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GesundheitspolitikKrankenkassen: Lange Ausfälle sind größte Kostentreiber

Die schwarz-rote Koalition will Krankschreibungen erschweren. Doch Daten der Betriebskrankenkassen legen nahe, dass die Maßnahmen am eigentlichen Kostentreiber vorbeigehen.

Häufigster Grund für eine AU waren 2025 Atemwegskrankheiten - die wegen ihrer kurzen Dauer finanziell aber kaum ins Gewicht fallen.

Berlin. Eine Analyse des BKK Dachverbandes der Betriebskrankenkassen zu Krankschreibungen hat ergeben, dass nicht kurze Erkältungen, sondern lange schwere Krankheiten die großen Kostentreiber für gesetzliche Krankenversicherungen sind. “Es sind die langen, oft Muskel-Skelett und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden”, sagte Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes.

Das Krankengeld – das erst ab dem 43. Krankheitstag gezahlt wird und damit vor allem Menschen mit langwierigen Erkrankungen betrifft – zähle inzwischen mit 21,6 Milliarden Euro zu den größten Ausgabepositionen der gesetzlichen Krankenversicherung überhaupt, so die BKK. 2025 entfielen demnach mehr als ein Viertel aller Fehltage auf den Bezug von Krankengeld. Die Krankengeldtage seien in den vergangenen zehn Jahren um 24,4 Prozent gestiegen.

Klemm: Brauchen Präventionsstrategien

Haupttreiber seien psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Leiden. Zwar machten psychische Erkrankungen nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, im Schnitt dauerten sie jedoch mehr als fünf Wochen an – mit steigender Tendenz.

Klemm fordert deswegen eine ernsthafte Debatte über Präventionsstrategien: “Wir beobachten den Trend der psychischen Belastungen in der Arbeitswelt schon lange. Diese Rechnung zahlen wir sonst noch viele Jahre weiter – und hinter jeder steht das lange Leiden einer betroffenen Person.”

Der Krankenstand insgesamt blieb 2025 mit 6,1 Prozent stabil. Häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit seien Atemwegserkrankungen gewesen, die wegen ihrer kurzen Dauer aber laut BKK finanziell kaum ins Gewicht fallen.

Koalition will strengere Regeln bei Krankschreibungen

Die schwarz-rote Koalition hatte vor einigen Tagen angekündigt, die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf den ersten Krankheitstag vorziehen zu wollen und die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung abzuschaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begründete die Pläne damit, dass der Krankenstand gesenkt werden solle.

Auch der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hatte die Pläne scharf kritisiert. Die Reformpläne zur Krankschreibung bezeichnete der Verband als „absolute Katastrophe“, da „ohne jegliche Evidenz die komplette Überlastung unserer Praxen billigend in Kauf“ genommen werde. Bundesvorsitzende Prof. Nicola Buhlinger-Göpfarth sprach vom „bürokratischen Super-GAU“ für die Praxisteams.

Quelle: dpa/red

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