Es gibt keine klare Evidenz dafür, dass die Einnahme von NSAR zu einer Verschlechterung einer Colitis ulcerosa führen kann. Die Leitlinie enthält nun eine “Kann”-Empfehlung zur Einnahme von COX-2-Hemmern und NSAR gegen Schmerzen: “Auch COX-2-Hemmer und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können bei Colitis ulcerosa angewendet werden.”
Bei Erstdiagnose einer Colitis ulcerosa, bzw. spätestens vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie, sollte bei allen Betroffenen ein Infektionsscreening auf Hepatitis A, B, und C, Tuberkulose, HIV und EBV durchgeführt werden. Außerdem soll eine mikrobiologische Stuhldiagnostik auf bakterielle Erreger inklusive Clostridioides-difficile-Toxin erfolgen.
Bei entsprechender Reiseanamnese soll die Stuhldiagnostik auch landestypische Erreger einschließen. Vor Beginn einer Therapie sollte der Impfstatus überprüft werden. Das ist besonders wichtig, weil es für das Nachholen fehlender Lebendimpfungen erst einmal für eine ganze Weile zu spät sein kann. Vor Durchführung einer Lebendimpfung sollte nämlich eine immunsuppressive Therapie ein bis sechs Monate pausiert werden.
Die Darmsonografie spielt eine wichtige Rolle in der Diagnostik. Bei der Erstdiagnostik sollte sie zur Erfassung der Krankheitsaktivität und im schweren Schub zur Erfassung von Komplikationen eingesetzt werden. Außerdem sollte bei einem mittelschweren bis schweren Schub mit sonografisch nachweisbarer Darmwand- verdickung das Therapieansprechen sonografisch kontrolliert werden.
Kein Cannabis zur Therapie akuter Entzündungen
Ebenfalls neu ist die Empfehlung, dass auch im ambulanten Bereich bei Betroffenen mit hoher Krankheitsaktivität und Risikofaktoren für eine Thromboembolie die Indikation für eine medikamentöse Thromboseprophylaxe zu prüfen ist.
Damit eine Colitis ulcerosa möglichst gar nicht entsteht, sollte allgemein eine Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse empfohlen werden. Zur Primärprävention einer Colitis ulcerosa hat die weitere Ernährungsempfehlung der Leitlinie einen niedrigen Empfehlungsgrad: Das Vermeiden bzw. eine reduzierte Aufnahme von rotem Fleisch, Softdrinks und Saccharose-haltigen Nahrungsmitteln “kann erwogen” werden. Laut Leitlinie sollte Stillen über mindestens sechs Monate zur Prävention des Auftretens einer Colitis ulcerosa empfohlen werden.
Neu sind auch die Einschätzungen zum Nutzen von Cannabis-basierten Arzneimitteln und medizinischem Cannabis: Sie sollten nicht zur Therapie der akuten Entzündung eingesetzt werden. Außerdem sind sie allenfalls zur Schmerztherapie sowie bei Appetit- und Gewichtsverlust bei Versagen anderer Therapien zu erwägen.
Lebendimpfungen sollten bei Säuglingen nach Biologika-Exposition in Utero für mindestens neun Monate vermieden werden. Nur die Rotavirus-Impfung darf neuerdings zum von der STIKO empfohlenen Zeitpunkt durchgeführt werden.
Betroffene sollten initial und im weiteren Krankheitsverlauf auf einen Mikronährstoffmangel untersucht werden und entsprechend mit Supplementen behandelt werden, z. B. Eisen, Vitamin D, Folsäure, Zink, Selen und Vitamin B12. Ebenso sollten Hb und Eisenparameter alle drei bis zwölf Monate kontrolliert werden. Bei Eisenmangel sollte die Krankheitsaktivität kontrolliert und ggf. die Therapie angepasst werden. Eine Eisensubstitution sollte bevorzugt intravenös erfolgen.
Die Leitlinie enthält in dieser Version eher “kleinere” neue Empfehlungen, die jedoch teilweise besonders für die hausärztliche Versorgung relevant sind, beispielsweise die, die sich auf Impfen, Nährstoffmangel sowie Kontrolle des Eisenhaushalts beziehen.
Wichtige Änderungen in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa
Die S3-Leitlinie Colitis ulcerosa enthält auch relevante Empfehlungen für den hausärztlichen Bereich.
- COX-2-Hemmer und NSAR können gegen Schmerzen bei Colitis ulcerosa angewendet werden.
- Bei Erstdiagnose einer Colitis ulcerosa, bzw. spätestens vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie, sollte bei allen Betroffenen ein Infektionsscreening auf Hepatitis A, B, und C, Tuberkulose, HIV und EBV durchgeführt werden.
- Vor Beginn einer Therapie sollte der Impfstatus überprüft werden.
- Bei Betroffenen mit hoher Krankheitsaktivität und Risikofaktoren für eine Thromboembolie ist die Indikation für eine medikamentöse Thromboseprophylaxe zu prüfen.
- Betroffene sollten initial und im weiteren Krankheitsverlauf auf einen Mikronährstoffmangel untersucht werden und entsprechend mit Supplementen behandelt werden, z. B. Eisen, Vitamin D, Folsäure, Zink, Selen und Vitamin B12.
- Hb und Eisenparameter sollten alle 3–12 Monate kontrolliert werden.
- Zur Reduktion des Auftretens einer Colitis ulcerosa sollte eine Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse empfohlen werden.
