Mach mal Hafertage!
Zwei Hafertage können den Cholesterinspiegel über Wochen verringern. In einer randomisiert-kontrollierten Studie mussten Probanden mit metabolischem Syndrom zwei Tage lang je drei Mahlzeiten mit 100 g in Wasser gekochten Haferflocken essen. Die Kontrollgruppe behielt ihre Ernährungsgewohnheiten bei. Alle Probanden wurden 14-täglich bis zu sechs Wochen nachuntersucht.
Im Plasma zeigte sich im Vergleich zur Kontrollgruppe ein Abfall des Gesamtcholesterins (-15,61 mg/dl) und des LDL-Cholesterins (-16,26 mg/dl), der nach den Hafertagen am ausgeprägtesten war, aber auch noch über vier Wochen anhielt. Vermutlich spielt das Mikrobiom eine Rolle für diese günstigen metabolischen Effekte von Hafer, erläuterte Prof. Marie-Christine Simon, Bonn.
Es zeigte sich ein Anstieg von Ferulasäure und Dihydroferulasäure, mikrobielle Metabolite von Vollkornprodukten. Sie gelten neben kurzkettigen Fettsäuren, die bei der mikrobiellen Gärung entstehen, als gesundheitsförderlich. Die Hafertage seien keine große Qual gewesen, ergänzte Simon. Die Compliance bei dieser Kurzintervention lag bei 99 Prozent.
Zöliakie-Diagnose ohne Biopsie
Wenn bei Verdacht auf Zöliakie ein Transglutaminase-IgA-Wert von zehnfach und mehr über dem oberen Normwert festgestellt wird, kann nach der aktuellen europäischen Zöliakie-Leitlinie die Diagnose auch ohne Biopsie gestellt werden, erläuterte Prof. Michael Schumann, Berlin.
In Deutschland galt das bisher nur bei Kindern und Jugendlichen und wenn eine Kontraindikation für eine Biopsie vorlag. Die stark erhöhten Transglutaminase-IgA-Titer müssen für die Diagnose in einer zweiten Serologie bestätigt werden.
Die serologische Zöliakie-Diagnostik könnte die Diagnose und das Management der Zöliakie in die allgemeinmedizinische Praxis verschieben, meinte Gastroenterologe Günther.
Er wies darauf hin, dass Trans-glutaminase-IgA-Antikörper im Verlauf dagegen nicht geeignet sind, um das Ansprechen auf eine glutenfreie Diät zu überprüfen. Ausschlaggebend sind die Klinik und das Erreichen einer guten Adhärenz zur glutenfreien Ernährung. Wenn die Beschwerden fortbestehen und die Adhärenz zur glutenfreien Diät sicher ist, kann eine Biopsie zur Kontrolle wichtig sein.
Sarkopenievorsorge bei Leberzirrhose
Menschen mit Leberzirrhose weisen häufig Mangelernährung, Sarkopenie und Gebrechlichkeit (Frailty) auf, die sich gegenseitig verstärken und Risiken für Dekompensation, Wiedervorstellung, schlechte Lebensqualität und Mortalität darstellen. Es gibt neben der Leberzirrhose viele andere Faktoren, die Mangelernährung, Sarkopenie und Frailty triggern und die teilweise modifizierbar sind.
Prof. Rainer Günther, Kiel, stellte ein Konzept aus Schleswig-Holstein vor, um das Selbstmanagement bei Leberzirrhose zu verbessern. Am Universitätsklinikum in Kiel wurden 97 Patientinnen und Patienten, die sich wegen einer Leberzirrhose (Child-Pugh B) mit Blick auf eine Lebertransplantation vorgestellt hatten, einem Ernährungs- und Sarkopenie-Assessment unterzogen.
Aus Günthers Sicht das Wichtigste war als Drittes der Frailty-Test mit Messung der Handkraftstärke, dem Stuhl-Aufsteht-Test und einem einfachen Balancetest über maximal 10 Sekunden nacheinander in drei Positionen: Füße nebeneinander, ein Fuß seitlich versetzt vor dem anderen und ein Fuß vor dem anderen (Liver-Frailty-Index).
Das sei auch in der Praxis gut durchzuführen, betonte er. 61 Prozent der Untersuchten wiesen eine Mangel- oder Fehlernährung und 47 Prozent eine Sarkopenie auf, 32 Prozent waren bereits frail.
Ihnen wurde eine Ernährungsberatung zur ausreichenden Protein- und Energieversorgung angeboten (Ziel: 1,2-1,5 g Eiweiß und 30-35 kcal pro Kilogramm Körpergewicht und Tag), dazu eine Beratung zu Bewegung und Sport mit Übungen, die Betroffene einfach Zuhause machen können. Alle Interventionen wurden durch Patientenbroschüren unterstützt. “Das ist überall ganz einfach umzusetzen”, betonte Günther.
Das Ergebnis nach sechs Monaten war für ihn überraschend: Es fand in dieser Zeit trotz Leberzirrhose keine Verschlechterung statt. Im Gegenteil zeigte sich eine tendenzielle Besserung des Zustands. Der Anteil an Mangel-/Fehlernährung war auf 45 Prozent zurückgegangen, 42 Prozet der Teilnehmenden wiesen noch eine Sarkopenie auf und 29 Prozent eine Frailty.
Die Patienteninformationen aus dem Projekt wurden inzwischen zusammengefasst und als Buch mit dem Titel “Richtig essen bei Leberzirrhose” veröffentlicht. “Damit können von Leberzirrhose Betroffene Zuhause selbstbestimmt seine Sarkopenie-Vorsorge machen”; erklärte Günther.
Keine OP bei Appendizitis?
Die andauernde Diskussion um das nichtoperative Management (NOM) der akuten unkomplizierten Appendizitis wird durch immer neue Metaanalysen befeuert. Laut Prof. Clemens Schafmayer, Rostock, ergab zuletzt eine Metaanalyse mit sieben Studien und 1.480 Betroffenen im Kindes- und Jugendalter, dass ein Behandlungsversagen mit NOM mit Antibiotika fast fünfmal häufiger war als mit Appendektomie.
Komplikationen traten etwa dreimal häufiger auf. Nach einem Jahr wurde bei 63 Prozent nach NOM ein Behandlungserfolg festgestellt, nach der Appendektomie bei 90 Prozent. Der Chirurg plädiert dafür, die gleichwertige Empfehlung von NOM und OP bei akuter unkomplizierter Appendizitis in vielen Leitlinien kritisch zu hinterfragen.
Nichtinvasiver Helicobacter-Test
Die S2k-Leitlinie Helicobacter-pylori-Infektion und Ulkuskrankheit empfiehlt 13C-Harnstoff-Atemtest und Stuhlantigentest für die Diagnostik der H.pylori-Infektion und zur Kontrolle des Eradikationserfolgs. Beide Tests sind gleichwertig, betonte Prof. Christian Schulz, München.
Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt die Kosten für die nichtinvasiven Tests allerdings nur im Falle der Kontrolle des Eradikationserfolgs.
Die evidenzbasierte Leitlinienempfehlung der nicht-invasiven Testung von dyspeptischen Patientinnen und Patienten im Alter unter 45 Jahren ohne Alarmsymptome ist von der GKV in Deutschland nicht abgedeckt.
CED-Therapie im Ohr
Fatigue ist ein häufiges nichtintestinales Symptom bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Die transkutane Vagusnervstimulation (tVNS) mit einer Elektrode im Ohr konnte schon bei rheumatischen Erkrankungen einen Effekt auf die Fatigue zeigen. Das konnte Sarah Christine Al-Rawi aus Mannheim in einer Pilotstudie auch für Menschen mit CED, die in Remission unter Fatigue litten, zeigen.
Nach acht Wochen mit zweistündiger Stimulation am Tag besserte sich die Fatigue klinisch relevant im Vergleich zum Ausgangswert und zu einer Vergleichsgruppe. Auch Angst- und depressive Symptome nahmen ab. Eine multizentrische randomisiert-kontrollierte Studie zur Etablierung dieser Therapie ist geplant.
