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practica in Bad Orb“Best of” practica

Zum 50. Mal haben sich Hausärztinnen, Hausärzte und ihre Praxisteams Ende Oktober zur practica in Bad Orb getroffen. Dabei haben sie wieder jede Menge praktische Tipps mitgenommen - von Verbänden über das Fehlen von Kindern in der Schule bis hin zur Ernährungsberatung

Bei der 50. practica gab es einige Specials wie etwa einen Casino-Abend.

Mit dem Abflussrohr schneller den Finger verbinden

Hausarzt Moritz Eckert braucht nur etwa 20 Sekunden, um einen Finger zu verbinden. Dafür nutzt er nicht die allseits bekannten Fingerlinge, sondern ein Abflussrohr aus dem Baumarkt, erzählte er im Seminar “Praxis Lifehacks” bei der practica Mitte Oktober in Bad Orb. Die Technik kann man im Video “Anlage eines Schlauchverbandes per Applikator” unter Hausarzt-TV beim Institut für hausärztliche Fortbildung anschauen: www.hausarzt.link/hausarzt-tv.

Anders als im Video verwendet Eckert aber nicht den dort gezeigten Applikator, sondern ein handelsübliches Abflussrohr (HAT Rohr DN 50 150mm). “Stecken Sie einfach mal im Baumarkt einen Finger in so ein Rohr, schneiden es entsprechend in der Länge passend ab und säubern die Kante”, riet Eckert. Statt des teuren Metallapplikators zahle man für das Abflussrohr in etwa einen Euro – der Effekt im Praxisalltag, nämlich die enorme Zeitersparnis, sei der gleiche.

Zuerst wird der Schlauchverband abgemessen: Zweimal die Länge Fingerspitze bis Armbeuge. Danach wird er über das Abflussrohr gezogen, sodass eine Fingerlänge übrig bleibt. Dieses Stück wird längs auf den verletzten Finger gelegt und der Finger ins Rohr gesteckt.

Nun wird das Rohr rechts herum gedreht, bis der Patient merkt, dass es fest wird. Anschließend wird das Rohr vom Finger gezogen, bis die Fingerspitze herausschaut. Nun wird noch zwei- bis dreimal gedreht und das Rohr wieder über den Finger gestülpt. Danach wieder nach rechts drehen, bis es fest wird.

Abschließend wird das Rohr vom Finger und der Verband vom Rohr gezogen. Der restliche Schlauchverband wird mittig vorsichtig aufgeschnitten, sodass die beiden Enden ums Handgelenk verknotet werden können. •jvb

Mit Hose gegen Axillarabszess

Abszesse in der Achselhöhle oder auch die Nachversorgung einer operierten Akne inversa an dieser Stelle sind oft schwierig zu verbinden. Mit einer Netzhose können sich Hausärztinnen und Hausärzte den Aufwand verglichen mit einem TG-Schlauch erheblich erleichtern, verriet Moritz Eckert.

Dafür schneidet er die Netzhose “im Schritt” auf, sodass man mit dem Kopf hindurch schlupfen kann. Die eigentlichen Beinöffnungen der Netzhose ziehen die Patienten über die Arme. In wenigen Sekunden kann so anderes Verbandmaterial am Ort des Abszesses gut fixiert werden.

“In unserer Praxis haben wir verschiedene Größen der Netzhosen vorrätig, um dem jeweiligen Körperbau der Patienten gerecht werden zu können”, ergänzt Eckert. 100 Stück kosteten in etwa zehn Euro.

Longevity: Welche Rolle spielen die Gene?

“Blue Zones” sind Regionen der Welt, deren Einwohner angeblich länger und gesünder leben als der Durchschnitt. Aber warum werden sie so alt? Liegt es nur am Lebensstil – oder auch an den Genen? “Bei der “normalen” Alterung erklärt die Genetik ca. 20 bis 30 Prozent der Varianz”, sagte Dr. Max Elstermann von Elster.

“Bei extremem Alter (über 100 Jahre) hingegen werden genetische Faktoren immer bedeutsamer.” So hätten Geschwister von 100-Jährigen ein 8- bis 17-fach erhöhtes “Risiko”, auch 100 zu werden. Verantwortlich dafür seien verschiedene Genvariationen. Generell sollten Menschen aber dazu in der Lage sein, eine durchschnittliche Lebenserwartung von 86 Jahren zu erreichen – ein “normales höheres Alter” bekommen wir mit einem gesunden Lebensstil also hin.

MFA als Ansprechpartner rund um die Ernährung

Die Freude am Essen und Trinken zu vermitteln und damit das weit verbreitete Phänomen der Mangelernährung – nicht nur sichtbar in Form eines Gewichtsverlusts, sondern auch von bestimmten Nährstoffmangeln – zu vermeiden, müsse ein Ziel in der Betreuung von Seniorinnen und Senioren sein. Das Praxisteam spiele dabei eine entscheidende Rolle, betonte Sabine Behler, ganzheitliche Ernährungsberaterin, in ihrem MFA-Seminar “Fit & gesund alt werden”.

So müssten MFA einerseits bei (unbeabsichtigten) Gewichtsverlusten aufmerksam machen, andererseits könnten gerade sie die Freude am Essen weitergeben und beispielsweise auch pflegende Angehörige für die Thematik sensibilisieren. “Beachten Sie die Ernährung im Alter als eine Form der medizinischen Unterstützung”, gab Behler mit auf den Weg.

Zwei einfache Tipps: Insbesondere ältere Menschen bevorzugten häufig klassische Gerichte, die sich jedoch durch die Zugabe von mehr Gemüse einfach aufwerten ließen: Paprikawürfel im Gulasch, Putengeschnetzeltes mit Champignons.

Bei der Zubereitung von Braten oder Frikadellen können Zutaten wie Grünkern, Haferflocken oder Quark verwendet werden, um den Fleischanteil zu reduzieren und Ballaststoffe zu erhöhen. Proteindrinks, die als “hochwertiges Eiweiß” propagiert werden, sollten hingegen genau hinterfragt werden, warnte Behler. “Sie sind häufig stark denaturiert und beinhalten zudem chemische Substanzen wie Farbstoffe oder künstliche Aromen.”

Antihypertonika absetzen, Kognition verbessern?

Bei älteren Heimbewohnenden mit kognitiver Einschränkung könnte man mit Vorsicht erwägen, eine intensive Blutdruckmedikation zu senken. Dafür liefert laut Dr. Günther Egidi eine US-amerikanische Kohorten-Studie (doi: 10.1001/jamainternmed.2024.4851) mit 12.644 US-Veteranen in Heimen Ansatzpunkte.

Demnach verlangsamte sich der kognitive Abbau in der Gruppe der über 65-Jährigen, bei denen die Medikamente oder deren Dosis reduziert wurde. Personen mit Herzfehler oder Blutdruck über 160/90 mmHg waren ausgeschlossen. Wer mindestens vier Wochen eine Blutdrucktherapie bekam, wurde entweder der Absetz-Gruppe oder der Kontrolle (unveränderte Therapie) zugeordnet.

Nach zwei Jahren hatte sich insgesamt die Kognition bei 12 Prozent verschlechtert, bei 7,7 Prozent verbessert. Die Per-Protokoll-Analyse zeigte, dass in der Absetz-Gruppe 12 Prozent weniger Verschlechterung auftrat als bei den Kontrollen. Bei Dementen waren es sogar 16 Prozent weniger.

Auch wenn weitere Daten nötig sind, seien dies interessante Ergebnisse, besonders wenn man bedenke, dass in den letzten Lebensjahren die Hypertonie bei den meisten Menschen verschwinde, gab Egidi im Seminar “Studienwunschkonzert” zu bedenken.

Strategien bei Schulabsentismus

Schulabsentismus ist ein Oberbegriff für alle Formen des Fehlens in der Schule, das nicht wegen somatischer Befunde erfolgt – etwa Schulschwänzen, fremdgesteuerte Schulversäumnisse oder angstgesteuerte Schulvermeidung. Lisa Degener stellte hausärztliche Strategien vor, um mit diesem komplexen Phänomen umzugehen.

Wichtig sei zunächst, bei offenkundig funktionellen körperlichen Beschwerden nach Schulfehlzeiten zu fragen. Nach gründlicher somatischer Abklärung ohne medizinische Erklärung für die Beschwerden sollten keine wiederholten Krankschreibungen erfolgen. Degener riet außerdem dazu, klare Absprachen über die Bedingungen für eine Attestausstellung zu treffen – ggf. auch mit den Eltern. An “kranken” Tagen solle eine Tagesstruktur erhalten oder neu etabliert und Bildschirmmedien verboten werden. Eine Option sei auch, die Schule in reduziertem Umfang zu besuchen.

“Das Schulgesetz sieht vor, dass allein die Eltern Schulversäumnisse der Kinder entschuldigen müssen. Eine Attestpflicht kann die Schule nur in begründeten Ausnahmen erlassen – und diese Ausnahme sollten wir dann kennen und entsprechend ins Gespräch kommen”, so Degener.

Sie betonte, dass Schulvermeidung eine erhebliche Entwicklungsgefährdung der Kinder und Jugendlichen darstelle. Eine psychosomatische bzw. psychiatrische Abklärung sei einzuleiten und eine ambulante Psychotherapie zu empfehlen. Bei erfolglosen ambulanten Maßnahmen sei eine stationäre Behandlung der nächste Schritt. Bei totaler Schulvermeidung solle ein Attest nur mit Auflagen ausgestellt werden (zum Beispiel bis zur stationären Aufnahme, zumindest reduzierten Schulbesuch anstreben, morgendliches Aufstehen, Beendigung von exzessivem Medienkonsum).

Kulturell bedingte Missverständnisse vermeiden

“Ich habe einen Frosch im Hals”, “mein Herz ist gebrochen”, “ich habe mir den Kopf erkältet”: In jeder Kultur gibt es Redewendungen bzw. Organchiffren – so viele, dass wir sie gar nicht alle kennen können, erklärte Dr. Torben Brückner. Beispielsweise hätten in manchen Kulturen Leber und Lunge in Redewendungen eine vielseitige Bedeutung im Sinne von Trauer, Krankheit und Schmerzen.

So sei “meine Leber brennt” für aus der Türkei stammende Menschen ein Ausdruck von Trauer. Auch “mein Bauch ist wie ein Stein” stünde dort eher für seelische Beschwerden; “Ich habe mir den Kopf erkältet” für die Angst, psychisch zu erkranken. Menschen aus dem ostasiatischen Raum könnten die Seelenqual hingegen eher als ein Problem in den Nieren beschreiben.

Brückner rät dazu, im Zweifel nachzufragen, was die Betroffenen damit sagen wollen und ob es sich um einen Sinnspruch aus der Heimat handelt. Generell gelte es zu hinterfragen, ob eine Person aus einem anderen Kulturkreis evtl. etwas ganz anderes meint: So würden Männer, die ein Problem im Intimbereich haben, häufig um eine Ganzkörperuntersuchung bitten, statt ihr Problem direkt anzusprechen.

Brückner wies außerdem darauf hin, dass in vielen Kulturen Spritzen über Tabletten gestellt und Operationen oft als höherwertig eingestuft werden – eine Erklärung könne hier helfen, Enttäuschung zu vermeiden.

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