Das Bauchaortenaneurysma-Screening (BAA) schläft bislang eher einen Dornröschenschlaf. Anspruch haben männliche Patienten über 65 Jahre. Für die Beratung gibt es eine EBM-Ziffer.
Männer entwickeln häufiger ein Aneurysma der Bauchschlagader als Frauen.
Laut der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin nehmen bisher nur wenige das BAA-Screening wahr (siehe Kasuistik).
Kasuistik
Anamnese und Befund: Der 65-jährige Patient hat einen Termin für eine präoperative Untersuchung bei seinem Hausarzt wegen einer geplanten ambulanten CTS-Op rechts. Anamnestisch besteht eine leichtgradige COPD, eine 1-Gefäß-KHK und ein Refluxleiden – Krankheiten, die momentan medikamentös gut eingestellt sind. Die letzte Gesundheitsuntersuchung und Krebsfrüherkennungsuntersuchung waren vor ca. einem Jahr unauffällig. Medikamente: ASS 100, AT1-Blocker, CSE-Hemmer, LAMA per Inhalation und bei Bedarf abends Pantoprazol.
Befund: 65-jähriger Patient in gutem AEZ, keine Ruhedyspnoe. Herz klinisch ob, Blutdruck 135/75 mmHg, Puls 76/min. Lunge: minimales Brummen. Abdomen und NL ob. Rechte Hand: muskuläre Hypotrophie des Daumenballens, Hypästhesie im Verlauf des N. medianus. EKG: ob, Spirometrie: minimale Obstruktion. Labor: unauffällig.
Diagnose, Therapie und weiteres Procedere: Durchführung einer präoperativen Untersuchung (ICD-10: Z00.0G) bei geplanter CTS-Op rechts. Der Hausarzt nahm den Termin zum Anlass, auf das bei dem Patienten jetzt mögliche Bauchaortenaneurysma-Screening (BAA) aufmerksam zu machen und vereinbarte einen Termin nach der Op. Er hatte nach einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) vom September 2025 beschlossen, jeden Patienten darauf hinzuweisen, der dafür in Frage kam. In dieser Mitteilung hatte die DEGUM berichtet, dass die Inanspruchnahme dieser Untersuchung sehr gering sei und sie hatte u.a. den Hausärzten empfohlen, mehr darüber zu informieren.
* fiktive Person
EBM
Bei Erstkontakt mit dem 65-Jährigen kann der Hausarzt die 03000, 03220 und der 31013 EBM abrechnen. EKG und präoperatives Labor sind obligate Inhalte der 31013, die Spirometrie fakultativ. Am Folgetag Besprechung der Ergebnisse (03230), zusätzlich die 03221. Nach drei Wochen Wiedervorstellung zum BAA-Screening und Abrechnung der 01747 und 01748 EBM.
GOÄ
Da in der GOÄ keine Pauschale für die präoperative Untersuchung existiert, rechnet der Arzt einzeln mit den Nummern 1, 8, 651, 605, 605a, 250, 75 GOÄ ab und zudem die in der Laborgemeinschaft erbrachten Untersuchungen des Kapitels MII.
Für die Besprechung am Folgetag die Nr. 3. Auch das BAA-Screening kann als neuer Behandlungsfall mit Einzelleistungen abgerechnet werden, und zwar mit den Nummern. 1, 7 und 410.
Weiterlesen
G-BA-Beschluss
Neugeborenen-Screening: Befund direkt an Eltern
Ab sofort werden Eltern bei einem auffälligen Befund beim Neugeborenen-Screening auf seltene angeborene Erkrankungen –…
Serie "Theorie versus Praxis"
Inhalieren ist kein Kinderspiel
Für Hausärztinnen und Hausärzte, Praxismitarbeitende und ÄiW (Allgemeinmedizin und Innere Medizin mit hausärztlichem Schwerpunkt) ist der Zugang immer kostenfrei.
Mitglieder der Landesverbände im Hausärztinnen- und Hausärzteverband profitieren außerdem von zahlreichen Extras.