
Tab.: Vergleich Alendronat und Placebo
Bisphosphonate sollten ihm zufolge Patienten mit Rückenschmerzen, frühen Wirbelkörperfrakturen und sehr niedriger Knochendichte frühzeitig einnehmen. Hier wirke die Therapie am besten. Da es keinen direkten Vergleich gebe, bevorzuge er die Generika Alendronat oder Risedronat vor dem teureren Denosumab. “Dazu müssen die Patienten immer Kalzium und Vitamin D nehmen, da das Medikament sonst dem Körper das Kalzium entzieht”, erklärt Kühlein. Kalzium und Vitamin D allein seien keine Therapie. Darüber hinaus könnten Hausärzte mit weiteren Maßnahmen das Sturzrisiko senken:
- Patienten öfter zum Optiker/Augenarzt schicken, um Sehkraft und Brille zu prüfen
- möglichst Medikamente absetzen, die Sturzrisiko oder Schwindel steigern
- Stolperfallen in der Wohnung beheben
- mit Physiotherapie oder geriatrischer Reha die Gangsicherheit schulen
Quelle:
1. “Update 4: Endokrinologie in der Hausarztpraxis”, DEGAM-Kongress, Erlangen, 14.9.19
2. DOI: 10.1002/jbmr.5650070413
Tamoxifen plus Paroxetin – eine fatale Kombination
Nehmen Brustkrebspatientinnen Tamoxifen ein, sollten sie nicht Paroxetin oder Fluoxetin erhalten, warnt Prof. Gerhard Gründer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. Diese Antidepressiva blockierten CYP2D6, sodass Tamoxifen nicht mehr wirkt und die Frauen früher sterben. “Besser ist Sertralin, weil es kaum Interaktionen verursacht”, sagt Gründer. Tamoxifen ist ein Beispiel dafür, warum Hausärzte auch die Metabolisierung im Blick behalten sollten.
“Besonders schwache Metabolisierer über CYP2D6 sind gefährdet, weil sie schneller eine Überdosis erhalten”, betont Gründer. Fünf Prozent der Patienten verstoffwechselten schlecht über CYP2D6. Häufiger sind Schnellmetabolisierer über CYP2D4: Etwa jeder Dritte weise bei normaler Dosierung niedrige Plasmaspiegel auf. “Diese Patienten sprechen auf die normale Dosis einfach nicht an.” Zur Kontrolle solle morgens vor der Einnahme der Plasmaspiegel gemessen werden. Falle dieser niedrig aus, gebe es zwei Optionen: “Entweder ist es ein Schnellmetabolisierer oder es gibt eine andere induzierende Substanz wie ein Medikament, Rauchen, Johanniskraut oder Grapefruitsaft.”
Quelle: “Psychopharmakotherapie in der hausärztlichen Praxis – Depression und Angststörungen”, DEGAM-Kongress, Erlangen, 13.9.19
Ärzte unterschätzen Bedeutung des Recalls
“Erschütternd ist, dass viele Ärzte Recall-Systeme für eher unwichtig halten”, ordnet Dr. Linda Sanftenberg, Mitarbeiterin des Instituts für Allgemeinmedizin an der LMU München, das Ergebnis einer Online-Befragung ein [1].
Dreiviertel der 504 niedergelassenen Ärzte erinnern demnach ihre Patienten nicht via Mail, SMS oder Brief an Impfungen, dabei sei der Nutzen von Recalls gut belegt. Für eine hohe Impfqualität stuften die Ärzte die Kompetenz der Mitarbeiter, die Dokumentation im Impfpass sowie das Einhalten der Temperatur als am wichtigsten ein. “Über die Effektivität von Recalls muss also besser aufgeklärt werden”, sagt Sanftenberg.
Die Biologin entkräftete auch einen weiteren Vorbehalt: “Hat bereits die erste Impfung stattgefunden, dürfen Ärzte an nötige Folgetermine erinnern, ohne dass der Patient extra schriftlich zugestimmt hat.” Damit verstoße man nicht gegen die Datenschutzvorgaben der DSGVO [2]. Verboten sei dies nur, wenn Patienten dem ausdrücklich widersprochen oder den Arzt gewechselt haben.
Quelle:
1. DOI: 10.1007/s00103-019-02912-2;
2. Müssen Patienten einem Recall zustimmen? Impfbrief September 2018
Diabetiker sterben nicht zwingend früher
Menschen mit der Diagnose “Diabetes Typ 2” allein sterben nicht früher als Nicht-Diabetiker. Diese gute Nachricht hat Allgemeinarzt und Diabetologe Dr. Til Uebel im Gepäck [1]. Er stützt sich dabei auf eine Kohortenstudie mit schwedischen Registerdaten [2]. Die Auswertung zeigt, dass das Sterberisiko von Diabetikern und Nicht-Diabetikern fast identisch ist – in allen Altersgruppen (unter 55-Jährige bis über 80-Jährige). Aber: Je mehr weitere Risikofaktoren vorlagen, desto wahrscheinlicher verkürzte sich auch die Lebenszeit der Diabetiker.
Die fünf wichtigsten Risikofaktoren seien ein hoher HbA1c (“etwa ab 7,2 Prozent”, so Uebel), schlechte Blutfett- und Blutdruckwerte, schlechte Nierenwerte (“vor allem eine Makroproteinurie”) sowie Rauchen. Zu bedenken sei natürlich, dass eine Kohortenstudie keine Kausalität, sondern nur Wahrscheinlichkeiten zeigen könne, so Uebel.
Quelle:
1. “Update 4: Endokrinologie in der Hausarztpraxis”, DEGAM-Kongress, Erlangen, 14.9.19,
2. DOI: 10.1056/NEJMoa1800256