Immer öfter werden auch hausärztliche Teams mit verbalen Übergriffen oder gar tätlicher Gewalt konfrontiert. Das lässt sich zwar nicht vermeiden – doch können deutliche Hürden potenzielle Täter abschrecken. Hausarzt Veit-Simon Eckle gibt einen Einblick in seine umfangreichen Maßnahmen zum Schutz seines Teams.
Bedrohungen in Arztpraxen können durch technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen reduziert werden (Symbolbild).
Verbale Beleidigungen, Beschimpfungen und Androhung von körperlicher Gewalt haben leider viele Kolleginnen und Kollegen in der eigenen Praxis schon einmal erfahren. Laut einer Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sind über 80 Prozent der Befragten davon betroffen [1].
Traurige Beispiele sind ein Hausarzt in Offenburg, der 2018 in seiner Praxis von einem Patienten erstochen wurde, oder ein Hausarzt aus Spenge, der vergangenes Jahr in seinen Praxisräumen krankenhausreif geschlagen wurde [2]. Angehörige und Teams der betroffenen Praxen leiden unter solchen Ereignissen mitunter dauerhaft.
Gewaltszenarien sind leider nicht zu vermeiden. Jedoch können Bedrohungen und eine Eskalation von Gewalt in Arztpraxen durch technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen reduziert werden. In meiner Praxis habe ich hierzu nach und nach verschiedene Bausteine umgesetzt.
Alarmknopf und Videokamera
Die Installation eines Alarmknopfes in der Praxis hilft, alle Teammitglieder über eine Bedrohungslage zu informieren. Der akustische Alarm weist zudem den Täter darauf hin, dass eine rote Linie überschritten wurde. Zudem werden zusätzlich andere Personen, die möglicherweise gerade im Wartezimmer sitzen, alarmiert und können zusätzlich das Praxisteam schützen.
In unserer Praxis sind die Knöpfe zum Auslösen dort angebracht, wo Medizinische Fachangestellte (MFA) mitunter alleine mit Patienten sind: im Anmeldebereich sowie im Labor, wo Blutentnahmen stattfinden.
Weiterhin wurde der Personalraum so gestaltet, dass er von außen nur mit einem Schlüssel geöffnet werden kann. In einer Bedrohungslage kann dieser so als Schutzraum genutzt werden. Vorsorglich ist an der Anmeldung ein Schlüssel zusätzlich hinterlegt.
An der Anmeldung sind weiterhin Plexiglasscheiben installiert. Diese sind aus infektiologischen Gründen sinnvoll, zusätzlich können sie als Spuckschutz dienen und bilden eine Barriere, um das gezielte Werfen mit Gegenständen in Richtung Mitarbeiterinnen an der Anmeldung zu erschweren.
Ebenfalls ist der Eingangsbereich heikel, da das Praxisteam außerhalb der Öffnungszeiten nicht erkennen kann, wer an der Tür klopft. Daher wurde nach Einverständnis mit dem Vermieter eine Kamera im Eingangsbereich installiert. Das Praxisteam kann so über einen Bildschirm an der Anmeldung einfach erkennen, wer vor der Tür im Treppenhaus steht.
Wichtig in der Praxis: Auf die Videoüberwachung muss hingewiesen werden. Hierfür stelle ich einen Muster-Aushang bereit (s. Kasten oben). Dieser hängt in unserer Praxis im Wartebereich sowie in der Nähe der angebrachten Videokamera.
Musik im Anmeldungsbereich und im Wartezimmer soll zum Datenschutz beitragen und unbefugtes Mithören durch neugierige, unbeteiligte Patienten vermindern.
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