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KongressberichtHIV-Versorgung zwischen Hoffen und Bangen

Weltweit ist die Versorgung von Menschen, die mit HIV leben, unsicherer geworden. Das betrifft ganz besonders Risikopopulationen. Auf der anderen Seite geht der Fortschritt in der antiretroviralen Therapie (ART) und Präexpositionsprophylaxe (PrEP) weiter. Von diesem Spagat dominiert waren die Diskussionen anlässlich der Internationalen AIDS-Konferenz.

Eine unbehandelte HIV-Infektion schreitet in der Regel zu AIDS fort.

HIV-/AIDS-Bekämpfung leidet

Das Programm PEPFAR (Abk. für President‘s Emergency Plan for AIDS Relief) unterstützt seit 2003 die Bekämpfung der globalen HIV/AIDS-Epidemie weltweit. Bis August 2024 wurden 120 Milliarden Dollar für die HIV/AIDS-Behandlung, -Prävention und -Forschung bereitgestellt.

In der zweiten Amtszeit von Präsident Trump wurde das Programm zeitweise ausgesetzt und die Förderung danach nur teilweise und unter bestimmten Voraussetzungen wieder begonnen. Daraufhin sank international die Finanzierung durch Geberländer innerhalb eines Jahres um 25 Prozent – mehr als jemals zuvor.

52 Prozent der PEPFAR-Partner mussten mindestens ein Programm beenden und 77 Prozent wurden angehalten, ihre Arbeit auf bestimmte Bereiche zu begrenzen, berichtete Elise Lankiewicz, Washington (USA). 1.714 Servicestellen wurden geschlossen, darunter mehr als 1.000 medizinische Einrichtungen. Gerade Stellen, die besonders vulnerable Populationen versorgen, waren betroffen.

Jede fünfte Einrichtung, die Therapieangebote vorhielt, musste Teile davon einschränken, sei es Kondomabgabe, Testangebote oder die Ausgabe einer ART. Auch die pädiatrische Versorgung ist betroffen, wie Ramona Godboe, Heidelberg, berichtete. Global erhielten 2025 im Vergleich zu 2024 77.163 weniger Kinder, die mit HIV leben, eine von PEPFAR unterstützte Behandlung (-14,2 Prozent). Am stärksten waren pädiatrische Programme in Südafrika betroffen (-45 Prozent).

Spritzen-PrEP zwei Mal im Jahr

Die zwei Phase-3-Studien PURPOSE 1 und 2 hatten in vielen Ländern und auch in der EU zur Zulassung von zweimal jährlichen Injektionen von Lenacapavir (LEN) zur HIV-Prävention geführt. Jetzt liegen Ergebnisse aus den ersten 52 Wochen der offenen Verlängerung der Studien vor.

PURPOSE 1 schloss Cis-Frauen aus Südafrika und Uganda ein. Verglichen wurde die zweimal jährliche PrEP-Injektion von LEN mit der täglichen oralen PrEP mit Emtricitabine/tenofovir disoproxil fumarat (F/TDF) oder mit Emtricitabin/Tenofovir alafenamid (F/TAF).

In der Verlängerung entscheiden sich 95 Prozent der Teilnehmerinnen der oralen-PrEP-Gruppe für die zweimal jährliche LEN für 52 Folgewochen zu erhalten. In dieser Phase wurde kein einziger Fall einer HIV-Neuinfektion unter LEN registriert, berichtete Noah Kiwanuka, Kampala (Uganda).

Wöchentliche Pille erhält die Virussuppression

Ein orales Ein-Tabletten-Regime zur HIV-Therapie mit Islatravir und Lenacapavir (ISL/LEN, 2/300 mg) könnte die erste einmal wöchentliche Behandlung für Menschen werden, die mit HIV leben und virussupprimiert sind.

Die Nichtunterlegenheitsstudie ISLEND-1 prüft randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert die Umstellung auf eine wöchentliche orale Therapie mit ISL/LEN im Vergleich zur Fortführung einer Therapie mit Bictegravir/Emtricitabin/Tenofovir alafenamid (B/F/TAF) bei 607 Menschen mit HIV-1, die unter B/F/TAF anhaltend virussupprimiert waren.

Wie Jürgen K. Rockstroh, Bonn, berichtete, wies in Woche 48 keine Person der ISL/LEN-Gruppe und eine Person der B/F/TAF-Gruppe (0,3 Prozent) eine Virämie mit ≥ 50 Kopien HIV-1-RNA/ml auf.

Damit war die Nichtunterlegenheit des einmal wöchentlichen oralen Regimes belegt. Die Entwicklung der CD4-Zellzahl und der Lymphozytenzahlen wie auch die unerwünschten Ereignisse waren in beiden Gruppen vergleichbar.

Auch die offene Nichtunterlegenheitsstudie ISLEND-2 ging positiv aus. An ihr nahmen 626 Erwachsene mit HIV teil, die unter verschiedenen oralen ART eine anhaltende Virussuppression erreicht hatten. Die Hälfte wurde randomisiert auf das einmal wöchentliche Regime mit ISL/LEN umgestellt, die andere nahm weiter die bisherige ART ein.

Nach 48 Wochen wies in der ISL/LEN-Gruppe eine Person ≥ 50 Viruskopien/pro ml auf (0,3 Prozent), in der Kontrollgruppe waren es vier Personen (1,3 Prozent). Auch hier wurde das wöchentliche Regime gut vertragen.

Virus bleibt

Bei 79 Adoleszenten aus Südafrika, die sich rund um ihre Geburt mit HIV angesteckt und seit der Kindheit eine ART erhalten hatten, wiesen nach im Mittel 17,1 Jahren 59 (75 Prozent) eine vollständige Plasmasuppression des Virus auf.

In dieser Subgruppe zeigte sich allerdings bei 19 Prozent eine persistierende HIV-spezifische Immunaktivität im Liquor. Besonders oft war das der Fall, wenn die Behandlung mehrfach unterbrochen worden war, berichtete Shalena Naidoo, Stellenbosch (Südafrika). Vor einer Therapie-unterbrechung sollte daher auch das ZNS untersucht werden.

Kondom immer ungeliebter

Eine niederländische Studie überprüfte die Veränderung der Einstellung zum Kondom und seiner Nutzung bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Der Kondomgebrauch nahm von 1994 bis 2024 drastisch ab. Nur bei Analsex wurden Kondome häufiger angewendet.

2024 fanden MSM Kondome weniger wichtig, weniger positiv, weniger komfortabel und schwieriger anzuwenden als in den Jahren 1994-2002. Das galt besonders für diejenigen, die eine PrEP anwendeten, berichtete Carien M. Blomaard, Amsterdam.

Teststation Parkplatz

Manche Menschen werden mit Testangeboten schlecht erreicht. Ein Checkmobil der AIDS-Hilfe Schleswig-Holstein bietet seit 2025 an zwei bis drei Tagen im Monat an einschlägigen Autobahnparkplätzen in Schleswig-Holstein Beratung in Deutsch, Englisch, Türkisch und Russisch und Tests auf Infektionen mit HIV, Syphilis, Hepatitis C, Gonorrhoe und Syphilis an.

Primär richtet sich das Angebot an MSM. Aber auch heterosexuelle Personen haben Interesse an dem niederschwelligen Angebot, berichtete Konstantin Kandlen, Kiel. Insgesamt wurden 49 Prozent der Getesteten das erste Mal überhaupt getestet. 1,3 Prozent waren HIV-positiv, 1,3 Prozent positiv für Gonorrhoe und je 0,7 Prozent positiv für Chlamydien und/oder Syphilis.

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