© Ernst Leiste Alte Schätze“ im Museo do Douro in Régua.
“Und im Museo do Douro in Peso da Régua können Sie noch einen speziellen Holzkarton bewundern, in dem die edlen Tropfen für Winston Churchill “auf Reise” gingen”, erzählt er weiter.
Von Ferradosa aus geht es dann in das Herz der Weinregion hoch hinaus nach São Salvador do Mundo. Der Blick von hier oben ins Douro-Tal und die nicht enden wollenden Weinterrassen, die ab und zu von weiß gestrichenen Quintas unterbrochen werden, lässt einen schnell verstehen, warum die UNESCO das Gebiet “geadelt” hat.
Und zum Tagesausklang gibt es in der Quinta do Tedo ein Schlückchen “Tawny” oder “Ruby” – so heißen die hochprozentigen Portweinsorten – zu probieren. In dem familiengeführten Weingut aus dem 18. Jahrhundert werden die Weintrauben – wie traditionell in fast allen Quintas des Alto Douro – nach der Lese noch in großen flachen Granit- oder Betonbecken mit – versteht sich – gut gewaschenen Füßen gestampft.
“So werden die Kerne der Weintrauben, die Bitterstoffe enthalten und den Weingeschmack verfälschen würden, nicht zerquetscht”, erfahren wir von unserer lokalen Reiseleiterin.
Der Streit um die Entstehung des Portweins
Dann erzählt sie uns noch von dem Streit, der um die Entstehung des Portweins entbrannt ist. “Anders als behauptet wird, sind nicht die Engländer, sondern hiesige Mönche die Erfinder dieser “edlen Tropfen”. Schon im 13. Jahrhundert gab es nämlich im Douro-Tal mit dem “Vinho de Lamego” einen Vorgänger des Portweins”, betont sie mit Nachdruck.
In der Tat experimentierten bereits im Mittelalter portugiesische Mönche nachweislich auch mit dem Haltbarmachen von Wein, indem sie “Aguardente” (Weinbrand) – allerdings meist nach der Gärung – zusetzten, um ihn haltbarer zu machen. Aber auch die Engländer, die bereits im 17./18. Jahrhundert das Weintrinken überaus schätzten, reklamieren die Erfindung des Portweins für sich.
Mal wieder im Konflikt mit den Bourbonen suchten sie nach Alternativen zu französischen Tropfen, und gaben den Weinen aus Portugal, die auf den langen Schiffsreisen nach England schnell verdarben, bereits bei der Gärung Branntwein zu.
So blieb die gewünschte Restsüße erhalten, zudem war Portwein mit um die 20 Prozent Alkoholgehalt deutlich stärker und entwickelte sich rasch zu einem wahren Verkaufsschlager. Viele englische Familien, wie etwa die Taylor’s, Graham’s oder Croft‘s, gründeten große Portweinhäuser in Porto bzw. Vila Nova de Gaia und profitierten so von der Trinkfreude ihrer Landsleute.
Unzählige Motive aus dem Weinbau gibt es am nächsten Morgen noch im Bahnhof von Pinhão auf kunstvoll bemalten Azulejo-Kacheln zu bewundern. Bevor es dann von Vega de Terrón wieder zurück nach Porto geht, erwartet uns noch eine besondere Zugabe, denn von dort aus ist eine der schönsten Städte Spaniens, Salamanca, nur knapp 2 Stunden Busfahrt entfernt.
In der Stadt in der kastilischen Hochebene, in der sich schon die Römer und die Mauren wohlfühlten und die von der UNESCO 1988 zum Weltkulturerbe erhoben wurde, sind u.a. die Plaza Mayor, eine der ältesten Universitäten Europas, an der im Mittelalter bereits 6.000 Studenten eingeschrieben waren, und die miteinander verbundenen Alte und Neue Kathedrale zu bewundern.
Der “Schwarze Don” von Sandeman
Als wir mit unserem Schiff auf der Rückfahrt an Régua vorbeifahren, winkt uns – quasi zum Abschied – von einem Hügel nochmals der riesengroße “Schwarze Don” von Sandeman zu. Der junge Schotte George Sandeman hatte das gleichnamige Unternehmen mit viel Leidenschaft für Wein im Jahr 1790 gegründet und sich als eine der ersten Firmen in der Weinindustrie, auf den Verkauf von Flaschenwein spezialisiert.
© Ernst Leiste Der "Schwarze Don" von Sandeman grüßt vom Weingut Quinta do Seixo, nahe Régua.
Auch das bereits 1928 entworfene Firmenlogo des “Don”, einer geheimnisvollen Figur mit einem schwarzen Cape und einem breiten Hut, ist bis heute ein durchschlagender Erfolg. Der schwarze Umhang des Logos steht für den spanischen Sherry, während der breite Hut den portugiesischen Ursprung des Portweins repräsentiert.
Zum Sande-man-Imperium gehören heute neben einem riesigen Weinkeller in Vila Nova de Gaia, das 70 Hektar große, im 17. Jahrhundert gegründete Weingut Quinta do Seixo, nahe Régua, und die Sherry Wine Bodegas im südspanischen Jerez de la Frontera.
Und am Ende der Reise in Sichtweite von Porto, im kleinen Örtchen Afurada, in dem es außer vielen Fischlokalen mit Holzkohlengrills noch ein öffentliches Waschhaus gibt, erwarten uns noch zwei außergewöhnliche Zugaben, die nicht nur Ornithologen und Geologen begeistern dürften. Zunächst sind im weitläufigen Vogelschutzgebiet Reserva Natural Local do Estuário do Douro, nahe der Douro-Mündung in den Atlantik, Heerscharen von seltenen Spezies zu beobachten.
“Hier befindet sich der nördlichste Punkt auf der Iberischen Halbinsel, an dem noch Flamingos anzutreffen sind”, erzählt uns nicht ohne Stolz der Ranger des Vogelparks. “Wir haben hier dieses Jahr bereits 177 Flamingos auf einmal gezählt. Sie machen den langen Weg von der Camargue durch die Straße von Gibraltar hierher und überwintern inzwischen in der nur gut 50 km südlich liegenden Lagune von Aveiro”, erfahren wir weiter.
Ein paar Schritte weiter am Atlantik staunen wir dann über die wild zerklüftete Felsküste der Praia de Lavadores. An dem etwa zwei Kilometer langen Strand gibt es nämlich einen außergewöhnlichen Reichtum an etwa 300 Millionen Jahren alten Granitfelsen zu bewundern, der Geologen aus aller Welt anlockt. Und auf mehreren Infotafeln kann auch der Laie mehr über diese urzeitlichen Gesteinsformationen erfahren.
Infos
Beste Reisezeit: April/Mai bzw. September/Oktober
Anreise: Direktflüge nach Porto von vielen deutschen Flughäfen
Kreuzfahrten ab Porto mit verschiedenen deutschsprachigen Reiseveranstaltern u.a. Phoenix-Reisen, Nicko Cruises, A-Rosa
Zugfahrt mit der Linha do Douro auf einer der schönsten Bahntrassen Europas von Porto nach Peso da Régua und Pinhão