Angst vor Krankheit, organisatorische Faktoren, der kulturelle Background: Ein Cochrane-Review hat untersucht, warum Menschen zum Gesundheits-Check-up kommen – oder aber fernbleiben.
Gesetzlich Versicherte können die allgemeine Gesundheitsuntersuchung zwischen 18 und 34 Jahren einmalig und ab 35 Jahren alle drei Jahre wahrnehmen.
Gesundheits-Check-ups gehören zu den etablierten Präventionsangeboten in der Hausarztpraxis. Gesetzlich Versicherte können die allgemeine Gesundheitsuntersuchung zwischen 18 und 34 Jahren einmalig und ab 35 Jahren alle drei Jahre wahrnehmen [1].
Viele Menschen verbinden damit die Hoffnung, bislang unerkannte Erkrankungen auszuschließen, eine objektive Bestätigung ihrer Gesundheit zu erhalten oder Hinweise für einen gesünderen Lebensstil zu bekommen.
Die Erwartungen sind damit oft größer als der nachgewiesene klinische Nutzen. Ein früherer Cochrane-Review fand durch das systematische Angebot allgemeiner Gesundheitsuntersuchungen wenig oder keinen Einfluss auf Gesamtsterblichkeit sowie kardiovaskuläre oder krebsbedingte Sterblichkeit [2]. Dennoch bleiben Check-ups bei Patientinnen und Patienten, Gesundheitsfachkräften und politischen Entscheidungsträgern beliebt.
Für die hausärztliche Versorgung ist deshalb nicht nur entscheidend, welche Untersuchungen angeboten werden, sondern auch, weshalb Menschen teilnehmen oder fernbleiben. Vorstellungen von Krankheit und persönlichem Risiko, der Wunsch nach Beruhigung, frühere Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem sowie organisatorische, sprachliche und kulturelle Faktoren können die Inanspruchnahme beeinflussen.
Ein 2025 veröffentlichter Cochrane-Review fasste qualitative Studien zu den Erfahrungen und Sichtweisen von Patientinnen und Patienten, Gesundheitsfachkräften, Verantwortlichen im Gesundheitswesen und politischen Entscheidungsträgern zusammen [3].
Fazit für die Hausarztpraxis
Allgemeine Gesundheitsuntersuchungen sind nicht nur ein diagnostisches Angebot, sondern auch eine Kommunikationssituation. Zu Beginn sollte geklärt werden, welche Erwartungen, konkreten Sorgen oder familiären Risiken die Patientin oder der Patient mit dem Check-up verbindet.
Dabei gilt es transparent zu erklären, dass ein möglichst umfangreiches Untersuchungsprogramm nicht automatisch mehr Sicherheit schafft und dass Prävention sinnvollerweise alters- und risikoadaptiert erfolgt.
Eine persönliche Empfehlung, verständliche Informationen und eine vertrauensvolle Beziehung zur Hausarztpraxis können die Teilnahme fördern. Angst vor einem ungünstigen Befund, negative Vorerfahrungen sowie zeitliche, sprachliche oder organisatorische Barrieren können dagegen abschrecken.
Wichtig sind deshalb gut zugängliche Termine, klare Angaben zum Leistungsumfang und eine verständliche Besprechung der Ergebnisse mit verlässlicher Weiterverfolgung auffälliger Befunde.
Angesichts des begrenzten Nachweises für harte klinische Endpunkte sollten Check-ups nicht als umfassender “Gesundheits-TÜV” vermittelt werden. Sie können jedoch eine wertvolle Gelegenheit bieten, individuelle Risiken, Impfstatus, empfohlene Früherkennungsmaßnahmen und realistische Möglichkeiten zur Lebensstiländerung gemeinsam zu besprechen.
Interessenkonflikte: Die Autorin und der Autor sind die Verfasser des Buchs “Evidenz für die Hausarztpraxis”. Dr. Schmidt-Haghiri erklärt, dass darüber hinaus keine Interessenkonflikte bestehen. Prof. Schelling legt folgende potenzielle Interessenkonflikte offen: Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Gesellschaft zur Förderung der Impfmedizin mbH (GZIM). Vorträge und/oder Beratung: Alexion, GSK, MSD, Sanofi, Pfizer, BioNTech, Moderna, Takeda, Bavarian Nordic, Viatris, Seqirus, Novartis, Kassenärztliche Vereinigung Bayern/Nordrhein, LGL – LAGI, LGL – LARE, BLÄK, ÄKN, BHÄV.
Literatur:
Gemeinsamer Bundesausschuss. Gesundheitsuntersuchungen (“Check-up”). Beratungs- und Untersuchungsangebot für gesetzlich Versicherte. www.hausarzt.link/fBal3, abgerufen am 05.08.2026.
Krogsbøll LT, Jørgensen KJ, Gøtzsche PC. General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019, Issue 1. Art. No.: CD009009. doi: 10.1002/14651858.CD009009.pub3
Sommer I, Harlfinger J, Toromanova A, Affengruber L, Dobrescu A, Klerings I, Griebler U, Kien C. Stakeholders’ perceptions and experiences of factors influencing the commissioning, delivery, and uptake of general health checks: a qualitative evidence synthesis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2025, Issue 3. Art. No.: CD014796. doi: 10.1002/14651858.CD014796.pub2
Weiterlesen
Digitalisierung
Hausärztinnen und Hausärzte: ePA nur wenig praxistauglich
IQWiG-Analyse
Check-up: Die echten Profiteure bleiben fern
Serie E-PA
E-PA für alle in den Praxen: Es muss funktionieren!
Darmkrebs
Screening per Stuhltests kaum genutzt
Studienergebnisse
Fünf kardiovaskuläre Risikofaktoren verkürzen das Leben um zehn Jahre
Menschen, die im Alter von 50 Jahren fünf kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen – Hypertonie, erhöhter Cholesterinwert,…
Gesetzesbeschluss
Bundestag lockert Regeln für Organspenden
Statistisches Bundesamt
Hautkrebs-Fälle in Kliniken binnen 20 Jahren fast verdoppelt
IGel-Report 2024
2024: 2,4 Milliarden Euro für IGeL-Leistungen
Mindestens 2,4 Milliarden Euro geben GKV-Versicherte jährlich für Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) aus, so ein Ergebnis…
Infografik
HIV: Wissen zum Mitnehmen
Statistisches Bundesamt
Viele Ärzte scheiden in kommenden Jahren aus Berufsleben
Für Hausärztinnen und Hausärzte, Praxismitarbeitende und ÄiW (Allgemeinmedizin und Innere Medizin mit hausärztlichem Schwerpunkt) ist der Zugang immer kostenfrei.
Mitglieder der Landesverbände im Hausärztinnen- und Hausärzteverband profitieren außerdem von zahlreichen Extras.