Asthmatherapie mit Hilfe von Kamelen
Kamele, Dromedare und Lamas (Mitglieder der Familie der Kameliden) besitzen eine ganz besondere Gruppe von Antikörpern, die nur aus einer schweren Immunglobulinkette bestehen. Diese „Nanobodies“ sind klein und robust und können miteinander verknüpft werden.
Ein Beispiel ist Lunsekimig ein Nanobody-Konstrukt, das gegen TSLP (Abk. für Thymic Stromal Lymphopoetin) und Interleukin-13 (IL-13) gerichtet ist und damit wichtige Signalwege bei entzündlichen Atemwegserkrankungen beeinflussen kann. In der placebokontrollierten Phase-2b-Studie AIRCULES verringerte Lunsekimig in einer Dosis von 300 mg s.c. alle vier Wochen signifikant und klinisch relevant Asthma-Exazerbationen und verbesserte die Lungenfunktion schnell und anhaltend.
An der Studie hatten Erwachsene mit Asthma (GINA 4–5) teilgenommen, die mittlere bis hohe Dosen inhalativer Kortikosteroide anwendeten, im vergangenen Jahr mindestens eine Exazerbation erlitten hatten und ein forciertes expiratorisches Volumen (FEV1) von 40–80 Prozent des Sollwerts aufwiesen. Nach 48 Monaten lag die auf ein Jahr bezogene Exazerbationsrate in der Placebogruppe bei 0,702, in der Lunsekimig-Gruppe bei 0,314, berichtete Prof. Njira L. Lugogo, Ann Arbor.
Die Wahrscheinlichkeit einer ersten Exazerbation nach Studienbeginn war in der Lunsekimig-Gruppe gegenüber der Placebogruppe um 39,9 Prozent reduziert. Das FEV1 vor Bronchodilatation war mit dem Nanobody schon nach vier Wochen signifikant verbessert und der Effekt hielt über die gesamte Studiendauer an.
Auch die Asthma-Symptomkontrolle und die asthmabezogene Lebensqualität verbesserte sich in der Lunsekimig-Gruppe stärker als in der Placebo-Gruppe. Besonders ausgeprägt waren die günstigen Effekte von Lunsekimig bei denjenigen, die im Vorjahr zwei und mehr Exazerbationen erlitten hatten und die bei Studienbeginn eine ausgeprägte Typ-2-Entzündung aufwiesen (fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid [FeNO] ≥25; Bluteosinophilenzahl/µl ≥300). Unerwünschte Ereignisse unter Lunsekimig entsprachen weitgehend denen in der Placebo-Gruppe. Nur Reaktionen an der Injektionsstelle waren häufiger.
IL-33-Hemmer: Biologikum für mehr COPD-Betroffene?
Interleukin-33 (IL-33) ist ein Zytokin, das die dysregulierte Entzündung bei chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung (COPD) früh beeinflusst. Bislang waren Phase-3-Studien mit IL-33-Antikörper nicht erfolgreich.
Jetzt berichtetet Prof Dr. Frank Sciurba, Pittsburgh, dass der IL-33-Antikörper Tozorakimab (300 mg s.c. alle vier Wochen) zusätzlich zur bisherigen Therapie in den identisch aufgebauten Studien OBERON und TITANIA das Exazerbationsrisiko von Exrauchern mit COPD und mittelschweren bis schweren Exazerbationen unabhängig von der Eosinophilenzahl im Vorjahr um 29–34 Prozent senkte.
Bei Rauchern und Exrauchern zusammen verringerte sich die Exazerbationsrate durch die Hinzunahme des IL-33-Antikörpers um 29 – 30 Prozent. Das sei klinisch sehr relevant, betonte Sciurba. Selbst bei einer Eosinophilenzahl unter 150/µl reduzierte sich die auf ein Jahr bezogene Exazerbationsrate um 23 Prozent. Damit könnte Tozorakimab für mehr Patientinnen und Patienten mit chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung (COPD) infrage kommen als die bisherigen Biologika.
Mukoviszidose-Therapie so früh wie möglich
Je früher die Therapie der Mukoviszidose mit CFTR-Modulatoren erfolgt, umso weniger gibt es strukturelle Veränderungen in der Lunge. Die Kombination Vanzacaftor/Tezacaftor/Deuticaftor ist bislang zur Therapie der Mukoviszidose ab dem sechsten Lebensjahr zugelassen.
Die Kombination ist auch bei 2- bis 5-Jährigen mit Mukoviszidose wirksam und sicher, berichtete jetzt Prof. Mall, Berlin. In der Studie TIMBERLINE normalisierte sie bei 65,2 Prozent der Behandelten den Chloridgehalt im Schweiß, Marker der CFTR-Funktion. Unter der Therapie mit der bereits in dieser Altersgruppe zugelassenen Kombination Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor lag der Anteil mit einem normalen Schweißchloridgehalt von <30 mmol/l bei 37,5 Prozent.
Experten diskutierten anlässlich des ERS-Kongresses eine noch frühere Therapie, eventuell schon in utero, um Veränderungen der Atemwege und der pankreatischen Funktion durch die Mukoviszidose frühzeitig zu verhindern.
Saharastaub – lästig und ungesund
Immer öfter trägt der Wind Wüstenstaub weit nach Mittel- und sogar Nordeuropa hinein. Damit einher geht eine messbare Steigerung der Feinstaubbelastung. Ursachen sind die zunehmende Wüstenbildung in Nordafrika und eine veränderte atmosphärische Zirkulation mit mehr Wind aus südlichen Richtungen, berichtete Prof. Francesco Forastiere, Palermo.
Mit den kristallinen Komponenten, Mineralien und Salzen des Wüstenstaubs können angelagerte anthropogene Verschmutzung und Mikroorganismen mitreisen. Es kommt entsprechend zu ganz unterschiedlicher Beeinträchtigung der Luftqualität.
In Südeuropa ließen sich bereits eine höhere kardiovaskuläre Mortalität und eine häufigere Krankenhauseinweisung wegen Atemwegsproblemen mit Wüstenstaubbeteiligung, unabhängig von der sonstigen Luftbelastung nachweisen.
Rauchabstinenz: Mehr Hilfe erwünscht
Die Beratung zur Rauchabstinenz ist integraler Bestandteil des Lungenkrebsscreenings mit Niedrigdosis-Computertomographie. Wie aufgeschlossen die Screeningwilligen dem Angebot einer intensiven Raucherentwöhnung gegenüber sind, prüft eine Studie im Rahmen des belgischen Pilotprojekts zum Lungenkrebsscreening in der Region Antwerpen.
Randomisiert erhielten die Teilnehmenden am Screening entweder eine Kurzberatung zum Rauchstopp oder den Zugang zu einem kostenfreien Raucherentwöhnungsprogramm mit acht Sitzungen mit einem Spezialisten und – wenn erforderlich – mit Unterstützung durch eine Nikotinersatztherapie. Die Bereitschaft, sich intensiv beim Rauchstopp helfen zu lassen, war groß: 71 Prozent derjenigen, denen das strukturierte Programm angeboten wurde, nahmen bislang an mindestens einer Sitzung teil.
Professionelle Killer
Bakteriophagen sind Viren, die Bakterien töten und sich dabei selbst vervielfältigen, erläuterte Prof. Laurent Debarbieux, Villeneuve. Hunderte von Patientinnen und Patienten sind in Europa schon im Rahmen eines „Compassionate Use“ wegen einer bakteriellen Infektion mit Phagen behandelt worden. Schwerwiegende Sicherheitsprobleme gab es bislang nicht. Größere Phase-2-Studien fehlen aber noch.
Die Therapie muss individualisiert nach dem jeweiligen Pathogen erfolgen, für das ein Bakteriophage vorliegen muss. Das macht die Entwicklung für die pharmazeutische Industrie wenig interessant. Aktuell fördert die Europäische Union drei Studien zur Phagentherapie. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Prinzip noch den Weg zur Zulassung findet. Die Zulassungsbehörden seien vorsichtig aufgeschlossen, meinte Debar-bieux.
