© Robert HartwigDr. Elmar Arens zog es vor wenigen Jahren in den Schwarzwald.
Anfangs, sagt Arens, haben mich Kolleginnen und Kollegen sowie die Klinikmitarbeitenden schon etwas komisch angesehen, nach dem Motto: “Was will der hier – wir schaffen das alleine.” Die Blicke haben sich aber schnell gewandelt, so der Hausarzt weiter.
Mittlerweile haben die Kolleginnen und Kollegen keinen Zweifel mehr, dass Arens eine echte Bereicherung des Teams darstellt. Alles geht schnell und unkompliziert – kein aufwendiges Anfordern eines Konsils ist nötig. Für die schwerwiegenden Fälle, sagt Arens, ist die internistische Abteilung da und ist schon mehr als genug.
Einfühlungsvermögen des Hausarztes kommt gut an
Viele Patientinnen und Patienten, die Arens sieht, seien verunsichert. Vor allem die Älteren, von denen es immer mehr gebe. “Da wird die 85-Jährige aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und erhält in der Klinik eine neue Hüfte”, sagt Arens. Da braucht es auch ein wenig hausärztliches Einfühlungsvermögen, sagt er. Manchmal ist gar nicht so viel nötig – einfaches Zuhören und Verständnis zeigen kann sehr helfen. Es ist eben das Quäntchen Droge Hausarzt, das manchmal mehr bewirkt als Technik oder Pillen.
Keine Frage, sagt Arens, arbeiten im orthopädischen Schwerpunktkrankenhaus in Freiburg fachlich absolut kompetente und versierte Orthopädinnen und Orthopäden. Diese haben aber bei all den Operationen kaum Zeit, um mit den Patientinnen und Patienten etwas ausführlicher zu reden. Der Ratschlag der Orthopäden für die frisch operierten Alten laute dann: “Einfach laufen und üben”. “Ich habe die Zeit, Fragen zu beantworten und eventuelle Ängste zu nehmen”, sagt Arens.
Brückenschlag zu hausärztlichen Praxen
Mitunter ist es auch ein plötzlich höherer Blutdruck, den Arens kontrollieren soll. Möglicherweise ist dann eine höhere Dosierung des Schmerzmittels nötig, um die Schmerzen zu bekämpfen und damit den Blutdruck wieder aufs normale Maß zu korrigieren. Im Schwerpunktkrankenhaus landen oft Problemfälle – etwa wenn sich das neu eingesetzte Gelenk, das in einer allgemeinen Klinik eingesetzt wurde, entzündet.
Für solche Fälle, aber auch wie eine Niereninsuffizienz therapiert werden kann, die bei älteren Leuten nach einer Op auftreten kann, hilft hausärztliches Wissen. Auch an die hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen in den Praxen wird dank Arens Mitarbeit gedacht.
Die Verordnung sehr teurer Medikamente könne niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzten nicht zugemutet werden, erklärt Arens, der auf derartige Umstände aufmerksam macht. So haben auch die Klinikärztinnen und -ärzte mehr Verständnis für die Probleme der niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte und können diese bei ihrer Versorgung berücksichtigen.
Derzeit hat Arens eine 40-Prozent-Stelle inne – er arbeitet in der Regel an vier Tagen jeweils vier Stunden oder 16 Stunden die Woche. Mitunter aber auch samstags und an Feiertagen. Wichtig ist dem Hausarzt die Kontinuität für die Patientinnen und Patienten, die die operierende Ärztin oder den operierenden Arzt in der Regel wegen der erforderlichen Ruhezeiten nicht täglich sehen.
Die Klinik räumt ihm aber auch Freiheiten ein – die erarbeiteten Stunden wandern auf ein Konto – so ist Arens eben auch an Sonn- oder Feiertagen flexibler in seinen Einsätzen. Das Salär aus der Klinik verwendet der Hausarzt doch noch für ein Hobby – das Reisen zu exotischen Zielen. Da hat er schon noch einige Orte auf dem Zettel, wie er meint. Über den Winter will er nach Südafrika – dorthin, wo es schön warm ist und die Sonne scheint. Da müssen Klinik und Patienten im Lorettokrankenhaus mal auf ihren Hausarzt verzichten.
Wertschätzung erhält der Hausarzt viel – sogar noch von früheren Scherfeder Patientinnen und Patienten. Die wollen aber glücklicherweise, sagt Arens augenzwinkernd, “nicht über ihre medizinischen Probleme mit mir reden”.
Mit seiner Tätigkeit in der Klinik hat es Arens sogar in die Tagesthemen und das ARD-Magazin geschafft. Zwei hausärztliche Kollegen haben bisher bei ihm nachgefragt, wie es so in der Klinik läuft. Das hat offenbar überzeugt: Die Kollegen hätten am Ende ebenfalls Interesse bekundet, über den Ruhestand hinaus weiter medizinisch tätig zu sein.