© Heidrun Lange Fischexperte Werner Dautner erklärt die erfolgreiche Wiederansiedlung der Lachse.
Mit zwei Jahren werden die Fische in die Murg entlassen. Klein, verletzlich, kaum länger als eine Hand. Ihr Ziel ist der Rhein, die Nordsee, dann der weite Atlantik. Nur ein winziger Bruchteil kehrt Jahre später zurück. Reiher lauern in den Flachwasserzonen, Kormorane und andere Raubvögel stoßen pfeilschnell ins Wasser und holen sich die Leckerbissen.
Haie jagen die Kleinen im Atlantik. Die Überlebenden haben eine unsichtbare Orientierungshilfe. Wie ein innerer Kompass lenkt der Erdmagnetismus ihren Weg durch das weite Delta von der Nordsee in den Rhein, bis sie endlich den vertrauten Duft ihrer Kinderstube riechen.
Lachserlebnispfad klärt auf
Wer dieses Naturphänomen erkunden möchte, muss nicht in die Nordsee tauchen. Der 15 Kilometer lange Lachserlebnispfad führt direkt hinein in die Geschichte der Rückkehrer. Er startet in Rastatt an der Badener Brücke und schlängelt sich in mehreren Etappen entlang des Flusses. An den Beobachtungsstationen lässt sich der Lebensraum aus nächster Nähe betrachten.
An einer Station schmunzeln die Eltern. Ihr Sohn tapst aufgeregt zwischen den Planken, presst die Nase gegen eine Plexiglasscheibe, hinter der Laichplätze nachgebildet sind.
Spielerisch soll er erraten, ob Namen wie “Rotzkopf”, “Nase” oder “Steinbeißer” tatsächlich zu Fischen der Murg gehören. Neugierig liest er die Infos, drückt wieder das Gesicht an die Scheibe. Ein Beispiel dafür, wie anschaulich der Pfad das Leben der Tiere vermittelt – für Groß und Klein.
Doch der Blick über die Planken hinaus zeigt, dass die Murg viele Gesichter hat. In Gernsbach fließt die Murg ruhig und gemächlich durch die mittelalterliche Stadt. Früher war das anders.
Schautafeln erzählen von der Zeit der Flößerei, als Murgschiffer Baumstämme zu riesigen Flößen banden und sie bis nach Holland trieben. “Das war Knochenarbeit”, sagt Bernd Kraft, der im Museum in Hörden die Geschichte bewahrt. Heute lebt sie bei den Altstadtfesten wieder auf. Vereine stellen Floßfahrten und Fischerstechen nach, und am Ufer jubeln die Zuschauer dem Spektakel zu.
Mit dem Fischlift nach oben
Weiter flussaufwärts, in Forbach am Rand des Nationalparks, zeigt sich die Murg von ihrer ungebändigten Seite. Hier ist Anke Hille fast jeden Morgen unterwegs. Die Vorsitzende des Forbacher Angelsportvereins streift durch den Wald und beobachtet auf ihren Wegen, wie sich der Fluss nach den vielen ökologischen Veränderungen entwickelt und seine Lebendigkeit wieder bekommt.” “Hören Sie das?” Von oben stürzt die Murg mit Wucht über gewaltige Felsbrocken.
© Heidrun Lange Fischlift am Niederdruckwerk Forbach: Fische orientieren sich auf ihren Wanderwegen an der größten Strömung. Deshalb finden sie den Schwimmkolben nur, wenn er ausreichend von Wasser durchflossen wird.
An einer alten Steinbrücke am Ufer schneidet eine Betonrinne das Wasser. Lachse sind zwar sehr gute Schwimmer, aber die 13 Höhenmeter, die sie und die anderen Fische überwinden müssten, schaffen sie nicht mal mit Hilfe einer Fischtreppe. Anke Hille zeigt auf ein Bauwerk aus Holz und Beton: “Ein Fischlift wurde gebaut.”
Wie Fahrgäste stellen sich die Fische an, gleiten in eine Kammer, die sich schließt. Das Wasser steigt, die Kammer hebt sich und nach einer kurzen Reise öffnet sich die Klappe. Der Weg flussaufwärts ist frei. Am Ufer steht Johannes, Fliegenfischer seit Kindertagen.
Mit elegantem Schwung wirft er die Leine aus. “Die Murg ist das anspruchsvollste Wildwasser Deutschlands”, sagt er. “Und die Fische kehren zurück. Wenn der Lachs hier ankommt, wird er den Lift nehmen.”
Auch kulinarisch ein Highlight
Später, in Baiersbronn, gibt es eine kulinarische Kostprobe. Kein Lachs aus der Murg, dafür Lachsforelle aus der Aufzuchtstation Altensteig. In der Küche des ehemaligen Klosters, heute Gutshof Waldknechtshof, bereitet der Koch Abdefouahed Kanniche das Filet zu.
Er würzt nur mit Salz, Pfeffer und einem Spritzer Zitrone. Mehr braucht es nicht. “Und schmeckt’s?” fragt er. Ja, es schmeckt. Schlicht, unverfälscht, bestimmt fast wie damals, als im Schloss Rastatt der Lachs ähnlich zubereitet wurde.
Weitere Informationen
Für detaillierte Informationen und Karten gibt es die offizielle Website des Lachserlebnispfades www.schwarzwald-tourismus.info
Unterwegs können Besucher mittels QR-Codes zusätzliche Informationen abrufen, darunter auch Kurzfilme, die die Murg aus der Vogelperspektive zeigen. www.lachserlebnis-murg.de
Lachszucht Wolftal: www.wolftal.de/sehenswert/lachszucht-wolftal
Beste Reisezeit: Frühjahr und Herbst – wenn das Wasser lebendiger rauscht
Tipp: Am Altstadtfest in Gernsbach Floßfahrten erleben. (jedes Jahr in der 3. Septemberwoche)