München. Die Initiierung einer lipidsenkenden Therapie wird in der Allgemeinmedizin kontrovers diskutiert. Die hausärztliche Medizin agiert hier zurückhaltender, als die strikten Zielwertvorgaben vieler spezialisierter Fachgesellschaften dies apodiktisch fordern. Am Samstagvormittag (29. August) wurden in der zweiten Hot-Line-Session auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) die Ergebnisse der industrieunabhängigen STARREE-Studie vorgestellt.
Untersucht wurde, ob ältere Patientinnen und Patienten ohne kardiovaskuläre Grunderkrankung, Diabetes oder Demenz von der Initiierung einer Statin-Therapie profitieren können.
Formal passt das ins grobe Raster einer ‚Primärprävention‘. Eine Einteilung, von der sich die kardiovaskulär spezialisierte Medizin – wie dieser Tage in München – zu verabschieden versucht. An deren Stelle tritt sukzessive das Konzept eines ‚kardiovaskulären Kontinuums‘, nach dessen Verständnis sich der Gefäßzustand von der Geburt bis zum Tod kontinuierlich verschlechtert und Herzinfarkte oder Schlaganfälle daher ‚nur‘ als Manifestationen dieser progredienten Gefäßerkrankung zu verstehen sind.
Die fast sechsjährige Beobachtungszeit von STARREE zeigte eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse um 30 Prozent. Die Nebenwirkungen lagen auf Placebo-Niveau. Eine Verlängerung eines behinderungs- oder demenz-freien Überlebens konnte die Studie hingegen nicht zeigen. Taugt die Untersuchung daher zur Inspiration?
Unser KI-gestützter Podcast ordnet die STARREE-Ergebnisse gleich aus mehreren Blickwinkeln ein. Allgemeinmediziner Dr. Dierk Heimann fühlt sich als Hausarzt einer holistisch-pragmatischen Medizin verbunden, kann als Lipidologe (DGFL) und „Ex-Patient“ aber auch die gegenüberliegende Sichtweise gut nachvollziehen. Der Podcast versucht daher einen Brückenschlag und plädiert für eine individualisiert-differenzierte Einzelfallentscheidung – vor dem Hintergrund der oft zu beobachten Polypharmazie im Alter und einer häufig reduzierten Adhärenz.
Parallele Publikation: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2607314?query=featured_home
