Für die Alzheimer-Diagnostik gibt es verschiedene Biomarker aus dem Blut, die in Europa bereits CE-zertifiziert oder in Entwicklung sind. Der aussagekräftigste Parameter ist das pTau217 im Plasma mit einer Sensitivität von 82 Prozent und einer Spezifität von 86 Prozent. Eine Leitlinien-Empfehlung zum Einsatz besteht derzeit nur in Verbindung mit anderen Biomarkern der Amyloidpathologie, z. B. im Liquor oder in der PET-Bildgebung.
Laut DEGAM-Ergänzung gibt es keinen Hinweis, dass eine Bildgebung insgesamt nützt. Eine Bildgebung in der Demenzabklärung ist allerdings auch laut DEGAM eindeutig indiziert, wenn es klinische oder labordiagnostische Hinweise auf eine spezifische Ursache der Demenz gibt.
Die übrigen Autorinnen und Autoren der Leitlinie raten beispielsweise zur Durchführung einer strukturellen Bildgebung des Gehirns (MRT) im Rahmen der Erstdiagnostik sowie zur Durchführung nuklearmedizinischer Untersuchungen, falls ein Effekt auf das klinische Management erwartbar ist. In der neuen Leitlinienversion wird jetzt, neben der FDG-PET oder Amyloid-PET, in bestimmten Fällen eine Tau-PET empfohlen.
Frühzeitige Kommunikation
Um bei später fehlender Einwilligungsfähigkeit im Sinne der Betroffenen handeln zu können, empfiehlt die Leitlinie eine frühzeitige Kommunikation mit Betroffenen und Angehörigen (Advance Care Planning, ACP) für zukünftige medizinische, pflegerische und weitere Aspekte im späteren Krankheitsverlauf.
Als nichtmedikamentöse Maßnahmen können bei Demenz Musiktherapie mit Musikhören oder Musizieren sowie körperliches Training durchgeführt werden. Das körperliche Training kann beispielsweise physio- oder sporttherapeutisch angeleitet werden und 150 Minuten aerobes Training pro Woche beinhalten. Körperliches Training und Musiktherapie können bei Demenz zur Verbesserung der Kognition beitragen. Die Evidenz dafür ist allerdings niedrig.
Angehörige entlasten
Interventionen, um die Belastung von Angehörigen zu reduzieren, werden in der neuen Leitlinie empfohlen. Mit niedriger Evidenz wird zu Psychoedukation, kognitiver Verhaltenstherapie oder Multikomponenten-Interventionen geraten. Angehörigen mit bereits leichter Depression oder Anpassungsstörung wird bei moderater Evidenz für eine Wirksamkeit unter anderem eine kognitive Verhaltenstherapie empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt jetzt explizit regelmäßiges Schmerzscreening in Einrichtungen oder durch Angehörige nach entsprechender Schulung. Die Gabe von Schmerzmitteln ohne spezifische Indikation wird nicht empfohlen. Sturzgefahr soll durch körperliches Training verringert werden. Zusätzlich sollen Medikamente vermieden werden, die die Sturzgefahr erhöhen.
Möglichst keine PEG
Harninkontinenz soll selbstverständlich nicht mit anticholinergen Substanzen behandelt werden. Stattdessen werden Trospium, Darifenacin oder Fesoterodin empfohlen. Bei Dysphagie sind logopädische Übungen angezeigt. Es gibt allerdings keinen Hinweis auf einen positiven Effekt durch Magensondenernährung bei Demenz. Bei fortgeschrittener Demenz soll die Ernährung nicht durch eine perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) erfolgen.
Diese Überarbeitung der Living Guideline Demenzen brachte eher allgemeine und kleinere Änderungen. Bleibt abzuwarten, ob die nächste Revision der Leitlinie “Gamechanger” enthält, wie zum Beispiel klare Empfehlungen zur Anti-Amyloid-Antikörper-Therapie. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
