mitglieder der Landesverbände im Hausärztinnen- und Hausärzteverband profitieren außerdem von zahlreichen Extras.

Hier erfolgt die Registrierung für das Portal und den Newsletter.


Persönliche Daten

Ihr Beruf

Legitimation

Die Registrierung steht exklusiv ausgewählten Fachkreisen zur Verfügung. Damit Ihr Zugang freigeschaltet werden kann, bitten wir Sie, sich entweder mittels Ihrer EFN zu legitimieren oder einen geeigneten Berufsnachweis hochzuladen.

Einen Berufsnachweis benötigen wir zur Prüfung, wenn Sie sich nicht mittels EFN autorisieren können oder wollen.
(max. 5 Dateien; PDF, JPG, PNG oder TIF)

Mitglied im Hausärzteverband
Mitglieder erhalten Zugriff auf weitere Inhalte und Tools.
Mit der Registrierung als Mitglied im Hausärzteverband stimmen Sie zu, dass wir Ihre Mitgliedschaft überprüfen.

Newsletter
Sie stimmen zu, dass wir Ihre E-Mail-Adresse für diesen Zweck an unseren Dienstleister Mailjet übermitteln dürfen. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen.

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.
Newsletter abbestellen

Wenn Sie den Newsletter abbestellen wollen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an und wählen Sie die gewünschte Funktion. Wir senden Ihnen dann eine E-Mail zur Bestätigung.