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HIT-KongressHoffnung auf weniger Bürokratie durch KI

In Köln findet aktuell der erste Hausärztliche IT-Kongress statt. Anbieter von PVS, TI und KI-Lösungen steigen gegeneinander in den Ring - stilecht mit Boxhandschuhen und Punktrichtern. Den Auftakt machte neben zahlreichen Einblicken in die Praxis die Forschung. Das Fazit: KI kann das Praxisteam entlasten – doch noch ist nicht alles Gold, was glänzt.

Eröffnung des HIT-Kongresses (von links): Dr. Nicolas Kahl, Moritz Eckert, Nadine Emonds.

Köln. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Praxisalltag kann helfen, die Arbeitszeit von Medizinischen Fachangestellten (MFA) zielgerichteter einzusetzen, Praxisteams von bürokratischen Aufgaben zu entlasten – und damit auch mögliche temporäre Personalengpässe abzufedern. So habe eine Beobachtungsstudie in einem MVZ-Verbund beispielsweise gezeigt, dass die Burnout-Rate des Praxispersonals um 50  Prozent sinken könne, indem KI entlastend eingesetzt wird, gab Prof. Aldo Faisal, Professor für Digital Health an der Universität Bayreuth sowie am Imperial College London, einen Blick in seine Studien.

Faisal eröffnete am Freitagvormittag (13. März) den ersten Hausärztlichen IT-Kongress (HIT-Kongress) in Köln. In verschiedenen Gesprächsrunden unterstrichen auch Hausärztinnen und Hausärzte das Potenzial von KI zum effektiveren Personaleinsatz, betonten dabei jedoch unisono die finale Verantwortung des Hausarztes. So warnte Faisal – gerade mit Blick auf einen Einsatz in der Diagnostik – vor einer “KI-Hörigkeit”. Dr. Kristina Spöhrer, Sprecherin der AG Digitales im Hausärztinnen- und Hausärzteverband (HÄV), mahnte in einer anderen Session, Effekte von KI auf die Versorgung “kritisch zu hinterfragen”.

Mit Blick auf die Praxis betonte auch Dr. Jens Grothues, Hausarzt in Beverungen, die Notwendigkeit des “Human Oversight”. Kollege Prof. Wolfgang von Meißner nannte das in einer Talk-Runde „Human in the Loop“: In seiner Praxis verbuchte er noch vor rund eineinhalb Jahren rund 1000 Anrufversuche am Montagmorgen bei zehn ärztlichen Köpfen im Team, rund 200 seien durchgekommen. Heute sei das Telefon komplett abgeschaltet und durch einen KI-Bot ersetzt. Dieser bereite etwa Rezeptwünsche komplett vor, jedoch müsse stets eine MFA mit einem Klick prüfen und bestätigen, bevor es an ihn geht.

Stilecht mit Boxhandschuhen und Ringrichtern

In verschiedenen Talk-Runden geben Hausärztinnen und Hausärzte am Freitag und Samstag (13. und 14. März) eben solche Einblicke in ihre Praxis-IT, sprechen über Anbieterwechsel und geben sich gegenseitig konkrete Tipps rund um Praxisverwaltungssysteme (PVS) und Telematik-Infrastruktur (TI). Die Vernetzung und der Austausch untereinander seien dabei ein hohes Gut, so die einhellige Meinung. Schon heute hat man sich daher zu einer zweiten Ausgabe des HIT-Kongresses im kommenden Jahr verabredet.

Acht PVS stellten sich vor und traten in “Ringkämpfen” gegeneinander an, unter der wissenschaftlichen Leitung der Hausärzte Moritz Eckert und Dr. Nicolas Kahl, die passend in Boxer-Outfits zu „The Eye of the Tiger“ in den Ring stiegen.

Das Bild auf der Leinwand hinter dem Boxring zeigt: Beim Einsatz von KI geht es nicht darum, Personal einzusparen, sondern das Team von bürokratischen Aufgaben zu befreien, um Ressourcen für die Versorgung freizusetzen. Ein futuristisch gestalteter Roboter kämpft gegen lästige Papierstapel, die Hausärztinnen und Hausärzte Stand heute allzu oft im Praxisalltag belasten.

Jüngst hatte auch eine Studie der Bertelsmann Stiftung das Potenzial von Delegation gezeigt, um mehr Arztzeit für die Patientenversorgung freizumachen. Auch das Team hierfür von bürokratischen Aufgaben zu befreien, ist nur konsequent.

Potenzial für Public Health

Zur Eröffnung des HIT-Kongresses gab Faisal die Perspektive der Forschung auf Möglichkeiten für die Public Health preis. So habe er in Großbritannien – basierend auf den seit 2009 vorliegenden Daten von 4 Millionen Menschen in Wales sowie einem Teil der Londoner Bevölkerung – fünf Angaben in der elektronischen Patientenakte des britischen Gesundheitssystems NHS untersucht: Größe, Gewicht, Alter, Geschlecht, PLZ – unter Einbezug der in der Akte vorhandenen Zeitstempel, die bei jeder Aktion wie Blutentnahme oder Befundübermittlung gesetzt werden. Diese Zeitstempel sähen aus wie ein Morse-Code, so Faisal.

Das Besondere an der Arbeit mit KI sei, dass solche Muster anders betrachtet würden als durch ein menschliches Auge. So habe man “mit großem Erstaunen“ festgestellt, dass aufgrund dieser “Morse-Codes” bei 4 von 5 Patienten vorherzusagen sei, ob sie in den nächsten drei Monaten unvorhergesehen die Notaufnahme aufsuchen werden. “Und hier haben wir noch nicht mal medizinische, sondern nur Verwaltungsdaten analysiert”, unterstrich Faisal.

Für die Versorgung sieht er großes Potenzial. So könnten solche Risikopatienten etwa proaktiv einbestellt oder bei etwaigen Wartelisten prioritär behandelt werden.

Ein anderes Beispiel: KI könne eindrucksvoll Bewegungsmuster erkennen, bei Kindern aber auch geriatrischen Patienten etwa bei Muskelschwund. Durch einen Einsatz der Technik auch im häuslichen Umfeld sei eine viel genauere Diagnostik als nur punktuell in der Praxis möglich, so eine Perspektive.

“Evidenzlücke” und große PVS-Unterschiede

In einem anderen Panel erinnerte Pascal Nohl-Deryk von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) an die Wichtigkeit, Tools auch im Praxisalltag zu erproben. Der Großteil der Anwendungen werde nur in Prüfungsumgebungen evaluiert, nicht jedoch in der Praxisrealität. „Hier besteht eine Evidenzlücke“, sieht er.

Auch sei aktuell zu unterschiedlich, wie gut PVS solche Anwendungen umsetzen könnten, kritisierte Kristina Spöhrer, Sprecherin der AG Digitales im HÄV. „Wir müssen immer wieder laut einfordern, dass sich die Hersteller in die richtige Richtung bewegen.“ Bisher würden einzelne Hausärzte mitunter viel eigene Arbeit in digitale Lösungen und eine entlastende Infrastruktur stecken, dies dürfe aber nicht die Regel sein.

In den Gesprächsrunden wurde unisono eine große Offenheit deutlich – sofern die Technik funktioniere, könne sie eine echte Entlastung bringen. Ein Beispiel aus dem Alltag: Hausarzt Prof. Wolfgang von Meißner sieht in der Zukunft die Praxisabgabe eines 72-jährigen Kollegen in der Nachbarschaft kommen, damit werden rund 1000 Papierakten auf seinem Schreibtisch landen. Hier sei eine Unterstützung durch KI etwa in Form zweiseitiger, gut aufbereiteter Patientendossiers wünschenswert und eine echt Entlastung – für ihn und sein Team.

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