GLP-1-Rezeptoragonisten sind aus der Therapie des Typ-2-Diabetes und der Adipositas nicht mehr wegzudenken, betont Dr. Angelika Behrens, Gastroenterologin an der Evangelischen Elisabeth Klinik Berlin, im Skript zum praxis-update 2026. “Sie entfalten ihre Wirkung unter anderem durch eine verzögerte Magenentleerung.
Diese bewusst induzierte Gastroparese kann jedoch das Risiko für das Auftreten einer Refluxerkrankung erhöhen.” Das zeige auch eine Kohortenstudie, die das Risiko für eine gastroösophageale Refluxerkrankung (GERD) und deren Komplikationen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes untersucht hat, die entweder GLP-1-RA oder SGLT-2-Hemmer einnahmen [1].
Teil nahmen 24.708 Patienten unter GLP-1-RA- und 89.096 Patienten unter SGLT2-Inhibitor-Therapie, so die Gastroenterologin. Ergebnis: “Nach einem medianen Follow-up von drei Jahren war das relative Risiko für eine GERD unter GLP-1-RA um 27 Prozent erhöht (RR 1,27; 95%-KI: 1,14–1,42). Das Risiko für Reflux-assoziierte Komplikationen (Barrett-Ösophagus, Stenosen, Erosionen oder Ulzera) war um 55 Prozent erhöht (RR 1,55; 95%-KI: 1,12–2,29)”, informiert Behrens.
Ihr Kommentar lautet daher: “Eine Therapie mit einem GLP-1-RA sollte bei vorliegender Refluxerkrankung zurückhaltend erfolgen – wenn möglich sollte eine Alternativtherapie gewählt werden.”
H.pylori-Eradikation: Probiotika?
Eine zweite aktuelle Studie, von der Behrens berichtet, hat untersucht, ob die Zugabe von Probiotika zur Helicobacter(H.)-pylori-Eradikationstherapie wirksam und sicher ist [2]. Analysiert wurden dazu Daten aus dem europäischen Register Hp-EuReg. Bei 22 Prozent der durchgeführten H.-pylori-Eradikationen (n = 36.699 Behandlungszyklen) wurden gleichzeitig Probiotika verordnet.
“Die Anwendung von Probiotika war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bezüglich des Eradikationserfolgs assoziiert (OR 1,63; 95%-KI: 1,46–1,83)”, berichtet die Gastroenterologin. Lactobacillus sei in Osteuropa (OR 2,63; 95%-KI: 1,91–3,61) und im Rahmen einer Bismut-Quadrupel Therapie (OR 1,59; 95%-KI: 1,12–2,25) mit einer höheren Effektivität assoziiert.
“Bifidobakterien waren mit einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen (OR 0,73; 95%-KI: 0,59–0,89) und schweren Nebenwirkungen (OR 0,25; 95%-KI: 0,19–0,35) verbunden.
“Auch Saccharomyces sei mit einem geringeren Risiko von Nebenwirkungen (OR 0,54; 95%-KI: 0,32–0,91) und schweren Nebenwirkungen (OR 0,26; 95%-KI: 0,12–0,54) unter einer Bismut-Quadrupel Therapie assoziiert gewesen.
Das Fazit der Gastroenterologin lautet daher: “Auch wenn die Eradikationsschemata und die eingesetzten Probiotika heterogen sind, so zeigen sich deutliche Signale für eine unterstützende Wirkung bezüglich eines Eradikationserfolgs und der Reduktion von Nebenwirkungen. Hier wäre eine prospektiv-randomisierte Studie wünschenswert, um eine Evidenz für einen Einsatz von Probiotika zu schaffen. Diese Studie reicht noch nicht aus.”
Zudem berichtet Behrens von einer Analyse zur Rolle von Gluten und Weizen bei Menschen mit Reizdarm-Symptom (RDS) [3]. “In der randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie wurde mittels Gabe von äußerlich und geschmacklich nicht unterscheidbaren Müsliriegeln (mit/ohne Weizen oder Gluten) untersucht, ob Gluten oder Weizen RDS-Symptome auslöst.
“Die Teilnehmenden erfüllten die Rom-IV-Kriterien für RDS und hatten zuvor über eine Verbesserung durch eine glutenfreie Ernährung berichtet. Primärer Endpunkt war eine Verschlechterung der RDS-Symptome um mindestens 50 Punkte auf dem Reizdarm-Symptom Severity Score (IBS-SSS) nach den Nahrungsmittelprovokationstests, so Behrens.
“RDS-Patienten mit selbst wahrgenommener Glutenunverträglichkeit reagierten ähnlich auf Gluten, Weizen- und Scheinprovokationen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Nocebo-Effekt eine wesentliche Rolle bei der Symptomauslösung spielt und dass nur einige dieser Patienten von einer Gluten- oder Weizenrestriktion profitieren könnten.”
Dr. Behrens erklärt, dass sie sich bei der Erstellung des Beitrags im Rahmen des praxis-updates nicht von wirtschaftlichen Interessen leiten ließ. Sie legt folgende potenziellen Interessenkonflikte offen: Falk Foundation, Norgine GmbH, nexus/E&L GmbH.
Quelle: praxis-update 2026
Literatur:
