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GKV-SpargesetzBundestag räumt mehr Zeit für Beratung ein

Das GKV-Spargesetz würde Hausarztpraxen empfindlich treffen, hebt der Hausärztinnen- und Hausärzteverband in seiner aktuellen Stellungnahme hervor. Die Politik sagt zu, diese "sorgfältig" zu prüfen - und verschiebt die nächste Befassung mit dem Gesetz in den Juli. Die Proteste der Praxen dauern unterdessen an.

Mit großen Plakaten machen Praxen aktuell auf die Folgen des geplanten GKV-Spargesetzes auf die Versorgung aufmerksam.

Berlin. Vom stark kritisierten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, auch GKV-Spargesetz, wären insbesondere Hausarztpraxen „von mehreren (geplanten) Maßnahmen gleichzeitig erheblich nachteilig betroffen“. Das hebt der Hausärztinnen- und Hausärzteverband (HÄV) in seiner am Donnerstag (18. Juni) veröffentlichten Stellungnahme hervor, mit der er sich ins parlamentarische Verfahren einbringt.

Quasi zeitgleich ist am Donnerstag bekanntgeworden, dass das Gesetz nicht wie zuletzt geplant am 26. Juni, sondern wohl erst am 10. Juli erneut in den Bundestag gehen soll. „Gute Gesetzgebung braucht Gründlichkeit“, erklärte Bundestagsabgeordneter Dr. Christos Pantazis (SPD) hierzu. In der ersten Lesung im Bundestag, in der das Gesetz abermals scharf kritisiert wurde, hatten die Regierungsfraktionen mögliche Änderungen anklingen lassen.

Aktuell sind die ärztlichen Verbände aufgerufen, Stellung zu nehmen; am Montag (22. Juni) ist die öffentliche Anhörung geplant. Die Ergebnisse dieser seien „umfassend auszuwerten und die dort vorgetragenen Hinweise und Argumente sorgfältig in die weiteren Beratungen einzubeziehen“, so Pantazis.

Hausärzte kritisieren “Fehlanreize” für geplantes Primärversorgungssystem

Insbesondere vor dem Hintergrund des geplanten Primärversorgungssystems, das im Koalitionsvertrag verankert ist, „würden in Gestalt mehrerer Neuregelungen Fehlanreize gesetzt“, unterstreicht der HÄV in seiner Stellungnahme.

Vor allem an zwei Stellen sieht der Verband Korrekturbedarf: Der vorgesehene „HZV-Wachstumsabschlag“ stehe „im deutlichen Widerspruch zu der Ankündigung, ein zukunftsorientiertes und funktionierendes Primärversorgungssystem zu etablieren“. Auch die Fixkostendegression bei der haus- und kinderärztlichen Vergütung bei Mengenausweitung im Zusammenhang mit der Entbudgetierung im Kollektivvertrag sei besonders kritisch zu sehen.

Regierung wischt Anmerkungen des Bundesrats weitestgehend vom Tisch

Auch der Gesundheitsausschuss des Bundesrats hatte konkreten Korrekturbedarf angemahnt, der Bundesrat war dessen Empfehlung gefolgt. Das hat die Bundesregierung am Donnerstag (18. Juni) jedoch in weiten Teilen abgeschmettert. Mit den weitreichenden Anpassungen würde “das Grundanliegen des Gesetzentwurfs vereitelt”, heißt es in der offiziellen Gegenäußerung, die der Redaktion von “Hausärztliche Praxis” vorliegt.

Zwar sagt die Regierung Bereitschaft zu, einzelne Vorhaben erneut zu “prüfen”; die aus hausärztlicher Sicht drängendsten Punkte werden hierbei jedoch nicht explizit erwähnt. Am Fixkostendegressionsabschlag in der HZV will die Regierung dem Beschluss zufolge festhalten.

Breite Protestaktionen – abgesperrte Stühle im Wartezimmer

Dass dies erhebliche Folgen für die Versorgung hätte, unterstreichen HÄV und Landesverbände aktuell in bundesweiten Protestaktionen. Sie betonen darin die Notwendigkeit, am Gesetzentwurf noch einmal nachzubessern.

„Die Zeit, um noch etwas zu erreichen, ist extrem kurz“, hat der Landesverband Westfalen-Lippe am Donnerstag (18. Juni) in seinem Newsletter abermals um Unterstützung geworben. Jede Stimme zähle.

In Westfalen-Lippe, aber auch in anderen Landesverbänden, sperren Praxen aktuell einzelne Stühle in ihren Wartezimmern ab, um die Auswirkungen auf die Versorgung deutlich zu machen. Bilder hiervon kursieren in verschiedenen sozialen Netzwerken.

Auch die KV Berlin hat am Donnerstag (18. Juni) erneut auf das “verheerende Ausmaß” der geplanten Gesetzgebung hingewiesen: Einer aktuellen Umfrage zufolge denkt fast die Hälfte der teilnehmenden Praxen über eine Schließung nach, sofern das Gesetz in vorliegender Fassung beschlossen würde. Zehn Prozent wollen diesen Schritt “sicher” gehen.

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