Die Qualität in einer Praxis lässt sich anhand verschiedener Parameter bestimmen und potenziell verbessern. Zu diesem Zweck stehen zahlreiche Instrumente zur Verfügung. Eine gezielte Verbesserung der medizinischen Versorgungsqualität wird jedoch besonders effektiv durch den kollegialen Austausch gefördert, und zwar in Form des Qualitätszirkels (QZ).
Rahmenbedingungen eines QZ
Dazu treffen sich in regelmäßigen Abständen freiwillig Teilnehmende. Der Teilnehmerkreis einer Arbeitsgruppe, von ca. 5 bis 15 Personen, kann sich aus Ärztinnen und Ärzten gleicher Fachrichtung zusammensetzen, er kann aber auch interdisziplinär oder interprofessionell agieren, je nach Bedarf.
Neben den ärztlichen Qualitätszirkeln gibt es auch Qualitätszirkel für nicht-ärztliche Mitarbeitende, z. B. für VERAH oder MFA. Die Treffen sollten regelmäßig, beispielsweise viermal im Jahr, stattfinden und in einem zeitlichen Rahmen von ca. 1,5 bis max. 3 Stunden liegen. Ein geschützter Raum ohne Publikumsverkehr sollte dazu ausgesucht werden, denn eine erfolgreiche Umsetzung setzt eine störungsfreie Atmosphäre voraus.
Vorbereitung ist das A und O
Damit sich ein Qualitätszirkel nachhaltig etabliert und wirkungsvoll stattfinden kann, sind weitere Voraussetzungen zu beachten. Für die Gruppenarbeit gilt immer, dass ein Moderator/in – geschult und aus den eigenen Reihen – durch das Treffen führt.
Die Inhalte der Treffen werden in der Regel zuvor selbstbestimmt festgelegt, sodass vorbereitende Maßnahmen rechtzeitig getroffen werden können. Das Themenspektrum reicht von Fallvorstellungen bis hin zu datengestützten praxisindividuellen Auswertungen.
Es sind Themen auszuwählen, die einer Analyse der Praxisrealität oder einer Veränderung oder Verbesserung bedürfen. Für die Vorbereitung des Themas sollte sich ausreichend Zeit genommen werden. Oft sind begleitende Leitlinien, Behandlungspfade, evidenzbasierte Literaturquellen oder weitere Fachexpertise hinzuzuziehen. Bei einer Fallvorstellung oder bei Verwendung von praxisspezifischen Berichten sind die Dokumente zwingend zu anonymisieren etc.
Wirkweise eines Qualitätszirkels
Die Bearbeitung der themenzentrierten Inhalte sollte gut strukturiert werden und erfolgt nach dem Demingkreis oder dem PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act), dem iterativen vierphasigen Prozess für Lernen und Verbesserung. Für den motivierenden, fachlichen Austausch sind Kommunikationsregeln zu beachten. Zur Problemlösung hilft es, auf gängige Methoden zurückzugreifen, wie sie im Projektmanagement verwendet werden.
Des Weiteren sind Kriterien festzulegen, wie die Evaluation erfolgen soll, um zu prüfen, ob die Qualität auch in intendierter Richtung verbessert werden konnte. Eine nachverfolgbare Dokumentation der Ergebnisse ist hierfür unerlässlich.
Anerkennung als Fortbildung
Für die Durchführung von monetär geförderten Qualitätszirkeln sind jeweils die Vorgaben des eigenen KV-Bezirks zu beachten. Angemeldete Qualitätszirkel können als Fortbildung anerkannt werden. Und für die im Frühjahr eingeführte EBM-Vorhaltepauschale ist die kollegiale Zusammenarbeit – und hier explizit der Qualitätszirkel – als ein Kriterium genannt (www.hausarzt.link/vorhaltepauschale).
Vorteilhaft für alle Beteiligten
Die Vorteile liegen auf der Hand: Es ist besonders hilfreich, sich mit Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen und auszutauschen. Denn die Themen und Probleme betreffen in der Regel alle und nicht nur Einzelne.
Der Austausch unterstützt die eigene Handlungsweise, das kritische Hinterfragen aktueller Behandlungspraktiken, er bietet Halt und offeriert potenzielle Lösungen oder gibt Richtungen vor. Das Wir-Gefühl und die eigene Kompetenz werden gestärkt. Dies wiederum sollte sich positiv auf die Praxistätigkeit und medizinische Versorgung auswirken, so profitieren Team und vor allem die Patienten.
Fazit
- Der QZ hilft die eigene Arbeit und Arbeitsweisen zu reflektieren.
- Arbeitsweisen und Ergebnisse können verglichen werden.
- Schwachstellen und Probleme werden sichtbarer.
- Handlungsempfehlungen können gemeinsam erarbeitet werden.
Mögliche Interessenkonflikte: Die Autorin ist EPA-Projektleitung.
