“Meine Beine werden immer dicker, egal was ich tue. Ich bekomme ständig blaue Flecken und nehme immer mehr zu. Meine Freundin sagt, das ist ein Lipödem, die hat das nämlich auch. Ich möchte ein Rezept für eine Lymphdrainage, und wie sieht es eigentlich mit Liposuktion aus?”
Mit solchen oder ähnlichen Aussagen würden sich Patientinnen oft bei Ärztinnen und Ärzten vorstellen, berichtete Dr. Katja S. Mühlberg, Fachärztin für Innere Medizin und Angiologie sowie geschäftsführende Oberärztin am Universitätsklinikum Leipzig. Bei vielen bestünde jedoch gar kein Lipödem, sondern nur eine Adipositas. Am bedeutsamsten sei daher die korrekte Diagnose. Praktische Empfehlungen hierfür liefert die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (s. Link-Tipp).
Wie gelingt die Diagnose?
Gemäß Leitlinie handelt es sich beim Lipödem um eine disproportionale und symmetrische Fettgewebsverteilungsstörung der Extremitäten, die fast ausschließlich bei Frauen vorkommt. Kopf, Hals und Stamm sind nicht betroffen; auch Hände und Füße sind ausgespart. Das Lipödem ist immer schmerzhaft; eine nicht schmerzhafte disproportionale symmetrische Fettverteilungsstörung (Lipohypertrophie) ist vom Lipödem abzugrenzen.
Hier wies Mühlberg darauf hin, dass die allgemeine Aussage “schmerzende Beine” nicht das Diagnosekriterium erfülle. Vielmehr müsse klar hinterfragt werden, was genau schmerzt – die Beine oder das Fettgewebe? Nicht selten seien zum Beispiel Gelenkschmerzen oder Lumboischialgien ursächlich. Kein Diagnosekriterium sei die oft vorgebrachte Hämatomneigung, dasselbe gelte für orthostatisch bedingte Ödeme, die fakultativ auftreten können.
“Die wichtigste Frage im klinischen Alltag lautet: Ist es ein Lipödem, ist es Adipositas oder ist es eventuell sogar beides?”, so Mühlberg. Denn eine koinzidente Adipositas sei bei Frauen mit Lipödem sehr häufig. Dies erschwere die sichere Diagnose eines Lipödems, weil durch den erhöhten Bauchumfang die Disproportion zwischen Stamm und Extremitäten maskiert ist.
Daher ist es laut Mühlberg wichtig, sich nicht am BMI zu orientieren, der keine Informationen zur Verteilung überschüssigen Fetts liefert, sondern Körpergröße, Taillen- und Hüftumfang zu dokumentieren. Die Waist-to-Height-Ratio (Taillenumfang geteilt durch Körpergröße, s. Tab.) stelle einen ausgesprochen hilfreichen Parameter dar, um die Disproportion zu objektivieren und den Adipositas-Anteil während der Behandlung zu verfolgen.
